Pädagogik.
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wenig den Willen, wenn man ihn nur in den besonderen Entschließungen und Handlungensähe. Das Allgemeine an ihm, Charakter, Gesinnung, Grundsätze gehen nicht ansden einzelnen Entschließungen, etwa auf dem Wege der Gewohnheit oder einer Artvon Gedächtnis hervor, sondern die Idee ist das Erste. Hiermit streitet nicht, daßin sehr vielen Fällen nicht diejenige Idee Motiv des Handelns ist, welche der Handlungnach ihrer vollen Wahrheit und ihrem höchsten Ideal zum Grunde liegen würde.Vermöge der cansalen Beziehungen, wodurch die Dinge verknüpft sind, kann unserThun auch durch Ideen motivirt werden, welche zu seinem Inhalt unmittelbar keinenBezug haben. So bringt die Idee der selbständigen Persönlichkeit mit ihrer Tendenzder Selbsterhaltnng und der Selbstvervollkommnung eine Menge von Entschlüssen, Hebun-gen, ja Tugenden hervor, die freilich, in ihrem Ideal gedacht, Konsequenz einer andern,Hähern Idee sein müßten; nun aber, einmal zur That geworden, rufen sie doch auchunwillkürlich das Gefühl und die Ahnung ihres wesentlichen Grundes wach und wirkenveredelnd aus das Innere zurück. Eine andere sehr wichtige mittelbare Quelle vonEntschlüssen ist die Idee des gesellschaftlichen Verbandes, insbesondere die der Unterordnungdes unvollkommenen und unreifen Lebens unter das gereifte und verhältnismäßig voll-kommene, des unerwachscnen unter das erwachsene, worauf die Auctorität und der Ge-horsam beruht. — Wie nothwendig es ist, den Willen als eine innere geistige Activität zufassen, leuchtet auch dadurch ein, daß er auch ohne eine wirkliche und eigne Handlungdes Snbjects auftreten kann. Die Gesinnung ist ein zwar thatbereiter, aber beimangelnder Gelegenheit zur That im Gemüthe ruhender allgemeiner Wille. Aber selbstder bestimmte Wille kann vollendet auftreten ohne die entsprechende That im wollendenSubjecte selbst, da, wo er sich auf das Thun und Lassen eines andern Subjects bezieht;denn die pädagogischen Begriffe des Gebotes undBerbotes, der Erlaubnis, desLobes und des Tadels sind nichts anderes, als ein bestimmtes Wollen, dessen Gegen-stand eine fremde, mögliche oder wirkliche That ist. — Wir haben im Vorstehenden dieInnerlichkeit und Idealität des Willens, seine wesentliche Einheit mit der Glaubensseiteder Erkenntnis geflissentlich hervorgehoben, weil dieselbe, nachdem sie in älterer Zeitmehr vorausgesetzt als verstanden, ja mißverstanden worden, indem man einen unmit-telbaren Einfluß bloßer Begriffe auf den Willen annahm, in unfern Tagen mehr alsbillig in den Hintergrund gestellt, ja geläugnet worden ist. Wir sind dabei jedoch nichtder Meinung, daß die Cultnr des Willens allein von der Erkenntnis aus angegriffenwerden müße. Der rückwirkende Einfluß der That und des Werkes auf das Wollenund die Gesinnung wurde schon angedentet; er liegt nicht bloß darin, daß das richtigeThun, durch irgend welche, nur sittlich erlaubte, Motive zur Ausführung gebracht, diean sich zum Grunde liegende wahre Idee zum Bewußtsein und Glauben, somit zupraktischer Wirksamkeit erweckt, sondern ebenso stört auch das unrichtige Thun, indemes durch äußern Erfolg täuscht und innerlich Gewohnheit bildet, die Klarheit undEnergie des Hähern Gedankens. Aber es kommt noch eins hinzn. Der Wille alseine praktische Entscheidung im Innern kann sich in ganzer Entschiedenheit nicht voll-ziehen, ohne daß die reale Möglichkeit der geforderten Handlung erkannt worden ist. DieseMöglichkeit im ganzen wird zwar in der Idee selbst schon miterfaßt, in der Beson-derheit des Lebens aber ist dazu außer einer besonnenen Erwägung der Umstände vorallem, sofern es auf eigne That ankommt, ein sicheres Bewußtsein der eignen werk-thätigen straft erforderlich, welches in der Regel nicht ohne die Selbsterfahrnng deswirklichen Thuns gewonnen wird. Erst so kann sich der Mnth, die reale Seite desWollens, der praktische Glaube an die Möglichkeit des Auszusührenden, vollenden.Ein dritter Anknüpfungspunct für die Cultnr des Willens liegt in der Gefühlsseiteder menschlichen Persönlichkeit. Ueber diese Seite ist zu dem, was oben schon gesagtworden, nur noch weniges hinzuzufügen.
Mit Unrecht hat bisweilen der Freiheitsstolz der Menschen diese Seite geringachten und sich ihrer schämen wollen. Es ist wahr, als bloße Form des Lebens be-