Originalität. Originell.
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vermöchte. Muß doch selbst der Wunderknabe Mozart die Ueberlieferungen seinergroßen Vorgänger in sich sammeln, ihre strengen Regeln studiren, daß seinen Melodiendie Schwingen wachsen können, auf welchen sie frei in den blauen Aether tauchen.Originell sein wollen und nichts lernen wollen, Vas ist Geniesucht von der trägenSpecies, während eine entgegengesetzte Species die Originalität an den Haaren herbei-zuziehen vermeint, — hier hitzige Krankheit, dort Faulfieber an Geist und Willen zeh-rend. Nach Versagtem gierig fein und Erreichbares liegen lassen, ist gleich verkehrtund schädlich.
Ob ein Zögling auf Originalität angelegt sei oder nicht, das läßt sich lange nichtimmer erkennen und man kann sich hier mit Bejahen wie Verneinen täuschen. ImFrühling und zu einer Zeit, da die Reben noch nicht ins Land scheinen, bedeckt sichauch der Schlehdornstrauch mit Blütcnschnee, und es gibt bei jungen Leuten oft einGeistesblitzen, das ist jenem Wetterleuchten ähnlich, welches nur abkühlt, nicht aberden ersehnten Regen bringt. Wo Eitelkeit der Eltern oder Schmeichelei des Jugend-lehrers daraus Großes macht, da wird leicht selbst der begabtere Genius verzogen.Das Sprühen der Geistesfunken möge unbeschrieen bleiben, und durch vorsichtige Leitung,vornehmlich durch Halten ob solidem Lernen dafür gesorgt werden, daß die Kraft zumWachsthum und in Ordnung komme. Andrerseits aber schadet nicht minder, wennPedanterie und Eigensinn dem Genius seine Wege verlegt und ihn dafür auf fremdeBahnen zwingen will. Was Flügel hat, das muß auch fliegen dürfen, und nicht jederVogel läßt sich durch Stutzen des Gefieders in ein nützliches'Hausthier verwandeln. —Einen jungen Menschen darum originell nennen, weil er tolle Streiche, oder durchSonderbarkeiten sich bemerklich macht, ist Misbrauch des Worts, denn obwohl derGenius zuweilen sich zuerst excentrisch kund gibt, so ist noch lange nicht alles Excen-trische originell, und viel häufiger kündigt es das Herausfallen aus dem Centrum alsein Sichhineinarbeiten in dasselbe an. — Wirklich originellen Männern werden Sonder-barkeiten, womit sie ihren Tribut an die menschliche Unvollkommenheit entrichten, eherverziehen; aber Unsittliches und Gemeines mit den Vorrechten des Genius decken wollen,heißt Gewissen und Sitte von ihren Ursprüngen lösen und das Band zwischen Geistund Willen zerreißen.
Wahre Originalität in Wissenschaft und Kunst wird classtsch, d. h. sie stellt zu-gleich Muster auf, indem sie wesentlich Neues hervorbringt. An jenen Mustern giltes zu lernen und sich hinansznranken. Der Jugend andere Vorbilder zu geben, alsaus welchen Ursprüngliches hervorscheint, ist Beraubung. Selbst das Correcte, wennes sonst nichts weiter ist, reicht nicht zu, geschweige daß man dürfte Raphaels Platzeinem Meister Fludribus zuerkennen. Da es bei allem Lernen nicht bloß ans Aneignen,sondern auch zuletzt ans eigenes Quellen ankommt, so muß der Schüler fleißig dahingeführt werden, wo aus dem Ursprung geschöpft ist. A. Hauber.
Orthodoxie, s. Frömmigkeit S. 558.
Orthographie, s. Rechtschreibung.
Ortskunde. Darüber scheint heutzutage kein Zweifel mehr obzuwalten, daß demeigentlichen geographischen Unterrichte in der Mittelschule wie in der Bürgerschule einvorbereitender Unterricht vorausgehen müße, der sich auf die unmittelbare und nächsteUmgebung des Schülers zu beziehen habe. Es gilt hierbei hauptsächlich, das möglichstanschaulich zu machen, was in der Erdkunde nur noch mit Zuhülfenahme der Phantasiedurch das Wort des Lehrers, durch Abbildungen und Karten der Vorstellung nahegerückt werden kann. In dieser Beziehung soll der gemeinte Vorbereitungscurs dazudienen, das Fernerliegende an dem zunächst Liegenden zu verdeutlichen, das Unbekanntean dem Bekannten, das Unerreichbare an dem, was tagtäglich vor uns vorgeht, an-schaulich und klar zu machen. Gibt es ja doch, das wirkliche Anschauen durch Reisenabgerechnet, kein anderes Mittel, die den Schülern entwickelten Gegenstände der Erd-kunde begreiflich zu machen. Der geographische Unterricht hat dann die Dinge, die in