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Overberk.
ohrie mancherlei Schwankungen. Bald waren es Piaristen, bald Franciskaner, Kapu-ciner und Augustiner, bald auch Weltgeistliche, welche in das von den Jesuiten verlasseneArbeitsfeld eintraten, zuweilen mußten Wohl auch Exjesuiten aushelfen; die vorgcnom-menen Veränderungen erwiesen sich nicht durchweg als'Verbesserungen, und auf rüstigenAnfang folgte hie und da rasche Ermüdung; die entschlossener Auftretenden fanden ander entscheidenden Stelle nicht immer zu rechter Zeit die volle Unterstützung und wurdenwohl auch durch geheime und offene Widersacher gehemmt; mit dem Einbrecher: derRevolutionskriege kam Stockung endlich in die besten Bestrebungen. Nichtsdestowenigermüßen wir mit Theilnahme bei jenen Reformen verweilen, für welche so viele edleKräfte wirksam gewesen sind, an welche so große Hoffnungen sich geknüpft haben. EsWar doch auch eine Zeit, in welcher das katholische Deutschland überhaupt durch För-derung einer freieren Wissenschaft und durch eine mit Liebe und Umsicht gepflegte Volks-bildung eine Annäherung an die protestantische Hälfte zu einer weitgehenden Verstän-digung zwischen beiden und zum Segen für beide aufrichtig zu versuchen schien. Durchdie katholischen Universitäten gieng eine frische Strömung, und einzelne, wie die inBonn, ließen sogar sehr kühne Geister zu Worte kommen (vgl. Enne n, Zeitbilder ausder neueren Geschichte der Stadt Köln 1857); man errichtete Normalschulen und suchtesonst in mancherlei Art Heranbildung tüchtiger Lehrer einzuleiten; man dachte mit Eiferauf Verbesserung des Unterrichts in den Mittelschulen, die in der That durch Ein-führung der so lange versäumten Muttersprache und durch ausgedehntere Pflege derMathematik und der Realien eine andere Gestalt erhielten; selbst die Priesterseminarienblieben nicht unberührt von dem überall sich regenden neuen Leben. Dabei ist anzu-erkennen, daß die geistlichen Fürsten selbst den Reformen persönliche Theilnahme zu-wandten: in Mainz die Kurfürsten Emmerich Joseph von Breidenbach und FriedrichKarl Joseph von Erthal, in Würzburg und Bamberg des letzteren Bruder, der Fürst-bischof Franz Ludwig, in Speier der Fürstbischof Damian August von Limburg-Stirum,der die Erziehung der Jugend als das größte Bedürfnis der Menschheit, die dringendsteAngelegenheit des Staats und das würdigste Geschäft der Religion bezeichnet hat;neben ihnen oder an ihrer Statt einsichtsvolle und wohlgesinnte Staatsmänner undKirchenbeamte: der Kanzler von Benzel in Mainz, der Domcapitular I. Fr. Hugovon Dalberg in Trier, im Hochstifte Augsburg der geh. Rath Schnellet. Die zu Aus-führung der Reformen niedergesetzten Commissionen erhielten z. Th. sehr zweckmäßigeInstructionen, wie die 1786 in Trier erlassene, welche Wyttenbach in s. Beitrag zurGeschichte der Schulen im ehemaligen Kurfürstcnthum Trier (1841, 19—25) ver-öffentlicht hat. Vgl. über Mainz: Denkwürdigkeiten des Generals Eickemeyer, herans-gegeben von H. König (Frankfurt a. M. 1845) 48 ff., für Augsburg (mit Dillingen)Christoph v. Schmid, Erinnerungen aus meinem Leben (1853) I, 107—113, II,25—33; für Speier Scherm, zur Gesch. u. Statistik des Gymnasiums in Bruchsal(1856) 17, 25, 42 ff.; im allgemeinen von H eifert, die Gründung der österreich.Volksschule durch Maria Theresia 588 f. und Heppe, Geschichte des deutschen Volks-schnlwesens I, 76—103 u. a. Für eine zusammenfassende Darstellung läge auch sonstreiches Material vor.
In keinem geistlichen Gebiete aber dürfte das Schulwesen so besonnene und sonachhaltige Pflege gefunden haben als im Hochstifte Münster durch den jeder Aner-kennung würdigen Franz von Fürstenberg. Und in der engsten Verbindungmit diesem erscheint nun eben derjenige, besten Leben und Wirken wir jetzt in der Kürzedarzustellen haben.
Bernhard Overberg war am 1. Mai 1754 in der zur Pfarrgemeinde Wolflagegehörigen Bauerschast Höckel im Osnabrückischen von wenig bemittelten, aber in Fröm-migkeit genügsamen Eltern geboren. Seine erste körperliche und geistige Entwicklungwar langsam; erst im fünften Jahre lernte er gehn, und die Kunst des Lesens eigneteer erst nach saurer Mühe sich an. Aber dann regte sich um so entschiedener ein höheres