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Pädagogik.
jedesmal mislingen. Die bei solchem Versuche mitbedingte Jsolirung der Kinder vonder Welt ist ebenso unausführbar wie zweckwidrig. Dazu kommt die Unmöglichkeit,eine hinreichende Anzahl von Erziehern zn finden, welche, im Widerspruch mit derbestehenden und geltenden Cultur und selbst aus einer höhern Stufe stehend, die Kinderüber das Zeitalter emporzuziehen im Stande wären. Es kann nur die Aufgabe sein,unter Bekämpfung und Vermeidung des Schlechten und Unwahren das Gute undWahre, soweit es in der Anerkennung der Zeit herrscht, an den Kindern zur Geltungund Wirklichkeit zu bringen. Die Erhebung zu wesentlich höheren Stufen kann nurin den Kreisen der Erwachsenen ans Grundlage der der Kindheit und Jugend über-lieferten Bildung zn Stande kommen, wie denn auch die Geschichte lehrt, daß großeMänner, welche ihrer Zeit vorangiengen und die Initiative zu einer höhern Bil-dungsstufe ergreifen durften, nicht aus den Kindern, sondern ans den Erwachseneneinen Kreis Empfänglicher um sich gesammelt und von diesen aus ihre Zeit umge-staltet haben.
Wir erklärten die Erziehung für eine Kunst. Dies bedarf hier keiner Erläuterungoder Rechtfertigung. Wohl aber liegt uns ob, die Art dieser Kunst und damit dasEigenthümliche ihrer Methode zu bezeichnen. Die Kunstthätigkeiten der Menschenunterscheiden sich ans sehr mannigfaltige Weise durch den Stoff, den sie bearbeitenund durch ihren Zweck oder die Idee ihres Werkes. Jedoch liegt ihr tiefster Charakter-unterschied nicht in diesen an sich betrachtet, sondern in dem Verhältnis von Stoffund Zweck. Nehmen wir die sogenannten bildenden Künste, Sculptur, Malerei, Bau-kunst, so ist hier zwar die Wahl des Stoffes nicht durchaus gleichgültig für denZweck und die Erreichung desselben; aber es liegt doch in ihm nicht die Idee desWerkes, so daß nur ein gewisser Stofs für eine gewisse Art von Werken innerlichbestimmt wäre. Es kommt allein darauf an, daß der Stoff gewisse Eigenschaftenhabe, vermöge welcher er zu gewitzen Werken dienen könne; sind diese nur vorhanden,so ist die Wahl zwischen mehreren frei gegeben. Holz, Stein, Erz dienen der Plastik,der Baukunst, und ebenso kann sich die Malerei sehr verschiedener Grundlagen undFarbestoffe bedienen. Ja so wenig ist hier der Stoff die Hauptsache, daß sogar gefor-dert wird, die Kunst müsse in diesem Gebiet den Stoff gewissermaßen im Bewußtseinverschwinden machen. Tie Idee des Wertes selbst, d. i. der Zweck der Kunstthätigkeit,wird hier nicht aus dem Stoffe geschöpft, sondern bedient sich desselben frei; ausdemselben Stoffe formt man die mannigfaltigsten Gebilde und wiederum zn demselbenGebilde kann man den mannigfaltigsten Stoff wählen. Nicht allein schöne, sondernauch nützliche Künste gehören in diese Kategorie; auch in einer Maschine steht derStoff zum Werke in keiner iunern und nothwendigcn Beziehung. — In starkem Gegen-sätze zu dieser Elaste stehen diejenigen Künste, in welchen Stoff und Idee in einerwesentlichen und iunern Verknüpfung, in einer ursprünglichen, schöpferischen Einheitstehen. Es sind die, welche zum Stoff ein schon vorhandenes Leben haben und ent-weder dies vorhandene Leben kunstmäßig pflegen, vervollkommnen oder auch auf Grunddesselben neue Schöpfungen hervorbriugen. Dieses Entweder-oder bildet aber, soweitvon menschlicher Kunst die Rede ist, keinen ausschlicßenden Gegensatz. Denn derMensch kann im Gebiete des Lebendigen nur so neue Schöpfungen hervorbriugen, daßer an vorhandenes Leben anschließt und in demselben neue Ideen, die jedoch in dem-selben schon angelegt sein müßcn, zur Geltung bringt. So find Gründer von Staatenund anderen Gemeinschaften der Menschen allerdings Schöpfer eines neuen Lebens undeiner neuen Entwicklnngsreihe, aber sie konnten es nur sein auf Grund einer theilsallgemeinen, theils besonderen und zeitlich gegebenen Veranlagung und inneren Vorbe-reitung derjenigen Menschen, welche den Stoff zu ihren neuen Schöpfungen bildeten.In der Einheit von Stoff und Idee besteht das Leben. Dieses unbedingt hervorzu-bringen ist nur Sache Gottes. Der Mensch, indem er es entweder erhalten undfördern oder neue Gestaltungen desselben Hervorrufen will, hat sich an das Gegebene