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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik.

historisch zu bezeichnen. Ueber die beiden zuerst genannten Begriffe, so Wenig auch dieTheoretiker zu einer allgemein übereinstimmenden Fassung derselben gelangt sind, ver-breiten wir uns hier nicht, da unsere Fassung schon aus früher Gesagtem erkenn-bar ist. Nur eine Bemerkung. Wie die Anlage nicht identisch ist mit dem zeitlich-realen Anfänge des Lebens, die man nach der Analogie der Pflanze Keim nennenmag, sondern gedacht werden muß als die im höhern Sinne reale, d. i. schöpferischeIdee des zeitlichen Wesens, die nicht allein im Keim, sondern ebenfalls in allen weiternStadien sich bethätigt, so ist auch Entwicklung nicht als ein Auseinandertreten eines gleichsamin nnoa schon in gewißer Vollständigkeit reell vorhandenen Lebens zu denken, sonderndas Bild, welches in dem Worte liegt, hat nur Gültigkeit in seiner Beziehung zu jenerIdee, deren besondere Momente nach einander zwar in zeitstetigem Zusammenhängeund in gegenseitigem Bedingungsverhältnisse denn auch das Künftige bedingt ver-möge der Idee die Bestimmtheit des Früheren, aber ohne eigentliche Kausalität desVorangehenden für das Nachfolgende in die Wirklichkeit treten. Daher ist Entwicklungkein analytischer, sondern ein synthetischer Proceß. Auch bei dem Gesetz der Entwick-lung, den Altersstufen, dürfen wir nicht verweilen; über einen so offen liegenden Gegen-stand der Erfahrung ist in der Sache selbst kaum eine Verschiedenheit der Meinungenmöglich, und über Wesen und Bedeutung derselben hat die Theorie schon längst vielLicht gegeben; dazu ist unsre Auffassung schon durch den Stnfengang von Anschauung,Begriff und Idee, so wie durch die Unterscheidung des freihcitslosen und des freienDaseins angedeutet worden. Ueber den Culturgang der Menschheit jedoch in seinender Gegenwart näher liegenden Stadien und über sein gegenwärtiges Resultat erlaubenwir uns noch einige Bemerkungen.

Daß die Menschheit als Geschlecht und als Gesellschaft sowohl im ganzen, wiein ihren Völkern eine den Lebensaltern des Einzelnen ähnliche Stufenleiter von Ent-wicklungen durchgeht, ist ein Gedanke, der sich längst der aufmerksameren Betrachtungaufgedrängt hat und sich immer wieder geltend machen wird, wenn schon eine völligklare begriffliche Erfassung dieser Stufen und ihres Verhältnisses zu der Entwicklungder Einzelnen ihre Schwierigkeiten hat. So viel ist Wohl durch die Thatsachen derGeschichte außer Zweifel gesetzt, daß die Culturepochen der Völker, auch die der Mensch-heit selbst, zuerst in der Menge der Einzelnen im Stillen sich vorbereiten, in unbe-stimmten Ahnungen, Gefühlen, Wünschen, Erwartungen und halbverstandenen Bestre-bungen sich verkündigen, dann, nach Erfüllung der Zeit, in der hervorragenden Begabungund Kraft Einzelner zum principiellen Bewußtsein und energischer Betätigung gelangen,und von diesen Stiftern aus, nicht ohne Kampf gegen widerstrebende Elemente, zumLebensgeiste und zur Lebensform der Gesellschaft werden. Solche Stifter sind gleich-sam die Erzieher und Väter der Gesellschaft; diese bildet sich nach ihnen als den vollen-deten Repräsentanten des ihr dunkel inwohnenden Princips. Von der Gesellschaft ausdurch die Familien wird aber der neue Lebensgeist anthropologisch auch zum Eigen-tum des Geschlechts und bestimmt nun nicht bloß durch den gesellschaftlichen Zug derTradition und Nachfolge, sondern auch durch die angeborne Anlage einer entschiedenenRichtung und Befähigung den natürlichen Charakter des Volkes oder der Menschheit.Bis zum Christenthum war alle Stiftung dieser Art nur national; das principielleBewußtsein hatte sich noch nicht über das Volksthum hinaus zu der reinen und ener-gischen Idee der Menschheit erhoben. Zwar das Gefühl und die Ahnung des Mensch-lichen war längst in den Völkern wach geworden; aus der innern Erfahrung ethi-scher Vorstellungen und Antriebe hatte sich selbst ein bewußter Begriff desselben hervor-gebildet, der sich mehr und mehr bereicherte, erweiterte und klärte. Vor allen andernVölkern waren das Gricchenvolk und Israel, jedes in seiner Weise, Träger dieses Begriffesund gründeten darauf das Bewußtsein einer hervorragenden Stellung. In ihnen, inder Entwicklung ihrer Culturen und Schicksale, gewann das menschliche Geschlechtseine unmittelbare Vorbereitung zum Christentbum; das eine dieser beiden Völker war