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Pädagogik.
heften, ohne andern Gewinn, als den einer angemerkten Aufgabe, und zu großemNachthelle der Bildung, wenn man die wirkliche Lösung und den innern Besitz derErkenntnis damit zu haben wähnt.
Der allgemeine psychologische Theil der Principienlehre hat zweitens vom Willenzu reden. Diese Function steht ihrem innern Wesen nach in naher Verwandtschaft mitdem Erkennen; sie knüpft sich an die subjective Seite desselben, an den Glauben an,ja sie ist mit diesem in der Wurzel eins und dasselbe. Beide, der Glaube und derWille sind Einheit des selbstbewußten Geistes mit der principiellen Kraft der Wahrheit,wodurch diese zu unsrer persönlichen Kraft wird und sich sammt ihren Conseguenzenin uns und von uns aus zum Sein und zum Werden bestimmt. Der Unterschied istnur der, daß der Glaube im Sein verharrt, der Wille auf das Werden geht, jenerdaher Ruhe erzeugt und wesentlich gemüthlich ist, dieser, bei aller innern Festigkeitund Zuversicht, die er mit dem Glauben theilt, auf die werkthätigen Kräfte praktischbewegend einwirkt, damit im endlichen Leben das werde, was vermöge des Princips,aus dem wir wollen, werden soll und noch nicht ist. Wer den so beschriebenen Willen füreine zu schwache Wurzel des Handelns halten möchte, der verkennt die ideal-reale Kraftder Wahrheit; er wird auch die Macht des Glaubens nicht zu schätzen wissen und dieinnere Freiheit wird ihm ein unlösbares Räthsel bleiben. Freilich, wie der Glaubemit dem Gefühl, so steht auch der Wille mit dem Thätigkeitstriebe der werkthätigenKräfte in Beziehung, und die in uns als Anlage liegende allgemeine und besondereWahrheit wirkt zuerst gleichsam von unten auf in der Form des unwillkürlichen undnur empirisch bewußten Naturlebens; erst auf einer höhern, jedoch bald, schon mit demIchbewußtsein, eintretenden Entwicklungsstufe, fängt sie an, ihr freipersönliches Leben inuns, von der Idee aus zu entfalten. Es muß daher zwischen dem Gefühl und demGlauben, zwischen dem Triebe der Thatkraft und dem Willen eine Harmonie und gleich-sam ein gegenseitiges Entgegenkommen gestiftet werden, damit unser Inneres zu seinervollen Kraft, Wahrhaftigkeit und Freiheit erwachse — und diese Harmonie erwirklichtsich in der Liebe, welche überhaupt unser Wesen erst vollendet. Aber weder dasGefühl als solches ist Glaube, noch der Trieb als solcher Wille. Beide, Glaube undWille, haben ihr Reich in dem Lichte und in der Freiheit. Darum können wir alleindem Menschen Willen zuschreiben, und wenn das Wort in Bezug auf Thiere, Pflanzen,ja leblose Gegenstände gebraucht wird, so ist dies nur die Symbolik der Sprache,welche alles Dasein nach der Analogie des menschlichen betrachtet und bezeichnet; wo-durch das Wort wollen sogar zu einem modalen Hülfsverbum geworden ist.— Wennwir von der Kraft der Wahrheit im Wollen wie im Glauben sprachen, so versteht sich,daß wir die möglichen Verirrungen damit nicht ausschließen. Aber jedem Falschenliegt etwas Wahres, jedem Unberechtigten eine Berechtigung zu Grunde. Jede beson-dere Idee wird falsch und führt in ihren Conseguenzen zu immer größerer Verderbnisdes Lebens, wenn sie isolirt auftritt und ihr richtiges Verhältnis in der gesammtenWahrheit nicht festhält; dennoch bleibt sie an sich wahr und berechtigt. So die Jch-idee, der Anspruch endlicher Selbstständigkeit und Freiheit; eine Erziehung, welche sieunbedingt verneinen wollte, statt sie durch den Glauben an die volle göttliche Wahr-heit zu überwinden und ihrer leeren Formalität dadurch den rechten Inhalt zu geben,würde den verkehrtesten Weg gehen. — Die Verwandtschaft und wurzelhafte Einheitdes Glaubens und Wollens zeigt sich auch in einem durchgehenden Parallelismus ihrerBestimmungen. Beide bedürfen in ihrer Genesis ,der kleberlegung, in welcher wireinerseits der Grundidee, andrerseits des bestimmten Falles uns bewußt werden undbeide mit einander verknüpfen; dann folgt die Entscheidung zum Glauben und Wollen,der Beschluß und der Entschluß, positiv oder negativ. Beide erzeugen ferner allgemeineSätze, Maximen der Benrtheilung, und Maximen des Handelns, und in beiden gibtes eine Conseguenz. Wie man den Glauben gar nicht verstehen würde, wenn man ihnnur in den besondern Urtheilen finden wollte, welche seine Conseguenz erzeugt, ebenso-