Pädagogik.
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Künste und Betätigungen, deren Zweck die Erhaltung, die Gesundheit und das Wohl-sein des leiblichen Lebens als solches ist. Daß wir als Object der Erziehung nurden Menschen setzen, bedarf kaum der Rechtfertigung; denn Was die Kunst der Men-schen an dem Seelenleben der Thiere in Zähmung, Gewöhnung, Abrichtung derselbenzu thun vermag, ist in Bezug auf Zweck und Mittel wesentlich ein Anderes. Aberauch als Subject der Erziehung haben wir für die Kunst, von deren Theorie wirreden, ausschließlich die Menschen angenommen. Man kann von einer ErziehungGottes reden, die er nicht allein an dem Menschengeschlecht und den Völkern im Gangeder Geschichte, sondern auch an dem Einzelnen theils durch unmittelbare Einwirkungim Innern, theils durch die Fügungen des Schicksals übe; und auch wir glauben andieselbe. Aber dies ist ein dunkles Gebiet und kaum geeignet, der Gegenstand einermenschlichen Wissenschaft zu werden. Dazu beschränkt sich die Erziehung Gottes wederauf das unerwachsene Alter, noch selbst auf die Grenzen dieses Lebens; und der Herrüber Glück und Unglück, über Tod und Leben kann Kräfte und Mittel zur Erziehungseiner Geschöpfe anwenden, an welche unsere Praxis ohne Vermessenheit und Frevelnicht einmal denken kann. Dazu kommt, daß die menschliche Natur, wie sie thatsäch-kich in dem laufenden Weltalter ist, für die unmittelbare Erziehung Gottes im Innernnur eine geringe Empfänglichkeit hat, und daß die Zeit, von welcher schon längst Pro-pheten geredet haben (Jesaj. 54, 13.; Joel 3, 1.), in der alle Menschen von Gottgelehrt sein werden, jedenfalls noch in unbestimmter Zukunft vor uns liegt, wennschon mit der Erscheinung Jesu und der Stiftung des Christenthums der lebendigeKeim für diese Entwickelung gegeben ist. Es ist unlängbare Thatsache: wo menschlicheErziehung nicht ihre Pflicht thut, da ist der Zustand, den wir Verwahrlosnng nennen,die Folge, und wo der Einfluß der menschlichen Gesellschaft und die Ueberlieferungihrer Cultur gänzlich fehlt, da ist eigentliche Verwilderung unvermeidlich. Hierausergibt sich Wohl mit Sicherheit, daß im jetzigen Erdenleben der Mensch in seinemgeselligen Verbände mit den Kindern das eigentliche Subject der Erziehung ist; undwenn gefragt wird, ob wir Erzieher gleichsam nur Gesellen und Gehülfen Gottesseien, oder ob wir in seinem Aufträge als selbständige, wenn auch unvollkommeneMeister im Mittelpuncte dieses Geschäftes stehen, und Gott nur die Hülfe seinesSegens dazu gebe, so kann kein Zweifel sein, daß die Antwort sich für diese letztereAnnahme entscheiden muß.
Der in unserer Begriffsbestimmung aufgestellte Zweck einer selbständigen Begründungin derjenigen Bildung, welche dem Menschen sowohl im allgemeinen, wie auch inseinenbesondern Lebensverhältnissen gebührt, bedarf wohl kaum einer Rechtfertigung oderErläuterung. Wir fügen nur hinzu, daß dieser Zweck seinem Inhalte nach in derWahrheit, d. i. in der göttlichen Idee des menschlichen Daseins, sowie in der gege-benen allgemeinen und besondern Anlage gegrünoet und keineswegs eine Sache subjectivwillkürlicher Bestimmung ist. Woraus folgt, daß die Theorie der Erziehung sich nichtbeschränken darf, die Methode der Einwirkung auf Kinder zu geben, sondern daß sievor allem das Wesen und die Bestimmung des Menschen überhaupt und in derMannigfaltigkeit ihrer möglichen Besonderheiten festzustellen und eine Anleitung zugeben hat, diese Besonderheiten im wirklichen Leben zu erkennen. — Wenn wir aberin Bezug auf das Ziel der Bildung den beschränkenden Zusatz: nach Maßgabe deSCulturstandpunctes der Gegenwart, hinzugefügt haben, so wollen wir damit der AnsichtRousseaus und Fichtes, die auch jetzt noch ihre Anhänger hat, entgegentreten, alssei die Erziehung im Stande und berufen, unmittelbar an den Kindern und durchdieselben für das Zeitalter eine höhere Stufe der Bildung, einen neuen Geist desLebens heraufzuführen. Das unerwachsene Alter ist noch nicht fähig, von der Ideeans sich über die Wirklichkeit des Zeitalters zu erheben, es sieht vielmehr unvermeid-lich diese Wirklichkeit mit ihrer realen Kraft und Geltung für das Ideal an, und derVersuch, die Kinder im Widerspruch mit dieser Kraft und Geltung zu erziehen, mußte