Ortskunde.
606
Wir bemerkten schon, welche Stelle die Heimatskunde beim Unterrichte einzuneh-men habe, daß sie nämlich die natürliche Fortsetzung des Anschauungsunterrichtes bildeund zur Vaterlands- und Weltkunde überleite. Es ist gewiß vortheilhaft, die Realienin der Volksschule unter dieser allgemeinen Rubrik „Weltkunde" zusammenzufassen, daeine Zersplitterung derselben nach Wissenschaften und eine getrennte Behandlung der-selben offenbar den Nachtheil herbeiführen muß, daß abgesehen von allem anderen vielunwichtiges Fachwerk mit ausgenommen wird, und die für die Schule wichtigen Punctedabei die Beeinträchtigung erleiden, daß sie nicht als die Hauptsachen erkannt werden.Ist irgend wo die Eoncentration des Unterrichts nöthig, so ist es hier. — Es wäreaber nun weiter zu bestimmen, ob denn ein Jahrescurs hinreichend sei, die hier an-gedeutete Masse deS Unterrichtsstoffes zu bewältigen. Wir müßen dies entschiedenverneinen, und glauben, daß im ersten Jahre Namenkenntnis der Gegenstände unvnur die wichtigsten Merkmale und Unterschiede genügen; im zweiten alles ausführlicherund mehr im Zusammenhänge; im dritten vorherrschend das Fremde, d. h. das außer-halb der Heimat liegende im Anschluß an das schon bekannte. Und wenn man nunfragen möchte, ob denn jahraus jahrein Heimats- und Ortskunde solle getrieben Werden,so wäre darauf zu antworten, daß ja darin Naturgeschichte, Naturlehre, Heimats-kunde und die Anfänge der Erdbeschreibung liegen, was man doch nicht in einemJahre abfertigen kann. Wer das aber langweilig fände, der stellte sich damit einArmutszeugnis aus, daß er eine schon dagewesene Sache wieder neu und interessantzu machen nicht versteht.
Was die Behandlung der einzelnen Partien betrifft, so ergiebt sich von selbst,daß Anschauung, Besprechung, Vergleichung und übersichtliche Zusam-menstellung die leitenden Grundsätze sein müßen.
So weit scheint eine besondere Schwierigkeit für diesen Unterricht nicht vorhandenzu sein. Es käme nur darauf an, ob der Lehrer im Stande wäre, das hier gefor-derte Material zu beherrschen. Zunächst wird freilich an ihn die Anforderung gestellt,daß er alle die Dinge, Zustände und Ereignisse der Außenwelt kennen, also auf demgesummten Gebiet der Natmstvissenschaften zu Hause sein soll, ja noch mehr, er solles nun auch verstehen, seine Heimat oder den Ort seiner Wirksamkeit zu durchforschen,um zu wissen, was er aus dem reichlich zufließenden Materiale auszuwählen habe.Endlich wird verlangt, daß er die Fähigkeit habe, zur Veranschaulichung immer denrechten Weg einzuschlagen und zur Erklärung immer das richtige Wort zu treffen. Nimmtman dazu, wie schwierig es oft ist, gerade über die bekanntesten Dinge zu sprechen,oder gar sie zu erklären, so ist nicht zu leugnen, daß dies Hindernisse sind, die sichohne weiteres nicht werden beseitigen lassen, und es muß in solchem Falle, wo derLehrer keine genügende Kenntnis davon, oder vielleicht gar nicht einmal Interesse dafürhat, vorgezogeu werden, lieber den Unterricht aufzugeben, als eine erfolglose oder ver-wirrende Unterweisung zu gestatten. Sind dazu noch die Verhältnisse im allgemeinenund die der Schule insbesondere der Art, daß außer den Katechismusstunden nurLesen, Rechnen, Schreiben nothdürstig erlernt werden, so ist es auch gar nicht einmalmöglich, der Heimatskunde in einer besonderen Stunde einen Platz zu gestatten. Unddoch wäre es namentlich für diejenigen Schüler, die darauf angewiesen sind, einegroße Zeit ihres Lebens im Freien zuzubringen, sehr erwünscht, wenn man ihnenfür Gottes große und herrliche Natur die Augen öffnete. Aber der vorgeschützteMangel an Zeit ist nur scheinbar vorhanden; denn abgesehen davon, daß der Lehrergar häufig Anlaß hat, gelegentlich eine Bemerkung zu machen, eine Erklärung zugeben, so heißt eS doch nichts unmögliches verlangen, wenn der Lehrer die Gelegen-heit suche n soll; cs ist dabei recht gut möglich, planmäßig zu verfahren. Außerdem wird
beiten unter dem Titel: Die Heimat, ein Handbuch für Bolksschullehrer :c. Pest bei G. Hecken-ast. t864.