Pädagogik.
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unterschieden werden. Beide sind ursprünglich nngetrennt und decken einander. Denndas Ideale der Bestimmung ist an sich nicht ein bloßes Urbild dessen, was sein soll,oder der Begriff eines Gesetzes, sondern zugleich Tendenz und Kraft des schöpferischenLebens; das Reale der Natur ist an sick nicht ein dunkler Trieb und eine bewußtloseWirklichkeit, sondern eben die wirkende Kraft der lichtvollen Idee. Jedoch treten beidein der Wirklichkeit des irdischen Daseins zunächst auseinander, und erst das Ziel derEntwicklung, der höchste Zweck der Erziehung zugleich, ist die Herstellung der ursprüng-lichen Einheit. Dieses Auseinandertreten ist aber an sich noch kein Widerspruch. DieStufen des Lebens, obgleich sie jede für sich die Idee des Menschen nur unvollkommendarstellcn, sind doch Verwirklichungen von Theilideen — so leicht auch das auf dasHöchste der Bestimmung gerichtete Bewußtsein sie als solche verkennt — und erst wennsie auf normale Weise verwirklicht sind, kann die Gesammtidee in ihrer gesunden Fülleund Wahrheit hervortreten. Anders ist es, wo in der Entwicklung des auf Selbst-ständigkeit angewiesenen endlichen Lebens Abnormität eintritt; hier zeigt sick die Natur,die wirksame, reale Kraft des Daseins in Widerspruch mit der Bestimmung, und dieErziehung hat nicht bloß die Ausgabe der Bewahrung und Weiterförderung, sondernauch die der zurückführenden und heilenden Wiederherstellung.
Die Ethik hat ihr Augenmerk aus die Bestimmung des Menschen, die Psychologieauf die Natur desselben gerichtet. Indessen haben beide in der ursprünglichen Einheitvon Bestimmung und Natur einen gemeinschaftlichen Kern- und Ausgangspunct. DiePsychologie kann keine Erscheinung im wirklichen Leben des Geistes klar machen, wennsie nicht diesen Punct festhält und zu der Betrachtung des Realen das Bewußtseinder Idee hinzunimmt. Die Ethik würde, was sie Bestimmung des Menschen nennt,als wirkliche Aufgabe nicht zu erkennen vermögen; die Begriffe sowohl des Sollenswie des Wollens, ebenso der des Glaubens, würden ihr dunkel bleiben, wenn sieverkennte, daß die Idee eine höhere freie Realität in sich schließt, wodurch sie eben erstzur Bestimmung wird. Diesen Einheitspunct von Ethik und Psychologie festzuhalten,hat nun die Pädagogik das erste Interesse — obschon sie bald den psychologischen,bald den ethischen Gesichtspunct wird vorantreten lassen —, sie, welche eine Kunstdarstellen will, deren Aufgabe es ist, in der Entwicklung des Lebens da, wo Be-stimmung und Natur auseinander liegen, die erstere zur Wirklichkeit der Natur, dieletztere zum klaren Bewußtsein und zum freien Wollen der Bestimmung zu bringen.—Die Principienlehre beschäftigt sich
I. mit dem Menschen überhaupt, seinem allgemeinen Wesen, mit Ausschluß zu-nächst aller Besonderheiten in Natur und Bestimmung, wodurch Menschen sich unter-scheiden. Sie hat hier vor allem die allgemeinen Functionen der Persönlichkeit(Seelenvermögen) und ihren Zusammenhang, dann das Verhältnis der Seele zumLeibe und zur Sinnenwelt, ferner die allgemein menschlichen Zielpuncte der Bildung,endlich das zeitliche Dasein mit seiner Periodik und deren Ergebnissen zu behandeln.
a. Die Form des menschlichen Daseins ist die allseitige Endlichkeit und inFolge dessen das Werden, die Veränderung und die Zeit, von deren Gesetz der Menschabhängig bleibt, sofern er wird, die er aber kraft des Inhalts, welcher ihm ursprüng-lich als Eigeuthum gegeben, und dessen Besitz er als endliches Wesen in steigenderEntwicklung gewinnt, mit Freiheit zu beherrschen und zu ordnen fähig und berufen ist.Dieser Inhalt ist das, was ihn zu einem geistigen Wesen, zu einer Person macht,nämlich die Wahrheit, d. i. das ewige Wesen der Dinge. Hierauf beruhen diesogenannten Seelenvermögen oder geistigen Grundfunctionen, das Denken und Erkennen,das Wollen mit dem Handeln, das Fühlen und Begehren. Sie sind nicht als abstractsubjective Ausgangspuncte, nicht als bloße Nahmen anzusehen, für welche der Inhalt erstgesucht würde; sie sind nicht Kräfte außerhalb der Wahrheit und ohne dieselbe; siesind vielmehr die Kraft der Wahrheit selbst, und in dieser haben wir nicht allein das
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