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Ordnungssinn, Ordnungsliebe.
dem Militär, dessen Bestimmung kein Privilegium in diesem Theile mit sich bringt,während auch die bloße materielle Bedeutung dieser Tugend, nämlich ihr Einfluß aufLandwirthschaft und Gewerbe, in die Augen springt. Militärisch soll gleichwohl dieOrdnung in Haus und Schule und in Erziehungsanstalten nicht sein. Die gewöhn-liche Erziehung hat sa nicht darauf hinzuwirken, daß durch die äußere Erscheinungimponirt werde. Sie begnügt sich, den Geist der Ordnung zu pflanzen und läßt derpersönlichen Eigentümlichkeit Raum, denn es ist das Wesen der Ordnung, in jederTugend individuell zu sein. Nicht daß die Hefte einer Schule alle dieselbe Gestaltund Farbe haben, sondern daß an jedem die Ordnungsliebe des einzelnen Kindes sicht-bar wird, das ist der Ruhm des Lehrers.
Um endlich auch der Mittel zur Erzielung der Ordnungsliebe näher zu gedenken,so können wir nicht unterlassen, daran zu erinnern, daß z. B. Schlafrock und schlot-terige zerrissene Pantoffeln im voraus dem Lehrer das Recht nehmen, bei seinen Kin-dern auf geordnete Erscheinung zu Dringen, daß planlose Vertheilung der Lehrpensenund unzeitige Pausen einen Schaden stiften, der durch keinen anderweitigen Fleiß gutgemacht werden kann, und daß in diesen wie in andern Stücken eine geregelte Auf-sicht von oben jedem Lehrer und Erzieher seine Aufgabe erleichtert, weil sie ihn vorden Gebrechen der eigenen Natur bewahrt. Der Erzieher spare aber auch weder Zeitnoch Mühe, um im Zögling den Ordnungssinn zu pflegen. Was auf Ordnung ge-wendet wird, das ist so wenig verlorne Zeit, als was für das oft so zeitraubendeZnstandebringen sprachrichtiger Antworten geschieht. Beides belohnt sich reichlich. Eshandelt sich nur darum, die ersten Schwierigkeiten zu überwinden. Täglich eine allge-meine, zuweilen eine recht ins einzelne gehende Musterung der Schüler, Zöglinge rc.in Absicht ans das Aeußere sei niemanden zu viel. Mit Strenge werde jede Nach-lässigkeit gerügt; am besten dadurch, daß auf ihre augenblickliche Beseitigung gedrungenwird; denn die Belästigung und Beschämung, welche den Schüler durch den Zwang zusofortiger Verbesserung seines Fehlers trifft, ist unter allen Mitteln dieses Theiles daswirksamste. Einzelne Uebungen der Schule, wie z. B. das Turnen, werden für diePflege des Ordnungssinnes in besonderem Sinne wirksam sein. — Prämien auszu-theilcn, dürfte in der Regel nicht gerathen sein. Aber darauf wäre zu Dringen, daßOrdnungsliebe im Katalog der Schulzeugnisse ein eigenes Fach bilden und aus dasGesammtzeugnls einen wägbaren Einfluß ausüben würde. Denn die Rubrik: sittlichesVerhalten reicht nicht hin, um neben den allerdings viel wichtigeren Eigenschaften derWahrhaftigkeit, des Gehorsams u. dgl. auch jener Cardinaltugend des äußeren Men-schenlebens das rechte Interesse zuzuwenden, und es ist sonst keine Tugend und keinpädagogisches Lob, das neben jener ersten eine gleiche Berücksichtigung ansprechen könnte.
K. Lechler.
Ordnungsschüler, s. Censoren, Helfersystem.
Organlstenstelle, s. Besoldung S. 601 .
Originalität. Originell. — Solchen Werken menschlicher Geistesthätigkeit, inwelchen ein wesentlich Neues hervorgebracht ist, wird Originalität zngeschriebenund damit bezeichnet, daß hier aus dem Ursprung geschöpft sei. Dies ist Sachedes Genies, während Talent und Fleiß ihre Arbeit mit Nachahmen und Combinirenweiter abwärts von der Quelle haben. Die Originalität unterscheidet sich von derEigenthümlichkeit dadurch, daß letztere zwar wohl etwas bisher noch nicht so Dage-wesenes, nicht aber etwas wesentlich Neues hervorzubringen im Stande ist. Eigen-thümlich muß am Ende jeder Mensch und jedes menschliche Werk genannt werden,aber das Originelle ragt um eines Hauptes Länge über das Gewöhnliche hervor, estritt als etwas seltenes und aus dem natürlichen Verlauf der Entwicklung nicht zuerklärendes ans, und erscheint darum als „Gesendet" oder „Eingegeben" im Unter-schied von dem Gemachten und Erworbenen, wiewohl es ein großer Jrrthum wäre zumeinen, daß irgenv ein noch so reicher Genius ohne ernste Arbeit Bleibendes zu schassen