Overberg.
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desselben anrichte, und von dem Segen, der ein treues Wirken begleite, mit der ihmeigenthümlichen Innigkeit sprach, die im Tone der Stimme wie in seinen Mienen sichausdrückte und jedem Worte Gewicht gab. Wenn er dann von den Grundsätzen desUnterrichts sprach, so wußte er aus dem Schatze seiner Erfahrung so treffende Beispielezu finden und diese zu so lebensvollen Bildern zu gestalten, daß seine Zuhörer wieaus der eigenen Erfahrung zu schöpfen glaubten und die Regeln, zu deren Veranschau-lichung die Beispiele dienen sollten, vor ihnen ganz unmittelbar aus Thatsachen sich zuergeben schienen, dann aber auch um so sicherer dem Gedächtnis sich einprägten. OhneSchwierigkeit war für ihn die Handhabung der Disciplin. Wenn der ehrwürdige Mann,in welchem heiliger Ernst mit einer wahrhaft kindlichen Freundlichkeit sich verband, inden Kreis seiner Schüler trat, drängten Gefühle der Verehrung und Liebe die schlechtenRegungen zurück. Er gehörte eben gan; und gar zu den seltenen Schulmännern, dieauch ohne berechnetes Thun durch die stille Macht der Persönlichkeit Herzen gewinnenund bilden, und auch das Böse, das hart und unbeugsam ihnen sich widersetzen will,mühelos entwaffnen und sich unterwerfen.
Am Schlüsse des Cursns erfolgte eine schriftliche und mündliche Prüfung. Jenachdem diese bestanden war, erhielten die Candidaten die Befugnis, an Hauptschulen(in Städten oder Kirchdörfern) oder nur an Nebenschulen (in Bauerschaften) als Lehrereinzntreten. Doch galt die Approbation nur für 3 Jahre, nach deren Ablauf jeder Lehrereine neue Prüfung zu bestehen hatte. O. selbst legte großes Gewicht auf diese Wieder-holung der Prüfungen, weil er in ihnen einen Sporn für eifrige Fortbildung sah; dieMilderung dieser Praxis seit dem I. 1802 war daher nicht nach seinem Sinne. Dierechte Fortbildung schien ihm aber besonders dann gesichert, wenn zwischen den Lehrernund den ihnen Vorgesetzten Geistlichen das rechte Verhältnis bestehe; er glaubte in dieserBeziehung wargenommen zu haben, daß die wider ihre Pfarrer sich AuflehnendenWeder die gut unterrichteten, noch die ganz ungebildeten, sondern meist die mittelmäßigenund halbgebildeten Lehrer gewesen. Uebrigens benutzten jährlich viele schon angestellteLehrer aus eigenem Triebe die Vacanzzeit, den Normalcursus bei O. zu wiederholen;von manchem ist das zwölfmal und öfter geschehen. Aber er war täglich bereit, dieLehrer, welche ihn besuchten, mit Rath und Trost zu unterstützen, mit vielen unterhielter einen Briefwechsel, und schmerzliche Erfahrungen, die einzelne ihn machen ließen,hinderten ihn nicht, jedem stets wieder ein offenes Herz entgegen zu bringen.
Groß war die Verwandlung, die unter seinem Einflüsse das Bolksschulwesen imMünsterlande erfuhr. Dabei ist besonders hervorzuheben, daß die Zahl der Mädchen-schulen fast um die Hälfte sich vermehrte und so die Bestimmung ausgedehnte Geltunggewann, nach welcher in einer Gemeinde, deren Kinderzahl für eine Schule zu großgeworden, die Trennung der Kinder nach den Geschlechtern gemacht werden sollte. O.zog diese Trennung der andern nach dem Alter und nach Elasten vor. Er begünstigtedaher auch bei den Mädchenschulen die Anstellung von Lehrerinnen, die nach seinerAnsicht viel besser sich eigneten, einen wahrhaft erziehenden Einfluß — und diesenhielt er bei Mädchen für viel wichtiger als den Unterricht — zu HeranbildungWeiblicher Gesinnung und Sitte auszuübcn, allein aber die so nöthige Unterweisung inweiblichen Arbeiten übernehmen könnten; daß Lehrerinnen geringere Ansprüche an dasäußere Leben machten und, weil durch Familiensorgen und Liebengeschäfte nicht gestört,ihrem Berufe mit größerer Hingebung zu dienen vermöchten, betonte er nebenbei auchmit gutem Grunde denen gegenüber, welche die Anstellung von Lehrerinnen eher zu be-schränken wünschten. O. erlebte es sogar, daß in Bauersckiaften, welchen die Mittel zurBesoldung eines Lehrers fehlten, Frauen als Lehrerinnen für Mädchen und Knabeneintratcn, und der Erfolg schien auch diese Einrichtung zu empfehlen.
In nahen Zusammenhang mit seiner Thätigkeit an der Normalschule trat seinWirken au der Töchterschule der lotharingischen Chorjungfraucn (im französischen Kloster,Wie man in Münster sagte). Denn dahin begleiteten ihn nicht selten die jungen Lehrer,