624
Pädagogik.
sich stützenden Theologie unternommen und ansgeführt worden wären, so nützlich sieauch durch die Fülle des eingefügten Erfahrungsstoffes sein möchten, würden wir fürunwissenschaftlich erklären.
III. Plan der Pädagogik. Der gesammte Gedankenkreis, welchen die Theorieder Erziehung umfaßt, theilt sich in drei Hauptgrnppen. Die Mitte des Ganzenbildet die Erziehung selbst in der Art und Weise ihrer Ausführung, also die Metho-denlehre im umfassenden Sinne des Wortes. Derselben aber muß vorangehen dieLehre von den Principien, auf welchen nicht nur die Methode in allen ihrenTheilen, sondern auch dasjenige beruhet, was der dritte Haupttheil zu geben hat.
Dieser beschäftigt sich, nachdem die Erziehung als innere Angelegenheit dargestellt
worden, mit den Außenverhältnissen derselben, gleichsam mit der schützenden und
sichernden Schale jenes Kerns; er betrachtet das Erziehungswesen im ganzen als einemenschliche Einrichtung, stellt seine äußere Organisation auf und beantwortet dieFragen, welche die Beziehungen desselben zu den andern Theilorganismen dermenschlichen Gesellschaft, insbesondere zu Staat und Kirche betreffen; eine Rechts-philosophie des Erziehungswesens wird hier versucht. — Unsre Aufgabe ist nun, denInhalt und die Gliederung dieser Haupttheile in möglichster Kürze zu begründen undzu erläutern. Die Grenzen einer bloßen Jnhaltsanzeige werden wir dabei selbstver-ständlich überschreiten müßen; doch werden wir nur Lei solchen Puncten etwas längerverweilen, über welche nicht von vornherein eine allgemeine Zustimmung erwartetwerden darf. Ein näheres Eingehen in den dritten Theil müßen wir uns hier ganz
versagen; denn wollten wir über die hier verkommenden wichtigen, lebhaft angeregtenund sehr verschieden beantworteten Fragen unser Urthcil begründen —und ohne daskönnten wir nicht hoffen, etwas nützliches zu thun, — so würden wir mehr Raumnöthig haben, als wir ansprechen dürfen.
-ä.. Die Principienlehre. Die Begründung aller Erziehung, ihrer Nothwen-digkeit und ihrer Möglichkeit, ihrer Kräfte, Mittel und Formen, so wie ihrer Ziel-puncte liegt in der realen Idee des Menschen, d. i. in dem göttlichen Schöpfungs-gedanken desselben, woran die beiden Seiten der Bestimmung und der Natur
*) Wenn nach obiger Darstellung die theologische Pädagogik, sobald sie eine wissenschaftlichesein will, mit der philosophisch-speculativen zusammenfallen soll, so können wir nicht umhin, diesgenauer zu bestimmen, resp. zu modificiren. Wie die philosophische Ethik, auch wenn sie ihremmateriellen Inhalte nach mit der christlichen Ethik im Einklänge steht, doch von der theologischenEthik sich unterscheidet, diese aber darum nicht eine unwissenschaftliche ist: so gründet sich auchdie theologische Pädagogik in ganz anderer Weise und Ausdehnung, als die philosophische, aufdie in Schrift und Kirche positiv sich anssprechende Religion der Offenbarung. Wohl bleibt derTheolog nicht dabei stehen, seine Anthropologie und Ethik, also zwei Hanptelemente der Pädagogik,einfach ans Bibelworten und Kirchendogmen zu entlehnen; er wird auf diesem Gebiete, wie ansdem der Dogmatik und Moral, die positiven Religionslehren mit dem freien Selbstbewnßtseinvermitteln, sie als mit diesem znsammenstimmend, dasselbe ebensosehr beleuchtend als von ihmbeleuchtet darstellen. Aber umgekehrt genügt sich der Theolog auch in der Pädagogik nur dann,wenn er die Aussagen des Selbstbewußtseins, des in sich selbst hineinschauenden Geistes, imEinklänge findet mit dem Worte Gottes, mit der Lehre ans dem Bekenntnis der Kirche; dieseRücksicht hat der philosophische Pädagog nicht zu nehmen. Daß aber darum der Theolog un-wissenschaftlich verfahre, wäre eine Behauptung, die wir aufs entschiedenste verwerfen müßten;mit einem Factor zu rechnen, der in der Geschichte der Menschheit und ihres geistigen Lebenseine so bedeutende, wirknngsreiche Stelle einnimmt, ja der auch unser philosophisches Denken vonHans aus mit constitnirt, wie das Christenthnm der Bibel und Kirche, das ist nicht unwissen-schaftlich, sondern wird gerade von der Wissenschaft erfordert. Beiläufig bemerken wir auch, daßdie Auffassung der speculativen Theologie, die obiger Art. gibt, uns nicht ganz präcis erscheint,sofern sie nicht erst von Schleiermacher sich datirt — der ohnehin nicht jpeculativer Thcolog seinwill, und zu diesen nicht gerechnet zu werden Pflegt; speculative Theologie findet sich schon beiOrigenes, bei Augustin, bei Scotus Erigena, bei Meister Eccard und späteren Mystikern. Palmer.