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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik.

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als dem innern Leben angehöre und nicht bedeutend genug sei, um in diese Reihe ge-stellt zu werden. Indessen hat doch das Christenthnm nicht bloß Religion und Sitt-lichkeit, sondern auch das Schönhcitsleben der Menschen ans eine wesentlich höhereStufe gehoben, und schon diese Erinnerung mag uns rechtfertigen, wenn wir der Schön-heit eine innere und ethische Bedeutung beilegen. Wir denken aber, indem wir sieals Zielpunct hinstellen, nicht bloß an die Bildung des Geschmacks, des Urtheils überSchönheit, sondern ebensowohl, ja hauptsächlich an die Schönheit selbst als Eigenschaftdes Menschen. Natürlich denken wir nicht an körperliche Schönheit; diese kann, wennschon die praktische Pädagogik gewisse Beziehungen zu ihr hat, doch unmöglich alseiner ihrer Zielpunkte gelten. Auch denken' wir zunächst nicht an die Schönheit inBewegung und Haltung des äußern Menschen, an Grazie und Anstand; eine tiefereBedeutung kann dieser nur dann zngesprochen werden, wenn sie ein treuer und unge-suchter Ausdruck des innern Lebens ist. Wir denken an die Schönheit der Seele, andas, was man, mit Hinweisung ans die eigenthümliche Wirkung, auch Liebenswürdigkeitnennt, wenn man dieses Wort nicht mißbraucht. Ohne sie ist die menschliche Persön-lichkeit nicht vollendet, und ihr Mangel darf als ein sicheres Zeichen angesehen werden,daß auch Religion und Sittlichkeit nicht zu reiner Wahrheit und Kraft durchgebildetsind. Was Schönheit sei, dürfen wir hier nur andeuten. Sie ist die reine Harmoniedes Mannigfaltigen unter sich und mit der Einheit, von welcher es ohne Zwang beherrschtwird. Alle Gegensätze sind in dem Schönen nicht aufgehoben, aber vollkommen ver-söhnt und einig, Bewegung und Ruhe, Gemüthliches und Praktisches, Bewußtes undUnbewußtes, das Innere und das Aeußere, das Snbjective und das Objective, dasIch und das Du. Es ist voller Activität, aber krampfhafte Anstrengung und erfolg-loser Kamps ist ihm fremd; es ist bedeutend und gewichtig, und doch anspruchslos undleicht, als machte eS sich von selbst, natürlich und doch bewußt und frei, hingegebenund doch voll Selbständigkeit, heiter und doch nicht ohne Ernst; es flößt uns Achtungein und zieht uns doch vertraulich an sich. Welche Kraft kann diese Vollendung desendlichen Seins Hervorbringen? Keine andere als die Kraft der Liebe, sie allein thutdiese Wunder. Und wie das Schöne ans der Liebe hcrvorgeht, so erzeugt es auchwieder Liebe und heißt mit Recht das Liebenswürdige. Auch aus den schönen Werkender Natur und Kunst weht uns der Geist der Liebe an; des Künstlers Phantasie kanndavon beherrscht sein, auch wenn seine reale Individualität nicht völlig gleich gestimmtwäre. Ist aber der Mensch selbst, seine innere Persönlichkeit, wahrhaft schön, so leuchtetaus dem Vorigen ein, daß er auch sittlich und religiös sein muß; denn die Liebe istnicht ohne Glauben und Wollen, beide aber in ihrer reinen Wahrheit und Kraft sindSittlichkeit und Religion. Aber diese beiden, so lange sie nicht vollendet in der Liebesind, wirken noch keine Schönheit. Es ist nöthig, daß der unbewußte und unwillkür-liche Zug des Lebens in Gefühl und Neigung, jene andere Wurzel der Liebe, mit demGlauben und Wollen rein übereinstimmen. So verstanden ist die Schönheit einWürdiger Zielpunct der Erziehung, ohne welchen das Ideal menschlicher Bildung nichterreicht wird. Doch ist nicht zu übersehen, daß die Erziehung nicht in der Art un-mittelbar auf sie hinzuwirken vermag, wie auf die andern Zielpuncte. Sie ist die reifeFrucht der gesammten Erziehung. Nur soweit die objective Seite der menschlichenSeele, Erkenntnis und äußere Werkthätigkeit sich erstreckt, läßt sich unmittelbar für dieSchönheit etwas thun durch Anschauung und Verständnis schöner Werke, durch repro-duktive oder productive llebung im schönen Thun und Wirken. Aber das innerste undWerthvollste Gebiet der Schönheit, die des Snbjects, der innern Persönlichkeit selbstwird dadurch nicht erreicht.

ck. Wir wenden uns zu den zeitlichen Verhältnissen des Menschen. Hier ist derBegriff der allgemeinen Anlage (in formeller Hinsicht) und derjenige der Entwick-lung zu erörtern, dann das Gesetz der letztem anfznzeigen, endlich der gegenwär-tige Cnlturstandpunct der Menschheit, als Grundlage der ausfllhrendcn Erziehung