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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik.

der Stimme für daS Ohr. Hierin liegt eine unmittelbare Sprache des Gefühls undder praktischen sowohl wie gemächlichen Stimmung des Moments, gesprochen und ver-standen ohne Erlernung, in ihren gröberen und energischeren Aeußerungen selbst denhöhern Thieren verständlich. Sie ist pädagogisch wichtig theils als Mittel der Erziehung,theils als Gegenstand derselben; ihr Ideal liegt theils in ihrer Natürlichkeit und Wahr-haftigkeit, theils in ihrer Mäßigung und Schönheit. Das wichtigste Gemeingebietdieser Art ist jedoch die eigentliche Sprache in Laut und Schrift, ein Ausdruck zunächstdes objectiven Geisteslebens, der Gedankenwelt und dadurch erst, zugleich in Verbindungmit jener andern Symbolik ein Mittel zum Ausdruck des gesammten Geisteslebens.Ueber ihre pädagogische Bedeutung bedarf es hier keiner Worte.

o. Nun folgt unter Vorwalten des ethischen Gesichtspuncts die Aufstellung derhöchsten Zielpuncte menschlicher Bildung, in welchen die gesammten Wahrheitskräfte inihrer Richtung auf das Ideal wie in Brennpunetcn sich zu sammeln und zu vollendenhaben. Sittlichkeit ist das Ideal des persönlichen Verhältnisses des Menschen zusich selbst, nämlich zu der Idee der Menschheit die jedoch nur als schöpferischerGedanke Gottes rein erfaßt werden kann und zu deren Verwirklichung in der eignenPersönlichkeit und durch dieselbe in Thaten und Werken; sie ist die praktisch-energischeEinheit der selbstbewußten Person mit dieser Idee in Glauben und Gesinnung, inWollen, Lieben und Handeln. Die Principienlehre hat hier das System der mensch-lichen Pflichten und Tugenden aus diesem Princip geschöpft aufzuzeigen, ebenso mitHinzuziehung des psychologisch-historischen Gesichtspunktes die möglichen Untugendenund ihre Quellen nachzuweisen, ferner die Anknüpfungspuncte des Guten in der sichentwickelnden Seele, nämlich das Gewissen als die Ahnung des absolut gültigen Ge-setzes und die Selbstachtung («Kcox) als die Ahnung des allein im Guten beruhendenöigenen Werthes, zu erklären. Die Religion ist das Ideal des persönlichen Ver-hältnisses des Menschen zu Gott als der Urquelle aller Wahrheit und alles Lebens;sie ist Wechselverkehr mit ihm im Empfangen und Geben. Hier gibt der Mensch sich,sein endliches Selbst in freier Widmung durch Glauben und Liebe an die unendlicheund höchste Person hin, um von ihr sich selbst erfüllt mit reinster Wahrheitskraftwieder zu empfangen; so gewinnt er das klare Bewußtsein seiner Endlichkeit sowohlüberhaupt wie seiner individuellen Grenzen und die unbedingte Zufriedenheit mit ihnen,den aufrichtigen Anschluß seines Wirkens an das göttliche, die Willigkeit von Gott sichleiten zu lassen, und das unbedingte Vertrauen, daß sein Dasein und sein Werk inGott gesichert ist. Zwei Anknüpfungspuncte hat die Religion in der sich entwickelndenSeele, einmal die allen inwohnende Ahnung des unendlichen, unbedingten und vollkom-menen Seins, aus welcher alle Vorstellungen der Menschen von Gott hervorgetriebenWorden, und welche als die allgemeine im Menschen angelegte Offenbarung Gottesjeder besondern Offenbarung zum Grunde liegt; zweitens das dunkle Bewußtsein undGefühl der eigenen Endlichkeit und Bedingtheit, der eigenen llngenügsamkeit zur Ver-wirklichung und Sicherung der menschlichen Idee, in Bezug nicht allein auf die Be-dingungen des menschlichen Daseins überhaupt, sondern ganz besonders des von Ge-wissen und Selbstachtung geforderten sittlichen Lebens. Dieses ursprüngliche Gefühl,das wir natürliche Demuth, auch mit Schleiermacher Abhängigkeitsgefühl nennen können,muß freilich, wenn es, wie gewöhnlich, in der steigenden Selbstkraft des Lebens durchUebermuth getrübt ist, dann durch die Erfahrung der eigenen Schwäche im Kampfemit Misgeschick und Leiden, insbesondere auch der Schwäche im Guten undim Kampfe mit der Sünde neubelebt werden, begründet dann aber in Verbindungmit jener mehr und mehr zur Klarheit der Erkenntnis emporsteigenden Ahnung, mitHülfe historischer und gesellschaftlicher Kräfte den reellen und ernsten Glauben an Gottund unser persönliches Verhältnis zu ihm. Der dritte der allgemein menschlichenidealen Zielpuncte der Erziehung ist die Schönheit. Diese scheint auf den erstenBlick jenen beiden andern fremd zu sein; man kann meinen, daß sie mehr dem äußern