Pädagogik.
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trachten. Das Verhältnis von Leib und Seele im allgemeinen bezeichnen wir, mitVerwerfung sowohl der materialistischen wie der spiritualistischen Auffassung, als einenharmonischen Dualismus, in welchem beide als selbständige und gleichwürdige Wesenihre Gegensätzlichkeit, die stärkste, welche innerhalb der Schöpfung gegeben ist, durchgöttliche Befreundung aufs innigste und unauflöslichste zu gemeinsamem Leben, gleichsamzu der innigsten Ehe der Welt verknüpft haben, so, daß sie sich in allen ihren Lcbens-tendenzen bedingen und fördern, freilich auch beschränken, aber eben dadurch auch ihrgemeinsames Leben zu der eigentlich menschlichen Energie und Lebensfülle erhöhen.So im Ideal und in der ursprünglichen Stiftung und Anlage. Aber auch dieses Ver-hältnis, wie das gesummte Menschenleben, ist der Entwicklung unterworfen, und inden Schwankungen derselben kann auch, wo von irgend einer Seite das Maß über-schritten wird, der Consensus in Antagonismus Umschlägen. Dies hat die ErziehungWohl zu beachten, aber sie darf sich dem Wahne nicht hingeben, als wäre das leiblicheLeben nur ein Hindernis des geistigen, und als käme alles Unvollkommene und Irrigeim intellectuellen, alles Fehlerhafte und Schwache im sittlichen Leben auf seine Rechnung.Auch der Körper könnte sich nicht selten über den Geist beklagen, wenn dieser seineKräfte misbrancht oder überspannt. Er hat einen großen Theil seiner Bewegnngs-krafte und seines Nervensystems sammt den Sinnesorganen dem Geiste zu Gebote ge-stellt und ganz zu dessen Zwecken eingerichtet; er eröffnet uns das Gebiet der Naturzur Erkenntnis, zum Genuß und zur Beherrschung, in ihm sind die geistigen Anlagenund Triebe niedergelegt und bewahrt, noch ehe der Geist selbst ihrer in Bewußtseinund Willen mächtig werden kann. Er entwickelt sich in Uebereinstimmung mit denZwecken des Geistes und läßt sich willig von ihm in den vernünftigen Grenzen be-herrschen; dabei erwartet er die nöthige Pflege und Hülfe, ja Zucht von ihm, aufwelche bei der Stiftung dieses Bundes gerechnet worden ist. — Es ergiebt sich ansdiesem Verhältnisse eine doppelte Sorge,eine diätetische und eine gymnastische. Jene,die Diätetik, übernimmt die Pflege und Zucht des Körpers in allen denjenigen Func-tionen desselben, welche nicht unmittelbar, sondern nur durch Darbietung oder Entziehungvon Bedingungen unter den Einfluß des Geistes gestellt worden sind, soweit diesePflege und Zucht durch den Erziehungszwcck gefordert wird. Sie faßt hierbei nichtbloß die Nahrung, deren Auswahl und Maß ins Auge, sondern auch Kleidung undObdach, die Reinigung, Lüftung, Heizung, Beleuchtung; sie läßt auch den leiblichenVerkehr mit den Kindern, die Zärtlichkeitserweisungen namentlich gegen das zarte Alternicht unbeachtet, deren Uebermaß verweichlichend ist; sie wird in allen diesen BeziehungenStrenge und Milde theils gleichzeitig in dem herrschenden Mittelmaß, theils im Wechselnach Gelegenheit und besondern Zwecken zu vereinigen wissen, damit sowohl für Selb-ständigkeit und Reactionsfähigkeit des Organismus (Abhärtung) wie auch für dieebenso nöthige Weichheit (nickt Weichlichkeit) und Empfänglichkeit für äußere Eindrückegesorgt werde. Die pädagogische Gymnastik ist die Erziehung der Seele zur Beherr-schung des Körpers und die Uebung und Gewöhnung dieses letzteren zu völligem Ge-horsam in allen denjenigen Thätigkeiten desselben, welche dem Willen der Seele un-mittelbar untergeben sind. Es gehört hierher vornehmlich das ganze Bereich der will-kürlichen Muskelbewegung mit der Turnkunst und verwandten Künsten, aber auch dasNervensystem, soweit es unmittelbar der Seele dient, also die Uebungen der Sinne,die Uebungen zur Ueberwindung des Schwindels; ja selbst die Arbeit des Denkensfällt mit unter diesen Gesichtspunct, insoferne sie eine Mitwirkung des Gehirns bedingt,das angestrengt, aber auch geschont werden muß. — Zu der Lebensgemeinschaft vonLeib und Seele gehört auch die Symbolik, womit der Leib die Thätigkeit der Seelebegleitet. Schon die Gestaltung des Leibes gehört hierher, unter dem physiognomischenund phrenclogischen Gesichtspunkte betrachtet. Doch walten hierbei auch Beziehungeneiner reellen Mitwirkung. Bloß ideell ist die Begleitung des Seelenlebens durch dasSpiel der Mienen und Geberden für das Auge, durch den Ton und die Modulation