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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Ortskunde.

der Darstellung der Heimat zur Sprache gebracht worden, zu benutzen und an ihnenzugleich die wichtigsten geographischen Begriffe zn veranschaulichen. An dem Bacheoder Teiche des Wohnortes, an den Bergen oder der Ebene der Heimat, an denThieren des Feldes und des Waldes erhalten wir Anhaltspunkte, das Fremde mit demHeimatlichen als dem unmittelbar angeschauten zn vergleichen, und so beides zu be-greifen, da es verhältnismäßig nur- wenigen Menschen vergönnt ist, das Entfernte miteignen Augen zu sehen. Aber die Kenntnis des Wohnortes mit seiner nächsten Um-gebung, überhaupt desjenigen Theiles der Erdoberfläche, der den Menschen zum Wohn-platze angewiesen ist, und mit dem er durch Lebensweise oder sonstige Natur- undCulturverhältuisse in einer bestimmten Verbindung steht, hat auch noch eine andereWichtigkeit, und die Ortskunde oder Heimatsknnde noch eine andere Berechtigung,hauptsächlich in der Volksschule Gegenstand des Unterrichts zu sein. Wie schon er-wähnt, so ist für sehr viele Menschen der Geburtsort und der um denselben engeroder weiter gezogene Kreis, den wir eben Heimat nennen, zugleich auch derjenige Raum,auf welchen ihre Lebensthätigkeit beschränkt ist und ihr Leben lang beschränkt bleibt.Hat es nun an sich schon etwas entwürdigendes für einen Menschen, wenn er überdie nächsten Verhältnisse, in denen und unter deren Einflüsse er lebt, im unklaren sichbefindet, so ist es zu gleicher Zeit, weil eben die Umgebung in den menschlichenAngelegenheiten sich geltend macht, eben so wahr, daß unsere Handlungsweisenur in so fern richtig ist, als wir die uns umgebenden Verhältnisse richtig anffassen,und daß nur in sofern unsre Wirksamkeit von Erfolg sein kann, als sic den Verbin-dungen im häuslichen und bürgerlichen Leben, den natürlichen Verhältnissen und Zu-ständen unsres Wirkungskreises Rechnung trägt. Die Kenntnis der Heimat ist demnachvon diesem Gesichtspunkte aus recht eigentlich Selbstzweck und wird es dort um somehr, wo der Mensch darauf angewiesen ist, an der Scholle zu haften, auf der erdas Licht der Welt erblickt hat. Aus den beiden angegebenen Gründen ist in derVolksschule und in der untersten Elaste höherer Schulen die Ortskundc unentbehrlich.

Wie man nun den Begriff der Geographie weit und eng faßt, so kann der Unterrichtüber Gegenstände der Heimat, gewöhnlich Ortskunde oderH e imats kund e genannt(wiewohl beideBenennungen nicht ganz gleichbedeutend sind), in verschiedenem Sinne genom-men werden. Zunächst versteht man darunter natürlich die Kenntnis von dem Wohn-orte, dann aber auch allgemeiner: di e K cnntni s d er W oh n v er h ältn isse des Men-schen ingesellschastlicher Beziehung überhaupt, wie es v. Sydow in seiner geo-graphischen Vorschule faßt, wobei die verschiedensten Arten der Wohnplätze vom einzelnenHause bis zur größten Stadt mit allen ihren Besonderheiten Berücksichtigung finden. Endlichgebraucht man Ortskunde noch in dem Sinne, daß darunter die Kenntnis derOrtschaften eines größeren oder kleineren Raumes (Landes, Erdtheiles)verstanden wird. Nun kommt aber bei unserem Unterrichtsgegenstand nicht bloß dereinzelne Wohnort als Niederlassung von Menschen, die unter einander in gewißenVerhältnissen stehen, gewisse Beschäftigungen treiben, in Betracht; sondern es sind zu-gleich auch die Beziehungen zu berücksichtigen, in welchen die Bewohner zn der den Wohnortumgebenden Natur stehen. Es gehört also nach unserer Auffassung zur Ortskundc nicht nurdie Beschaffenheit des Wohnortes, so daß sie die Vorübungen zur Geographie begreift, die inder Veranschaulichung der geläufigsten Begriffe derselben bestehen, nicht nur das geselligeLeben, der Cnlturznstand und der Grad der geistigen Bildung der Bewohner desselben undvielleicht der nächsten Ortschaften, sondern zugleich auch das Naturleben der Heimat,die genauere Betrachtung der Natnrkörper und Erläuterung der Gesetze, die bei dengewöhnlichsten Erscheinungen in der Natur sich geltend machen. *) Sonach würde die

*> Wenn man den Begriff der Ortskundc so weit faßt, wie der obige Artikel, so enthältdieser Unterricht zugleich die Vorbereitung zum naturwissenschaftlichen Unterricht, worüber wirans die betreffenden Artikel verweisen. D. Red.