Ordnungssinn, Ordnungsliebe.
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werden am besten gleich auf dem Receptionsscheine des Schülers aufgeführt.*). Derletzte Zweck aller Schulordnung ist, daß sie zur Sitte werde, der sich der Schülermit Freiheit und Liebe anschließt., und die er übt als eine Sache, welche sich in derSchule von selbst versteht. Flashar.
Ordnungssinn, Ordnungsliebe. Ordnung ist dasjenige Sieben- und Nach-einandersein der Geistesthätigkeiten und ihrer Gegenstände, welches dem inneren Wesenderselben entspricht. Sie ist die Seele jeder Haushaltung, sowohl der göttlichen alsder menschlichen, und die Pädagogik hat daher sowohl eine - wesentliche Bedingungihrer Wirksamkeit als einen vorzüglichen Werthmesser ihrer wirklichen Erfolge in derOrdnung zu suchen. Ans dem Wesen Gottes, der in der hl. Schrift selbst „ein Gottder Ordnung und nicht der Unordnung" genannt wird, und aus der Schöpfung, derdas Zeichen der Ordnung schon in ihrem ersten Werden charakteristisch ausgeprägt ist,muß die Ordnung auf die einzelne zu bildende Persönlichkeit theils in natürlicher undunbewußter, theils in geistiger, bewußter, vermittelter Weise übergehen. Die Er-kenntnis der Bedingungen, unter welchen, und die Leitung der freien Thätigkeiten,durch welche dies geschieht, ist der Gegenstand der denkenden Pädagogik. Es ergibtsich aber hieraus ein doppeltes. Die Ordnung als Pädagog. Factor ist zunächstNaturanlage durch Erbe von Stamm und Geschlecht oder durch eine ursprüngliche,anerschaffene Eigentümlichkeit des Individuums: Ordnungssinn (natürliche Ordnungs-liebe). Fürs andre ist sie eine Tugend, welche, sei es mit, sei es ohne besondereUnterstützung der Naturanlage, erworben wird: Ordnungsliebe (im engern Sinne).In diesen beiden Gestalten ist sie von uns anfzufassen.
Ordnungssinn als natürliche Anlage ist die Fähigkeit und der Trieb, dieDinge in ihrer zweckentsprechenden und naturgemäßen Zusammengehörigkeit anzuschauen,und durch eigenes Thun ans die umgebende Außenwelt in diesem Sinne gestaltendeinznwirken. Mit dem Schönheitssinn ist er nahe verwandt und geht in denselbenüber, sobald diese Zusammengehörigkeit von der Seite ihrer Wohlgefälligkeit ange-schaut und Gegenstand des Vergnügens wird, während der Ordnungssinn zunächstnur damit zu thun hat, daß die und die Verbindung der Dinge die rechte sei, ausihrer Wahrheit hcrvorgehc. Pünctlichkeit ist eine Art des Ordnungssinnes, diejenigenämlich, die das Kleine ins Auge faßt, ebenso die Reinlichkeit, die dafür sorgt, daßdie angemessene Erscheinung der Dinge nicht durch ekelerregende Zuthaten gestörtwerde. Es kann keinem Zweifel unterworfen sein,**) daß das eine Kind vor demandern mit derartigen Fähigkeiten ausgestattet, und wiederum, daß manches in dieserHinsicht von der Natur gleichsam vernachlässigt ist. Der kleine Knabe, der ohnebesondere Strenge von Seiten des Lehrers mit Aengstlichkeit darauf dringt, zur rechtenMinute in der Schule zu erscheinen, das kleine Mädchen, das in der Behandlungseiner Puppenküche immer alles an seinem Orte hat und von selbst kein Spielzeugnach dem Gebrauche unaufgeräüint liegen läßt, — beweist den angcbornen Ordnungs-sinn und empfiehlt sich durch denselben, ehe sein sittliches Wesen zur eigentlichen Ent-faltung gelangt. Es kann dieser angeborne Sinn aber auch frühzeitig ausarten, inKleinlichkeit und Peinlichkeit übergehen, der Wunderlichkeit und dem Egoismus Vor-schub leisten. — Dem gegenüber fällt der Hang zunächst zu äußerlicher Unordnung,
Doch möchte auch das zulüßig sein, daß mau das Wichtigste von dein, was die äußereOrdnung betrifft, namentlich soweit es das Hans mitangeht, etwa in einer solchen Form, wiesie die Stuttgarter Gymnasialstatuten ts- die obige Anmerkung) durch ihren Titel andenten, mitden das sittliche Leben betreffenden Ermahnungen als zweiten Abschnitt vereinigt und beides zu-sammen dem Schüler als Statuten in die Hand gibt. D. Red.
Kümmel hat in Hergangs Vncyklopädie, S. 333, den angeborenen Ordnnngssiimgeleugnet, ohne aber diese auffallende Behauptung, die mit der täglichen Erfahrung streitet, zubeßrünben.