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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Oppositionsgeist.

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selten eine unverholene Stütze im elterlichen Hanse. Die Erfahrung zeigt aber, daßsolche Einflüsse meist isolirt bleiben. Hier ist es der Corporationsgeist der Schüler,welcher eher dazu führt, daß derjenige gering geschätzt wird, der allesseinem Vatersagt." Die geringste Schwäche eines Direktors oder eines der Kollegen verderbt indieser Beziehung den Gemeingeist der Schule mehr, als der Einfluß des elterlichenHauses.

Wenn Schleiermacher den Oppositionsgeist alsBeweis der Korruption der gan-zen Anstalt" betrachtet, so hat er dabei offenbar den Fall im Auge, wo dieser Geistauch die ganze Anstalt bereits ergriffen hat. Es dürfte jedoch zweckmäßig sein, beidem entgegengesetzten Fall zu verweilen, und die Erscheinungen der Opposition gegenden Anfänger noch besonders zu beleuchten. Sie ist wieder anderer Natur, als dieOpposition gegen den schlechten Lehrer, und La sie durch pädagogische Einsicht ungleichleichter und schneller beseitigt wird, als durch die Naturwirkung längerer Erfahrung,so kann ihre Beleuchtung vielleicht einigen Nutzen stiften.

Der natürliche Stolz bringt es mit sich, daß der Knabe sich nicht von jedemwill regieren lassen. Selbst der verhaßte und gefürchtete Lehrer erscheint ihm des Ge-horsams würdiger, als ein Neuling. Dieser mag noch so feierlich eingeführt und ein-gesetzt sein: seine eigentliche Einführung besorgt er selbst erst, wenn er zum erstenmalallein vor der Front seiner Elaste steht. An manchen Anstalten, wo häufig Anfängerab- und zugehen, ist es bewußter und traditioneller Grundsatz der Schüler, den Kan-didaten das Leben sauer zu machen; fast überall wird wenigstens von einigen dreistenJungen unter gespannter Aufmerksamkeit aller übrigen versucht, wie weit man mitdem neuen Lehrer gehen darf. Als sichres Symptom eines regen Oppositions-geistes ist zu betrachten, wenn die Schüler bei der leisesten Störung, wenn ein Fußsich regt, ein Buch zngeklappt wird, alle aufmerksam werden, wenn listige Seitenblickenach der Gegend geworfen werden, ans welcher das Geräusch stammt, wenn ein sym-pathisches Lächeln sich plötzlich verbreitet und bald dieser bald jener ängstlich schlau zu demLehrer anfblickt. Wenn dieser Zustand eine Zeit lang sortdaueri oder gar sich ver-schlimmert, so folgt gewiß bald ein größerer Exceß, und zwar ein solcher, dessen spe-cieller Zweck in einer Demonstration gegen das Regiment des Lehrers besteht. DemLehrer fehlen, abgesehen von seiner Unerfahrenheit, die besten Waffen. Von Liebe,Ehrfurcht, Achtung vor der Gelehrsamkeit und Tüchtigkeit des Mannes kann kaum dieRede sein. Kommt dazu noch der Mangel eines imponirenden Aeußeren, so ist dieSchwierigkeit nicht gering. Hier ist gewöhnlich der nächste Nothanker das äivicls stimpera, so verwerflich es auch als dauernde Maxime sein würde. Es hat aber auchin rein technischer Beziehung seine Gefahren. An einem Beliebigen ein abschreckendesBeispiel für alle zu statuiren erbittert das Nechtsgefühl und reizt zu ernsthaftererOpposition; dagegen darf der Lehrer es auch nicht aus Weichlichkeit oder gar ausEitelkeit scheuen, mit einer Strafe seine Laufbahn zu beginnen. Die Schüler buch-stabiren in der Regel das Wörtchen Ehrfurcht von hinten: erst kommt die Furcht;dann das Ehren. Es kommt hier nicht sowohl auf das Ob? als vielmehr aus dasWie? an, und die erste Strafe ist für den angehenden Lehrer ein wichtiger Act. Hiermuß sich zeigen, ob er sich auf sein schwieriges Amt innerlich vorbereitet hat. Ge-lingt es ihm, jede persönliche Gereiztheit zu vermeiden, ruhig und unbefangen einSymptom unzweifelhafter Schuld zu erfassen und dann scharf und nachdrucksvoll mitder ganzen Würde sittlichen Ernstes einzugreifen, dann ist viel gewonnen. Die Ueber-windnng des Oppositionsgeistes liegt aber noch in einer ganz anderen Hinsicht für denAnfänger in der Vorbereitung. Der sicherste Weg znm Sieg ist die sofortigetüchtige Leistung. Ein tüchtiger Lehrer fand eine verwilderte Prima beim ersten Ein-tritt in die Elaste in Balgerei begriffen und offenbar entschlossen, den Widerstandgegen die Ordnung so weit zu treiben, als immer möglich.Warum nicht an denPlätzen?" rief er, schritt kurz und fest aufs Katheder zu, schlug feinen Homer auf