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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik.

Objective unsers Wesens, sondern anch das Snbjective. Vergebens sucht der Mensch,was er wesentlich sei, wenn er es außer den Kräften der geistigen Persönlichkeit zufinden meint; er ist als freies Snbject nichts anderes, als sein Glauben und Wollen,und deren Kraft ist Kraft der Wahrheit, mit der er im Selbstbewußtsein eins ge-worden; und bevor er ein Ich ist und die formale Freiheit gewonnen hat, wirkt undtreibt in ihm das Wesen der Dinge und die Idee seines eigenen Seins in dunkelnGefühlen und Begehrungen. Das Selbstbewußtsein aber mit seinem Anspruch undmit seinen Aufgaben ist nichts anderes, als der Gedanke der Selbstheit, welcher,nicht als bloße Vorstellung, sondern als ideales Princip in uns aus dem dunkelnGefühlsleben heraus sich zur Wirklichkeit unsers endlichen Lebens entwickelt, zu denErgebnissen der vorangehenden Periode in Beziehung tritt, und die persönliche Freiheit(zunächst nur als formale oder abstracto, wegen der Einseitigkeit jenes Princips)erzeugt.

Das Denken und Erkennen beginnt mit der Anschauung, schreitet fort zum Be-griff und vollendet sich in der Idee. Die Anschauung ist zwar zuerst, soweit unsreBeobachtung der Kinder reicht, eine Aufnahme dessen, was die äußern Sinne unsbieten; Doch beschränkt sie sich bald nicht mehr auf deren unmittelbares Ergebnis.Schon das erst in der Morgendämmerung des Selbstbewußtseins lebende kleine Kindgewinnt eine wenn schon unbestimmte doch lebendige Anschauung von dem geistigenLeben seiner Umgebung, von ihrem Wohlwollen und ihrer Freundlichkeit, von ihrerStrenge und ihrem Widerstande, von ihrer Energie und ihrer Schwäche; es hat eindunkeles Verständnis der Gebärden und der menschlichen Stimme. Im fortschreitendenLeben, sowie das Selbstbewußtsein, welches selbst ein doppeltes Gebiet geistiger An-schauung, das der realen Selbstanschauung vnd das des Phantasielebens, einschließt,klarer und tiefer wird, erweitert und bereichert sich immer mehr die geistige Anschauungs-welt hauptsächlich durch Vermittlung der Sprache, also mit Hülfe begrifflicher Auf-fassung, doch so, daß dabei die Reflexion wieder zurücktritt. Es gibt umfassende undhöchst wichtige Bildungsmittel, welche wesentlich auf der geistigen Anschauung beruhen,und deren Wirksamkeit man schmälert, wenn man voreilig und im Uebermaß diebegriffliche Thätigkeit der Kinder in Anspruch nimmt; solche sind Poesie und Ge-schichte. Die Anschauung ihrem allgemeinen Inhalte nach ist Vorstellung desconcreten Lebens in seiner Gegebenheit, ohne Abstraction und ohne das Bewußtseinallgemeiner Principien; selbst die geniale Anschauung des Dichters ist zunächst ohnedieses, wenigstens ohne die Herrschaft desselben. Der selbstbewußte Mensch verhältsich also, sofern er anschaut, rcceptiv, die erzeugende Kraft liegt nicht in seinem Ich,sondern in der Kraft concreter Wahrheit, welcher er unbewußt oder sich selbst ver-gessend hingegeben ist. Damit ist jedoch nicht gesagt, daß die Anschauung gleichsameine reine Abspiegelung sei, ohne innere geistige Thätigkeit; diese fehlt nicht, nur istsie nicht die der selbstbewußten Freiheit. Ohne die unbewußte Wirksamkeit geistigerKategorien in uns kommt nicht einmal die sinnliche Anschauung zustande, sie würdeein bloß körperlicher Eindruck bleiben. Ohne die Ursprünglichkeit der Idee des Raumesin uns (Kant irrte nur, indem er sie als eine lediglich innere und snbjective An-schauungsform faßte) würden wir keine Anschauung der räumlichen Welt gewinnen,denn keiner der fünf Sinne zeigt uns unmittelbar die drei Dimensionen vereinigt;trügen wir nicht die ordnenden Kategorien des Einen und Vielen, des Gleichen undVerschiedenen, des Ganzen und des Theils, des Selbständigen und des Angehörigenals wirksame Ideen in uns, so würde die gcsammte Anschauungswelt uns ein Chaosbleiben; wäre uns nicht die Idee der Menschheit eingepflanzt, wir würden keinerAnschauung menschlichen Daseins fähig sein. Die Anschauung ist hiernach gleichsamdie lebendige Brücke für den Wechselvcrkehr des Bewußten und des Unbewußten inuns. Sie bringt die in unsrer Natur liegenden Principien in Gefühlen, Neigungen,Ahnungen und unwillkürlichen Urtheilen zu einer persönlichen Wirklichkeit, macht sie