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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Ordnungssinn, Ordnungsliebe.

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Schranken setzen und dein maßlesen Verlangen nach einem jederzeit bis ins kleinstebefriedigenden Gesammtbilde der Haushaltung wird er die Verantwortung entgegen-stellen, welche ans der damit zusammenhängenden Vernachlässigung der höheren Be-dürfnisse entspringt. Er wird durch Ernst und Ironie den todten Mechanismus be-kämpfen, der das eigene sieben in den selbstgemachten Kreislauf einer an sich werthlosenGleichmäßigkeit des Thuns hincinbannt, und der nicht selten, wie die Erfahrung lehrt,statt zu größerer leiblicher und geistiger Gesundheit, vielmehr zur Zerrüttung der Ge-sundheit führt. Denn absolute Regelmäßigkeit, weil sie dem Gesetze des siebenswiderstrebt, ist lebensgefährlich in jedem Sinne des Wortes. Wie jene Sorge umVerlängerung des siebens, die als eine förmliche Kunst betrieben wird, allmählich eineso übermäßige Aufmerksamkeit ans die kleinste Abweichung von der vermeintlich heil-samen Ordnung erzeugt, daß infolge davon die nagende Sorge um die Stetigkeitder siebensordnnng schlimmer wirkt, als diätetische Fehler und ans diesem Wege leichtein Zirkel schlimmer Ursachen und Wirkungen entsteht, der das sieben erst recht ver-kürzt: so ist es in allen ähnlichen Dingen auf dem Gebiete des Seelenlebens. Eskann durch Zusammentreffen falscher Gewöhnung und sonstiger gesundheitsstörenderVerhältnisse dahin kommen, daß eine offenstchendc Schublade, eine hängende Thüredem Menschen zur endlosen Qual wird und ihm jeden andern Gedanken raubt.Die Freiheit muß auch in diesen Stücken gewahrt bleiben und der künftige Geschäfts-mann, die künftige Hausfrau in dem Geist jenes Wortes von Flattich erzogen werden:daß Christus nicht eine Brosamen- sondern eine Brockenordnung haben wolle. Andrerseits und dies wird freilich der häufigere Fall sein wird das Hinwirken auf dieStärkung, beziehungsweise Weckung des Ordnungssinnes von der Voraussetzung aus-gehen, daß auch dem unordentlichsten Geiste nicht alle Anlage zur Ordnung mangelt,vielmehr dieselbe nur aus der Gebundenheit durch andere übermächtige Triebe zu be-freien sei. Die Erziehung wird in diesem Stücke ein ganz besonderes Gewicht aufdas Beispiel legen, da gerade das, was zur Ordnung gehört, immer in die Augenfällt und der ganze tägliche siebensgang dadurch sein Gepräge bekommt. Genauigkeitvor allem in der Einthcilung der Zeit, darnach Sorgfalt in der Behandlung dereigenen äußeren Erscheinung, sowie des Stoffes und der Werkzeuge, an welche dastägliche Thun und Lassen gebunden ist, der Zimmer, des Hausrathes, der Bücherund Schreibmaterialien, endlich noch insbesondere die aufmerksamste Buchführung überEinnahme und Ausgabe das sind Puncte, welche keine Pädagogik außer Acht lassendarf. Erzieher, welche über solche Dinge nachlässig oder vornehm hinwegsehen, mögensich alles Rühmens begeben, wenn ihre Zöglinge dennoch gerathen. Denn die Ordnungist das äußere Gesetz des siebenS, und es liegt in ihr eine ebenso unentbehrliche ZuchtDer sittlichen Persönlichkeit, als in dem mosaischen Gesetze die geistliche Zucht Israels lag.Ordnung ist geistige Sparsamkeit. Die Kinder lernen den Werth der Zeit erst kennen,wenn sie sich gewöhnen, auf die Minute fertig zu sein. Daß diese Gesetze vornehmlichden Schulen und Erziehungsanstalten gelten, wo schon die Menge der Individuen dieSchranke der Regel fordert, ist eine natürliche Sache, und man hat nicht nöthig, eineStrenge, welche auf das Kleinste sieht, als eine wohlthätige Pedanterie zu bezeichnen.Auch die Sorgfalt in der Pflege der äußeren gewöhnlichen Erscheinung ist nicht noth-wendig Eitelkeit, wie oft sie auch dazu führt, sondern das Bewußtsein, daß die Er-scheinung der Ausdruck der Gesinnung ist; sie beruht auf der Erkenntnis von derselbständigen, wenn auch in zweiter Linie stehenden Bedeutung des Leibes und seinerGestalt, und steht mit der Achtung gegen die Gesellschaft in geradem Verhältnisse.Den übergeistigen und überirdischen Naturen, die sich vomAeußerlichen" emancipiren,ist jenes treffende Wort Schillers entgegenznhalten:Gott nur stehet das Herz.

Drum eben, weil Gott nur das Herz sieht, sorge, daß wir doch auch etwas erträg-liches sehn." Was insonderheit unsere Volksschulen betrifft, so muß die Zeit nochkommen, wo man in denselben die äußere Ordnung für ebenso wichtig hält, wie bei