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Pädagogik.
Reflexion ausgebildet haben, und dennoch fehlt dabei das klarere und tiefere Bewußt-fein der Idee, ihrer Begründung und ihrer Consequenzen, wie ja überhaupt dasmenschliche Thun, nach der Entwicklungsweise endlicher Vernnnftwesen zunächst durchden Trieb der Kraft und des Gefühls Lei unvollkommenem Bewußtsein des Zweckesund der Mittel Anfang und Fortgang gewinnt. Darum ist auch, was man Geschichteder Pädagogik nennt, nicht eine Geschichte nur der Theorie und ihrer bewußten prak-tischen Ausführung, sondern sie hat zuerst und vor allem zu sagen, wie wirklich erzogenward, dann auch wie in den verschiedenen Zeitaltern aus dieser unmittelbaren Praxisheraus allmählich unter Mitwirkung des allgemeinen Erkenntnistriebes sich ein theo-retisches Bewußtsein hervorbildete, endlich wie dieses auf die Praxis bald günstig, baldungünstig zurückwirkte, und wie in der Synthese realer Antriebe und Kräfte mit derimmer klarer und vollständiger erkannten pädagogischen Wahrheit die große dem Men-schengeschlecht gegebene Aufgabe der Erziehung mehr und mehr ihrer vollendeten Lösungsich annähert. Indessen über die Geschichte der Pädagogik hier etwas zu sagen, einenso wesentlichen Theil des pädagogischen Studiums sie ausmacht, und so wenig selbstdie Theorie sie entbehren kann (s. unten über die Quellen), liegt außerhalb unsererAbsicht. Wir beschränken uns im Folgenden die Grundzüge der Theorie zu geben,und zwar werden wir 1. den allgemeinen Begriff der Pädagogik in bestimmtenUmrissen zu zeichnen suchen, 2. von den Quellen dieser Wissenschaft reden, 3. denPlan ihres Ausbaues aufstellen, endlich 4. den Werth und die praktische Bedeutungdes theoretischen Studiums der Pädagogik kurz beleuchten.
I. Der allgemeine Begriff der Pädagogik. Der Begriff einer Wissen-schaft hängt wesentlich von dem Begriffe ihres Gegenstandes ab. In Bezug auf ihrenInhalt leuchtet dies von selbst ein; aber auch die Form, soweit sie eine innere unduothwendige ist und den Zusammenhang der Erkenntnisse und ihrer größern oder kleinernGruppen betrifft, ist durch die Forderung der Wahrheit und Gründlichkeit, also durchdie Natur des Gegenstandes bestimmt, und nur in der Folge aus verhältnismäßigerAusführung der Theile, sowie in der Anwendung des analytischen oder synthetischenGanges können bestimmte Lchrzwecke Abänderungen begründen, die nicht in dem Ge-genstände selbst mit Nothwendigkeit gegeben sind. Hiernach werden wir, um denBegriff unserer Wissenschaft zu geben, zuerst von dem Begriffe der Erziehung reden.Erziehung ist eine Kunst, die der Mensch an dem Menschen, und zwar der Erwachsenean dem Unerwachsenen, ausübt, damit dieser, indem er heranwächst, auch das geistigeZiel des erwachsenen Lebens, d. i. die selbständige Begründung in derjenigen Bildung,Welche ihm als Menschen überhaupt und in seinen besondern Lebensverhältnissen gebührt,nach Maßgabe des Cultnrstandpunctes der Gegenwart erreiche. '*) Hiernach schließenwir alles dasjenige, was zu der Einwirkung auf Erwachsene gehört, die Staats- undKirchenpolitik, das Predigtamt, die Seelsorge, ebenso den bildenden Einfluß literarischerund künstlerischer Werke in ihrer umfassenden Beziehung zu den Zeitgenossen vonunserer Wissenschaft aus; denn so groß auch die Verwandtschaft sein mag, welche dieseFunctionen in ihren Zwecken und Mitteln mit der eigentlichen Erziehung haben, soist doch weder ihr unmittelbarer Zweck die Gesammtheit der Bildung, noch können siealle diejenigen Mittel in Anwendung bringen, welche der eigentlichen Erziehung zuGebote stehen. Indem wir ferner den Zweck der Erziehung auf die Bildung desgeistigen Lebens beschränken, so schließen wir zwar die Sorge für das leibliche Lebenvon dem Bereiche der Pädagogik nicht aus, nehmen aber dieselbe nur insofern auf,als nach dem innigen Verhältnis zwischen Leib und Seele vom leiblichen Leben ausauch das geistige gesichert und gefördert werden muß. So gibt es eine pädagogischeDiätetik und Gymnastik, deren Bedeutung sehr groß ist; aber der GesichtSpunct, derhierbei waltet, ist ein anderer, als der der ärztlichen Kunst, sowie aller derjenigen
*) Vgl. die Begriffsbestimmungen Bd. II. S. 245 und 282 .
D. Red.