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Pädagogik.
Innern, und so einen großen, nicht bloß mittelbaren durch Setzung äußerer Bedin-gungen, nicht bloß einen negativen, sondern einen unmittelbaren und positiven Einflußauf einander auszuüben. Und wenn der Begriff des Bildens, dem wir zuerst beijenen herrschenden Künsten der Phantasie begegneten, in unserm Verhältnis zu denPflanzen und Thieren, bei dem Mangel eines in das Innere gehenden und unmittel-baren Einflusses, keine Geltung hat, so tritt er nun hier in dem Verhältnis derMenschen untereinander, ganz besonders in der Erziehung, wieder in sein Recht ein,aber in ganz anderer und höherartiger Weise als dort, nicht als ein Bilden deräußern Erscheinung, sondern des innern Wesens, nicht als ein willkürlich herrschendesGestalten nach bloß subjectiven Idealen, sondern als ein zwar beherrschendes aberzugleich dienendes Einwirken freier persönlicher Kräfte in der Gemeinschaft auf derGrundlage wechselseitiger Hingebung und Aufnahme.
Man hat, um das Wesen der Erziehung zu veranschaulichen, nach Sinnbilderngesucht. Populär ist seit alter Zeit die Vergleichung eines Heranwachsenden Kindesmit einem Bäumchen und der Erziehungskunst mit der Pflege junger Pflanzen, wieman umgekehrt auch eine Pflanzung junger Bäume eine Baumschule nennt. Wenigerallgemein gebräuchlich, aber von theoretischer Seite (von Herbart) geltend gemacht istdas Sinnbild des Gebäudes und der bauenden Thätigkeit, welches auch in dembiblischen Worte vom Menschen als einem Tempel Gottes und der Erbauung desselbenzum göttlichen Leben, jedoch zur Bezeichnung nicht sowohl der Methode als des Zieleschristlicher Vervollkommnung, vorliegt. Es mag nicht geleugnet werden, daß gewißeMomente im Verfahren der Erziehungskunst durch ein jedes dieser Sinnbilder treffendbezeichnet werden, durch das erste die Voraussetzung und Beachtung der im Zöglingwirksamen Anlage und Selbstthätigkeit und die Forderung eines entwickelnden Ver-fahrens neben dem mittheilenden; durch das zweite die Berechtigung auch dieses letzteren,dazu die Sorgfalt in der Begründung und die Geduld in der stetig zusammenhängendenund vorsichtigen Fortführung der Bildung bis ans Ziel. Will man jedoch diese Ver-gleichungen ernstlich für die Wissenschaft der Erziehung verwenden, meint man damitdas eigenthümliche Wesen dieser Kunst vollständig zu bezeichnen, so sind sie, nach dervorhin von uns gegebenen Erörterung, jede in ihrer Weise irreführend. Wenn auchwir zum Ausdruck unserer Auffassung ein Sinnbild geben sollen, so suchen wir esinnerhalb der Natur in einem Vorgänge, der, obschon eingeleitet und vermittelt durchmenschliche Kunst, doch wesentlich der innern Sphäre des Pflanzenlebens selbst ange-hört. Wir meinen das ebenfalls biblische Sinnbild von dem edlen Reise, in welchesdie Lebenskräfte des Wildlings eingepfropft werden. Wie hier die Wurzelkraft desjungen Stammes zunächst nicht ohne den nöthigen Einfluß einer äußeren Verbindung,aber doch gemäß und wesentlich in Kraft einer inneren Verwandtschaft in das ihmdargebotcne edlere Naturleben hineinwächst und folgend dem Zuge desselben mit ihmeins wird, so wächst der Zögling geistig in das Kulturleben hinein, welches der Er-zieher ihm in persönlich concreter Lebendigkeit darbietet, und wozu er ihn durch dieKräfte des geselligen Verbandes, sowie durch den Zug verwandten aber höhern Da-seins, worin der Zögling selbst sein eigenes Ideal fühlen und erkennen muß, empor-zieht. Hier ist Leben vereinigt mit Leben, Selbstthätigkeit auf beiden Seiten, dieVerwandtschaft der Anlage verbunden mit einem höhern Ziele und in wechselseitigerHingebung und Aufnahme, in Empfangen und Geben von Kraft und Richtung einBilv geselliger Einwirkung des Erwachsenen auf den Unerwachsenen, wie es treffendernicht gefunden werden mag. Dieses gesellige Leben aber mit seinen persönlichenKräften und seinem gemeinsamen Wahrheitsinhalte ist die Grundidee der Erziehungs-methode, und aus ihr lassen sich alle Gesetze der Erziehung ableitcn.
II. Quellen der Pädagogik. Wie jede Wissenschaft, so schöpft auch diePädagogik ihr Wissen theils aus der vorzugsweise sogenannten Wirklichkeit, nämlichaus dem zeitlichen Dasein, wie dasselbe durch Anschauung, Beobachtung, Erfahrung