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Oppositionsgeist.
Gefahr einer späteren oppositionellen Wendung zu mindern, sie ist aber auch etwas sodurchaus an der Persönlichkeit des Lehrers haftendes , daß man sie ebensowenig alsUnidersalmittel gegen den Oppositionsgeist von jedem Lehrer verlangen kann.
Der Oppositionsgeist gegen einen schlechten Lehrer, in einer vom Vorgänger treff-lich gezogenen Nasse, ist in Schummels Spitzbart (Tübingen 1779), jener buttern aberan derben Wahrheiten reichen Satire gegen die Philanthropine, in drastischer Weisegeschildert. Director Spitzbart beginnt in Prima die Religionsstunde „mit einerpompösen Standrede über die Vortrefflichkeit der christlichen Religion, die den aller-einzigen Fehler hatte, daß sie in der Region der Ohren hangen blieb und nicht bisins Herz hinab drang. Die Jünglinge, die einer solideren und nahrhafteren Kostgewohnt waren, gaben znletzt ihre Unzufriedenheit mit dieser losen Speise ganz sicht-bar zu erkennen. Das Gähnen und Plaudern nahm an allen Ecken überhand" u. s. w.In der nächsten Stunde findet der Director einen Spottvers auf dem Katheder. Wieeine Furie springt Spitzbart auf und „erhob eine fürchterliche Litanei von Buben undSchlingeln, Rackeln, Bengeln, Eseln rc." Die jungen Leute „die dieser Fnhrmanns-floskeln nicht gewohnt waren," gerathen in Hitze; einer steht auf, macht dem DirectorVorstellungen unv erhält alsbald einen Schlag ins Gesicht. Er weiß „seine Leiden-schaft besser zu zähmen, als sein Vorgesetzter" und verläßt das Zimmer, um den ge-liebten früheren Lehrer um Rath zu fragen. Die ganze Nasse geht mit und läßt denDirector allein. Sie kommen zu dem von Spitzbart verdrängten Lehrer, der schonvon der Sache gehört hat. „Er nahm sie mit auf sein Studierzimmer, gab ihneneinen sehr strengen Blick und fragte sie, mit einem unwilligen Tone und zugleich miteiner Thräne des Schmerzes im Auge: „Kinder, was habt ihr gethan? Was mußich von euch hören!" Mehr brauchte es nicht, um die Jünglinge zum aufrichtigstenBekenntnisse zu bewegen. Hier sei denn beiläufig bemerkt, daß für einen Willensstärkenund in der Disciplin seinen Kollegen überlegenen Lehrer eine große Versuchung entsteht,wenn er Spnren des Oppositionsgeistes gegen einen Amtsgenossen unter seinen Schü-lern bemerkt. Namentlich ist der Klassenlehrer gegenüber einem Fachlehrer sehr leichtin Gefahr, den Excessen ans Kosten des letzteren nicht den gebührenden Ernst entgegen-zusetzen. Die Schüler selbst wissen mit unglaublicher Feinheit in Mienen, Wendungenund Ausdruck der Stimme durchblicken zu lassen, daß sie so etwas dem geachtetenKlassenlehrer gegenüber natürlich niemals wagen würden. Sie verstehen sich vortreff-lich auf die Lehre von der Disciplin, und wissen sicher bei der Untersuchung denetwaigen Fehler des Fachlehrers in das hellste Licht zu setzen. Die Situation gewinntleicht für die Eitelkeit des Untersuchenden etwas schmeichelhaftes. Er sagt sich, daßder Fehler der Schüler wirklich geringer war, als Wenn sie denselben Exceß gegen ihnselbst gerichtet hätten. Soll er sie nun dennoch gerade so anfahren, als ob die Sacheihn direct angienge? Es wird sogar offenbar das Rechtsgefühl des Schülers dadurchverletzt; die Liebe zu ihm, die Hochachtung kann vielleicht gar durch zu hartes Ein-greifen einen Stoß erleiden. So spricht die Schlange; die Sache wird zu leicht ge-nommen und das Unglück ist geschehen. Am schlimmsten steht es, Wenn der Directoreiner Anstalt in dieser Weise das Ansehen der ihm untergebenen Lehrer untergräbt.So nothwendig auch eine Beschwerdeinstanz für außergewöhnliche Fälle sein mag, sokrankt doch ganz gewiß eine Anstalt, an welcher die Schüler die Gewohnheit haben,sich über die strenge Behandlung durch einen Lehrer beim Director zu beschweren, aneineni sehr schlimmen Uebel. Bei den Soldaten, wo der Oppositionsgeist am gefähr-lichsten ist, gilt allgemein eine Beschwerde als ein höchst gewagtes Unternebmen. Sowenig man auch vom Standpunct christlicher Wahrheit aus die Maxime billigen kann,nach welcher fast immer dem Gemeinen ohne weiteres Unrecht gegeben, und ihm selbstdann, wenn sein Bericht Abhülfe veranlaßt, irgend ein Denkzettel angehängt wird, sosieht man doch klar, wie eine entgegengesetzte Abweichung vom Richtigen die Disciplingefährden würde. — An Schulen findet der Oppositionsgeist bekanntlich auch nicht