Overberg.
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Streben, und als er von den Eltern die Erlaubnis zum Studiren erhalten hatte,wandte er unter Leitung des Geistlichen in Wolflage dem Lateinischen solchen Fleiß zu,daß er, 16 Jahre alt, in das Gymnasium der Franziscaner zu Rheine eintrcten konnte.Nachdem er auch hier zuerst geringe Hoffnungen erweckt hatte, überflügelte er bald diemeisten seiner Mitschüler und galt am Ende des Cursus als ein so tüchtiger Zögling,daß der Guardian ihn seinem Orden zu gewinnen strebte. Overberg entschied sichjedoch für den Stand des Weltgeistlichen und begann im Herbste 1774 zu Münsterseine philosophischen und theologischen Studien, in denen er rasch zu solchen Erfolgenfortschritt, daß er, den zugleich eine liebenswürdige Anspruchslosigkeit auszeichnete, VielerAufmerksamkeit auf sich lenkte. Im I. 1780 zum Priester geweiht und bald daraufdurch eine Dissertation über die Coadjutorwahlen einem weiten Kreise empfohlen, hätteer leicht in eine äußerlich lohnende Stellung eintreten können; aber er wollte am liebstenfür das Seelenheil des armen Landvolks thätig sein und übernahm daher die Stelleeines Pfarrgehülfen in Everswinkel. Hier erhielt er nun Gelegenheit, als Religions-lehrer der Jugend eine überaus segensreiche Wirksamkeit zu entfalten; allein eben derRuf, den er dadurch erlangte, hatte die Folge, daß er 1783 doch in einen höherenWirkungskreis durch Fürstenberg versetzt wurde.
Franz von Fürstenberg war im I. 1762 durch das Vertrauen des Kurfürsten undErzbischofs von Köln Maximilian Friedrich als Minister, geh. Conferenzrath, General-vicar und Kurator der höheren Lehranstalten der eigentliche Regent des HochstiftesMünster geworden und hatte seitdem das durch den siebenjährigen Krieg furchtbar zer-rüttete Land durch seine ebenso energische als umsichtige Thätigkeit wieder zu schönerBlüte gebracht. Eine besondere Sorgfalt aber hatte er dem Unterrichtswesen zuge-wandt und in dieser Beziehung sein Wirken damit begonnen, daß er das zunächst nochvon Jesuiten geleitete Gymnasium in Münster namentlich durch Einführung der Ma-thematik, der Psychologie und der Logik zu verbessern und durch den Unterricht, den erselbst mit aufopfernder Liebe jungen Jesuiten ertheilte, gleich eine sichere Bürgschaftfür ein fröhliches Gedeihen der Anstalt zu gewinnen sich bemüht hatte, wie dann auchnach Verdrängung der Jesuiten seine besondere Sorgfalt auf die umfassende Umbildungdes Gymnasiums gegangen war. Vgl. Sökeland, Umgestaltung des MünsterschenGymnasiums durch den Minister Franz Freiherrn von Fürstenberg. M. 1828. Insolcher Thätigkeit hatte er die Mittel zu einer Schulordnung gewonnen, die in gewißerBeziehung als eine epochemachende gelten konnte, die 1776 erschienene „Verordnung,die Lehrart in den untern Schulen des Hochstifts Münster betreffend." (Vollständigbei Sökeland und Egger; vgl. die sehr anerkennende Beurtheilung in der Allgem.deutschen Bibliothek Bd. XXIX, 330—366). Als F. bei der Coadjutorwahl 1780einem österreichischen Erzherzoge hatte weichen müßen, wandte er seine Fürsorge nurum so eifriger dem Schulwesen zu, und eben in dieser Zeit war es, wo er zum erstcn-male auf Overberg sein Auge lenkte, den weniger seine Schrift über die Coadjutor-wahlen, als seine ganze wissenschaftliche Tüchtigkeit ihm empfohlen hatte. Nun warzwar der Versuch, den jungen Priester als Erzieher in ein vornehmes HauS zuversetzen nicht gelungen; als er jedoch 1783 persönlich in Everswinkel den ausgezeichnetenKatecheten unter den Kindern des Volks beobachtet hatte, duldete er kein Widerstrebenund rief ihn als Lehrer der Normalschule in seine Nähe. Sie blieben seitdem überein Bierteljahrhundert innig verbunden.
O. verlangte zunächst nur einen Gehalt von 200 Thalern nebst freier Wohnungund Tafel im bischöflichen Seminar. Er übernahm dafür die Aufgabe, in einemCursus von 2—3 Monaten, der alljährlich während der Herbstferien sich erneuern sollte,die um ihn sich sammelnden Schullehrer und Schulamtscandidaten zu rechter Führungdes Lehramts anzuleiten und mit den erforderlichen Sachkenntnissen anszurüstcn. Zudenen, welche so jedesmal nur für kurze Zeit, aber mehrere Jahre hinter einander,Päv>ig. EncyUopädie. V. 39