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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik.

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in unser Bewußtsein übergeht, theils aus der innern Wahrheitswelt der Begriffe undIdeen. Nur aus der Verbindung dieser beiden Hauptquellen ergibt sich die sichere,wohlbegründete und lebensvolle Wahrheit; sie bedürfen einander zur Ergänzung undnicht selten zur Berichtigung. Ohne die Erfahrung bleibt das Jdeenbewußtsein armund unbestimmt, läuft Gefahr, in Einseitigkeit sich zu beschränken; ohne die Ideendagegen fehlt der Erfahrung die tiefere Würdigung des Gegenstandes, die Einsichtin den innern Zusammenhang und die höhere Belebung der gemüthlichen Theilnahme.Die Erfahrung gibt reichen Stoff und vielseitige Anregung, aber die vollendete innereForm des Wissens, principielle Begründung, Klarheit des Gedankeninhalts, Sicher-heit in Begrenzung der Erkenntnisse und ihrer Konsequenzen kann nicht ohne Hülfe desidealen Denkens erreicht werden. Da nun die Pädagogik ihrem Gegenstände nacheine Wissenschaft von engerer Begrenzung, eine speciale Durchbildung und Anwendungallgemeinerer Wahrheiten ist, indem sie den Menschen, aber den ungereiften, diemenschliche Bestimmung, aber sofern sie in der Entwicklung des individualen Lebenszu verwirklichen ist, die Kräfte menschlicher Geselligkeit, aber in ihrer Beschränkungauf das Verhältnis von Erwachsenen und Unerwachsenen, zum Gegenstände hat, so istklar, daß sie nicht auf sich selbst beruhen kann, sondern eine Fülle allgemeinerer Er-kenntnisse, sogenannten Hülfswissens bedarf, um als Wissenschaft zu existiren. Hier-nach wird sich sowohl das Quellgcbiet der Erfahrung, wie dasjenige des idealenDenkens theils auf dieses Hülfswissen, theils auf die Kunst der Erziehung selbstbeziehen. Da jedoch das ideale Denken in seiner unmittelbaren Anwendung auf dieErziehung die Theorie selbst in ihrer wissenschaftlichen Form zum Object hat, sodürfen wir uns hier für das ideale Gebiet des Denkens auf die Hülfswissenschaftenbeschränken, und es reicht hin, die Quellen unter drei Rubriken zu behandeln.

1. Allgemeine Menschenkenntnis. Sie wird geschöpft aus der Anschauungund Beobachtung menschlichen Daseins in seiner zeitlichen, erfahrungsmäßigen Wirk-lichkeit. Sie zeigt uns zwar zunächst nur die Menschen in der Mannigfaltigkeitihrer Unterschiede, jedoch mit Hülfe vergleichender Abstraction auf Grund unbefangenerund sorgfältiger Beobachtung bringt sie uns auch die Anschauung der menschlichenNatur überhaupt nahe. Selbst für die lebendige Erfassung menschlicher Bestimmungist diese Quelle nicht unergiebig, da die natürlichen Neigungen und Gefühle derMenschen, soweit sie unverdorben sind, noch mehr aber die Gestalten edler Menschenvon gereistem Charakter und echter Bildung das Ideal und den Glauben an dasselbein uns erwecken und beleben. Am wichtigsten jedoch ist die Menschenkenntnis fürunsere Einsicht in die allgemeine und besondere Begabung oder Anlage des Menschen,insbesondere auch in Betreff seiner geselligen Natur als der Grundlage aller erzieh-lichen Einwirkung. Die besondern Gebiete, in welchen diese Anschauungen undBeobachtungen sich uns darstellen, sind n) das wirkliche Leben der Gegenwart, sofernwir es durch eigene Beobachtungen an andern und an uns selbst, oder durch glaub-würdige Mittheilungen anderer kennen lernen. Dieses Gebiet hat den Vortheil voll-endeter Anschaulichkeit und gewährt die Möglichkeit einer genaueren Erforschung biszu völliger Bestimmtheit und Sicherheit des tatsächlichen Urtheils. Dagegen ist esder Natur der Sache nach beschränkten Umfangs und kann erst in längerer Zeit reicheErgebnisse bringen. Zur Ergänzung dienen daher b) die Resultate fremder War-nehmung und Erforschung, und als reichste Quelle dieser Art die Literatur, sofernsie menschliches Leben darstellt, sei es in den Werken der Geschichte oder in den Dar-stellungen echter Poesie, nicht bloß der epischen und dramatischen, sondern auch derlyrischen, in welchen der Dichter sein eigenes Innere darbietet. Vorsicht zwar erforderteine solche Benützung poetischer Erzeugnisse, und es gehört schon ein gewißer Gradeigener Menschenkenntnis dazu, um das Echte vom Unechten zu scheiden, ja selbst umdas Dargestellte nur richtig aufzufassen. Aber doch, wer möchte leugnen, daß dasStudium Göthes und Homers, der Psalmisten und Pindars, Sophokles, Shakspeares