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Pädagogik.
und Schillers unsere Menschenkenntnis bereichern und vertiefen kann. Auch geschicht-liche Werke sind mit Vorsicht zu gebrauchen; nicht selten stellen auch sie ein unrichtiges,in sich unmögliches Bild ans. Dennoch sind sie unentbehrlich, mögen sie Völker-geschichten oder Biographien geben. Ganz besonders muß hier die Bibel genanntwerden, die in ihren theils poetischen, theils historischen Schriften, sowie in den unbe-absichtigten Selbstschilderungen der Propheten und Apostel zwar nicht alle Seitenmenschlichen Daseins gleichmäßig behandelt, und insoferne einer Ergänzung von welt-licher Seite bedarf, dafür aber wie kein anderes Buch das tiefste Innere des Menschenund das Höchste seines religiösen und sittlichen Lebens zur Anschauung bringt.
2. Zn dieser allgemeinen Menschenkenntnis; kommt nun das speciale Gebiet päda-gogischer Erfahrung. Ans ihr schöpfen wir einen reichen Vorrath unmittelbarfür die Pädagogik, wenn schon nicht ohne Kritik zu verwendenden Stoffes; in ihrfinden wir eine Schule der Besonnenheit und ihr verdanken wir nicht selten die Berich-tigung lebhaft aber einseitig erfaßter Ideen. Diese Erfahrung ist wieder a) eigeneErfahrung, wie wir solche schon als Zöglinge, wenn wir uns später prüfend an dieseZeit zurückerinnern, ganz besonders aber in unserer eigenen erziehenden Thätigkeitsammeln. Mit Recht gilt der Satz, daß in keiner Kunst jemand eine Theorie auf-zustellen befähigt ist, der nicht eine Zeit lang wenigstens mit Liebe sich derselbenPraktisch beflissen hat. Die Praxis öffnet das Auge und versetzt unö auch gemüthlicherst in den vollen Ernst der Sache. Daher erwartet man keine Theorie der Pädagogikaußer von einem erfahrenen Erzieher. Wie bald jemand die nöthige Selbsterfahrunggemacht habe, das ist freilich verschieden; ein ganzes in der Kunstübung hingebrachtesLeben ist dazu nicht nöthig. Dem glücklichen Kunsttalente, wenn ein ernster Charakterdamit verbunden ist, ergibt sich in wenigen Jahren eine Fülle von Erfahrungsresnl-katen. Immerhin aber bleibt dieses Feld für den Einzelnen beschränkt, und es mußb) fremde Erfahrung hinzukommen Diese bietet sich uns in einer umfangreichenLiteratur dar, in Biographien von Männern und Frauen, wenn die Darstellung überdie Art ihrer Erziehung und Ausbildung sich ausführlicher verbreitet, noch mehr inden Lebensbeschreibungen ausgezeichneter Pädagogen, ferner in methodischen Abhand-lungen, wie solche in Schulprogrammen, pädagogischen Zeitschriften und Sammel-werken gegeben werden, auch in theoretischen Werken, insoweit dieselben sich ausdrücklichauf Erfahrungen berufen. So empfehlenswerth aber die fleißige Benützung dieserArt von Literatur ist, so läßt sich doch nicht leugnen, daß die Erfahrungen andererweit fruchtbarer für uns werden können, wenn sie durch den persönlichen Umgang undmündlichen Verkehr uns zu Theil werden, wenn schon sie nicht in so reichem Maßeans diesem Wege uns Zuströmen mögen. Schon daß wir durch Fragen und Antwortentiefer eindringen, uns genauer unterrichten können, ist ein großer Vortheil; dazu kommtdie im Leben angeschaute Persönlichkeit des Mittheilenden, welche uns nicht allein denGrad des Vertrauens anwcist, das wir seinen Mittheilungcn schenken dürfen, sondernauch sein Verfahren selbst uns erst vollständig verstehen und würdigen lehrt; denn diePersönlichkeit ist stets ein wichtiges Moment in der Wirkung des Verfahrens! Nochvollständiger ist die Mittheilnng, wenn wir zugleich den Erfolg des Verfahrens selbstWarzunehmen Gelegenheit haben. Daher ist es wichtig, pädagogische Bekanntschaftenzu machen, und unter diesem Gesichtspunct können pädagogische Reisen für den prak-tischen Erzieher wie für den Theoretiker gute Früchte tragen.
3. Doch dieser doppelte Schatz empirischer Menschenkenntnis und pädagogischerErfahrung, so unentbehrlich er ist, reicht für die Begründung der Theorie nicht hin.Zwar wird dem geistreichen Praktiker und denkenden Beobachter wie von selbst derNeichthnm der Erfahrungen sich einigermaßen nach innerem Zusammenhänge ordnen,und Blicke in die wesentliche Begründung der Thatsachen, in die alle Erfahrung be-herrschende ewige Wahrheit menschlicher Bestimmung und Natur werden ungcsncht sichihm eröffnen; denn in der Erfahrung des geistigen Lebens, dem wir selbst angehören,