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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik.

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zu einer inner» Selbsterfahrnng; sie gibt der begriffsbildenden Thätigkeit des selbst-bewußten Geistes Anregung und Stoff, und bereitet durch die Verbindung dieser beidenDienste das freibewußte Jdecnleben vor. Andrerseits ist sie, in der Hand einer weisenErziehung, geeignet, vom Bewußtsein aus die Vcrnunftanlage der Natur selbst zubereichern und zu veredeln; denn das Angeschaute, indem es in uns zur Anschauungwird, ruft das nämliche Princip, woraus es hervorgegangen, auch in uns, den An-schauenden, zur Wirksamkeit, und gibt dadurch der Phantasie und den Gefühlen Rich-tung und Belebung, auch wenn es selbst in seiner Bestimmtheit dem Bewußtseinwieder entschwindet. Es liegt hierin ein Großes für die ästhetische, sittliche undreligiöse Bildung, aber auch eine Vorsicht gebietende Gefahr, da sinnliche Anschauungenihr physiologisches Princip zur Unzeit und mit einseitiger Gewalt in uns belebenkönnen, und selbst die Kraft egoistischen Thuns, in deren Anschauung ein Kind lebt,das formale Jchprincip zu ungebührlicher Zuversicht und roher Geltendmachung zusteigern droht, wofern nicht Anschauungen anderer Art das nöthige Gegengewichtgeben. Die Wirksamkeit des Beispiels erklärt sich zum Theil schon aus der Machtder Anschauung.

Unter den deutschen Pädagogen hat Pestalozzi den Begriff und die Bedeutung derAnschauung vollständiger und tiefer erkannt, als seine Vorgänger, wenn schon in demBestreben, sich selbst ganz klar zu werden, diese Erkenntnis sich ihm verengte und trübte.Herbart gieng auf seinen Spuren, als er von der Erziehung eineästhetische Darstellungder Welt" verlangte. Die Vorgänger faßten nur sinnliche Anschauung ins Auge, oderhoben doch einseitig das Moment der äußern Wirklichkeit hervor; ihnen war die An-schauung nur Anknüpfungspunct für die Bildung realer Begriffe und für die Stärkungdes Wirklichkeitsgefühls zur Bekämpfung phantastischen und weichlichen Wesens. Hierinlag wahlberechtigte, aber nicht volle Wahrheit. Nach Pestalozzis Zeit und namentlichwieder in unseren Tagen, hat man in der Cultur der Anschauung, namentlich dergeistigen, eine Gegenwehr wider die einseitige nur an das Selbstbewußtsein und andie äußere Wirklichkeit anknüpfende, dem tieferen Gemüthsleben nachtheilige Vcrstandes-richtung gefunden. Mit Recht; nur darf man die Bildung, auch die Volksbildung,durch diese immerhin doch auch einseitige Richtung nicht allzusehr beschränken wollen.Das Selbstbewußtsein mit seinen selbsterfaßten Begriffen hat sein unveräußerliches Recht,für das reifende Alter reichen Anschauungen und Gefühle nicht hin, und es ist einJrrthum, wenn man meint, daß die höhere Freiheit und Lebendigkeit sittlicher Gesinnungund religiösen Glaubens allein auf diesem Wege, nur unter notwendiger Beihülfe desbegrifflichen Denkens zur Erläuterung der Anschauungen erreicht werden könne.

Der Begriff in seiner (absoluten oder relativen) Allgemeinheit und in seinemvon der Anschauung abgesonderten Dasein bildet jedoch erst die zweite Stufe desDenkens und seine Cultur darf nicht allzufrüh in Angriff genommen werden. Er ist,obschon durchaus nicht ohne objective Bedeutung, doch in dieser seiner abstracten Naturohne selbständiges Leben und muß sich an ein schon mehr erstarktes und ernsteresSelbstbewußtsein anlchnen, das in seinem Streben nach selbständiger Thätigkeit ihnals Organ und Regel derselben in Anspruch nimmt. Dies geschieht bei gesunder Ent-wicklung in der Regel erst in der zweiten Hälfte des Knabenalters, in welcher Zeitauch die ersten unvollkommenen Versuche idealer Urtheile und Forderungen hervorzn-treten pflegen. Denn obgleich er in der Entwicklung des Geistes zunächst aus derAnschauung hervorgeht, so beruht er doch an sich auf der Idee, und weiset daher aufdiese höchste Stufe des Seins und des Denkens hin.

Die Idee thcilt die Allgemeinheit mit dem Begriff, das Leben und die Selb-ständigkeit mit der Anschauung. Aber sie ist nicht bloß dem menschlichen Bewußtseingegenüber, wie die Anschauung, sondern an sich selbständig; sie ist in den Grenzenihres Bereiches von unbedingter Geltung und nur abhängig von höhern Ideen, sofernsie selbst nicht die höchste ist. Sie ist lebendig nicht im Sinne der nieder» Wirklichkeit,