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Overberg.
seinen Unterricht benutzten, kamen später auch Lehrerinnen, und jene wie diese fühltensich von dem geistig-klaren, liebenswürdig-bescheidenen, unermüdlich-thätigen Mannegan; wunderbar angezogen. Es war aber auch viel zu thun. Bei den während derersten Jahre unternommenen Visitationsreisen hatte er von dem Zustande der Volks-schulen ein sehr trübes Bild erhalten und durchgreifende Abhülfe als dringendes Be-dürfnis erkannt. Und zunächst mußte er alles fast allein thun. Er unterrichtete täg-lich 6 Stunden und widmete dann auch noch die Nebenstundcn den Schwächeren,Während ein Theil der Nacht der Vorbereitung auf seine Lectionen bestimmt war.
Sein Streben gieng vor allem dahin, an die Stelle eines bloß mechanischen Ge-dächtniswerks klares, folgerichtiges Denken zu setzen. Dazu suchte er nun auch gan;besonders beim Religionsunterrichte anzuleiten, und daß er dabei mit so ausgezeichneterSicherheit und Anmuth die sokratische Methode zur Anwendung brachte, dürfen wirwohl zum Theil den Anregungen zuschreiben, welche er im Hause der Fürstin Gallitzindurch den feinen Hemsterhuys und beim Studium der platonischen Dialogen erhaltenhatte. Daß er bei Anwendung dieser Methode die Fehler vermied, die so vielfach sonstbegangen worden sind, darf freilich zumeist der herzlichen Liebe zngeschrieben werden,mit welcher er durch die Religion die zeitliche und ewige Wohlfahrt der ihm Anver-trauten zu sichern sich bemühte. Sie trieb ihn, niit seinem Unterrichte auf den Bodender Erfahrung sich zu stellen und für denselben in der Kirchenlehre die festen Halt-puncte zu suchen, hiermit aber die Bedürfnisse des Geistes und Herzens in Verbindungzu setzen, dafür das Gefühl zu erwärmen und dann auch wieder alles Mitgetheiltedirect auf That und Leben zu beziehen. Weit also entfernt von trockener Zergliederungder Begriffe und Formeln, gewann er durch die belebende Klarheit seines Unterrichtsimmer auch das Gemüth für die Gegenstände desselben, und auch da, wo diese ganzeigenthümliche Schwierigkeiten darzubieten schienen, hob seine durch alles Lehren undThun sich ergießende Liebe zu wahren Ueberzeugungen empor. Aber auch alle übrigenUnterrichtsgegenstände erhielten durch ihn bildende Kraft. So wurde seine Anleitungzur Lehrthätigkeit besonders dadurch wirksam, daß er die Grundsätze der Erziehung unddes Unterrichts klar und sicher aus der Psychologie ableitete; seine 1793 auf ausdrück-lichen Wunsch des Kurfürsten herausgegebene „Anweisung zum Schulunterricht" zeugtvon tiefer Kenntnis der menschlichen Seele und von großer Weisheit in der An-wendung derselben auf die Pädagogik. In vortrefflicher Weise benützte er auch denUnterricht im Rechnen zu Erweckung des Nachdenkens, indem er nicht allein die Gründedes Verfahrens erkennen, sondern auch, wo möglich, die Regeln selbst finden ließ.Ebenso führte er, hierin Wohl durch die Wünsche Fürstenbergs geleitet, die Elemente derGeometrie und der Physik in die Volksschule ein, und zwar ebensowohl der Bedeutunghalber, die sie als Denkübungen haben, als wegen ihres praktischen Nutzens. Daß erfür Gesang, und deutschen Gesang, wegen der Kürze des Kursus und weil er selbst dieGabe des Gesanges nicht hatte, keine Thätigkeit entwickeln konnte, bedauerte er lebhaft.
Nicht ohne Interesse wäre es, genauer zu betrachten, Welchen Einfluß die Schriftendes Domherrn von Rochow auf O. ausgeübt haben; wir müßen auf diese Betrachtungverzichten. Der Zusammenhang zwischen beiden ist übrigens eine anerkannte Thatsache.
Wie sehr O. auch auf das Notwendigste in seiner Normalschule sich beschränkenmußte, so arbeitete er doch allezeit auf eine Bildung von innen heraus hin und wußtees zu erreichen, daß das Aufgenommene seinen Schülern die Möglichkeit wohlthätigenWirkens gab und zugleich daS Bedürfnis zu eigener Fortbildung in ihnen rege erhielt.Die ganz besondern Schwierigkeiten, welche ihm die Unwissenheit, Roheit und Theil-nahmlosigkeit vieler Zöglinge stets wieder bereitete, suchte er durch unermüdliche Geduldzu überwinden, und es war ihm dann eine hohe Freude, wenn er die Züge seinerZuhörer sich beleben, die Aufmerksamkeit sich steigern, ein richtiges Verständnis sich ein-leiten sah. Aber er war auch ganz unwiderstehlich, wenn er am Anfänge des Cursusvon der Bedeutung des Lehramts, von dem Verderben, das eine verkehrte Führung