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Pädagogik.
trachtet, gibt sie uns mit dem thierischen Dasein Aehnlichkeit, welches auf sie beschränktist; wir sind aber auch Geschöpfe und können als solche unser Leben nicht mit Freiheitund Herrschaft beginnen. Aber der Inhalt jener Form ist bei uns ein wesentlich höhererund reicherer. Er umfaßt die gesammte menschliche Anlage, die allgemeine wie diebesondere, und wenn diese Anlage weniger, als die engbegrenzte der Thiere, unmittelbarin der Form des Unbewußtseins wirksam erscheint, so erklärt sich dies eben dadurch,daß die Freiheit in ihr vorgesehen ist. Sie bedarf zu ihrer Bethätigung und Culturdas Bewußtsein der Wahrheit und der vernünftig geselligen Einwirkung. Und dennochist alle Cultur nur auf dieser Grundlage des dunkeln und unwillkürlichen innernLebens möglich, das zunächst nur als unverstandne Erfahrung, einerseits als Ahnungund Gefühl, andrerseits als Trieb und Begehrung uns zum Bewußtsein kommt. Dennauch hier, wie in dem Leben der Freiheit, finden wir eine theoretisch - gemüthliche undeine praktische, Bewegung erzeugende Seite. Ahnung, das Erzeugnis des unbewußteninnern Gedankenlebens, leitet die eigentliche Erkenntnis ein, selbst schon ein Dämmer-licht derselben; Gefühl, mit seinem unwillkürlichen Verwerfen und Annehmen, mitseiner Neigung und Abneigung, Lust und Unlust, stammt von derselben innern Ideal-welt, sofern sie durch ihre principielle Kraft Subjcctivität erzeugt; es ist dem Glaubenähnlich, der selbst bisweilen für ein Gefühl gehalten worden ist. Trieb und Begeh-rung endlich entsprechen dem Willen und kommen ihm entgegen.
Wie verhält sich nun zu diesem Gebiete psychologischer Betrachtung die Liebe,von der wir sagten, daß in ihr die menschliche Persönlichkeit sich vollende? Sie scheintGefühl und Neigung zu sein und nicht selten wird das Wort, wiewohl mißbräuchlich,in dieser Beschränkung gebraucht. Sie hat auch alles von der Unwillkürlichkeit dieserdunklen Functionen, und nicht in jedem Sinne sind wir, sofern wir lieben, Meisterdes in uns waltenden Lebens; die formale und isolirte Jchidee hat als solche ihreMacht verloren. Aber Liebe ist weit mehr als Gefühl und Neigung; sie schließt ebensoWesentlich den Glauben, d. i. die subjective Seite der selbstbewußten idealen Erkenntnisein und setzt die Klarheit ihrer objektiven Seite voraus. Jedoch auch der Glaube alleinkann die Liebe nicht erzeugen (vergl. t Cor. 13, v. 2.); sie entspringt nur in demZusammenstimmen des Gefühls und der Vegehrung mit dem Glauben und der Ge-sinnung, und diese beiden Grundseiten des menschlichen Wesens vollenden sich erst inihr; durch sie gewinnen Glaube und Gesinnung ihre rechte Freudigkeit, Sicherheit,Herzlichkeit, Gefühl und Begehrung aber ihren vollkommen menschlichen und persön-lichen Charakter, in dem sie in das Reich der Freiheit und selbstbewußten Wahrheitemporgehoben werden. Die Liebe ist die höchste Gabe der schöpferischen WirksamkeitGottes an uns, wobei die menschliche Erziehung nach göttlichem Plane wesentlich mit-zuwirken hat; sie ist aber auch ihrem Gegenstände und Inhalte nach wesentlich LiebeGottes, und ein Geschöpf wird nur dann recht geliebt, wenn es eben als GeschöpfGottes, nach dem Gedanken der göttlichen Schöpferliebe, geliebt wird; nur in Gott,in der Einigung mit ihm kann die endliche Person reine Wahrheit und volles harmo-nisches Leben finden. — Wie aber der Mensch die doppelte innere Beziehung hat ein-mal zu der Wahrheit des Seienden als solcher, sodann zu der Wahrheit der seinemWerden und Thun zngetheilten Bestimmung, und wie dieser Gegensatz im freiheitslosenLeben als Gefühl und Begehrung, im Leben der Freiheit als Glaube und Wille sichausspricht: so erscheint auch die Liebe in doppelter Gestalt, als Liebe der Zufriedenheit,des Friedens und der Freude im Gemüth, und als Liebe des feurigen Strebens, derLust des Werdens und Wirkens in der Praxis des Lebens. (Mit feinem Sinn ist inder griechischen Sprache dieser Unterschied durch die Ausdrücke und lh-»? aus-
geprägt; da jedoch dieses letztere Wort eine sinnliche Färbung angenommen hatte, somußte im N. T. die gesammte Liebe als Ideal der menschlichen Persönlichkeit durchbezeichnet werden.)
b. Die Principienlehre hat ferner die leiblichen Beziehungen der Seele zu be-