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Oppositionsgeist.
und begann ohne alle Einleitung in schnellstem Tempo zu interpretiren, zu exami-niren, zu dictircn, daß die Schüler kaum mit konnten und dabei über eine ihnen un-gewohnte Fülle von Gelehrsamkeit staunen mußten. Später sah er sich die Schülerruhig an, und von Oppositionsgeist war bei ihm niemals die Rede. Will ein Anfänger,der nicht nur an eine neue Schule kommt, sondern überhaupt noch nie unterrichtet hat,ähnliches leisten, so ist das in der Regel, selbst auf den niedersten Unterrichtsstufen,nur durch die ernsthafteste und allseitigste Präparation zu ermöglichen.Die Vorbereitung muß sich aber auch bis in die Aneignung pädagogischer Regeln,bis in die Aeußerlichkeiten hinein erstrecken. Wo z. B. von vorne herein Gefahr desOppositionsgeistes anzunehmen ist, darf der Anfänger, namentlich in großen Classen,keine Zeit damit verlieren, sich erst sämmtliche Namen der Schüler in ein Notizbuchzu schreiben und die einzelnen zu betrachten; er muß es verstehen, durch sichere Be-zeichnung nach Bänken und Plätzen, sofort jedem einzelnen, längst bevor er die Namenkennt, mit Fragen und Mahnungen beizukommen, damit jenes verführerische Sicher-heitsgefühl aufhört, welches der Schüler alsbald empfindet, wo er in der Masse zuverschwinden hofft. Auf seinen Spaziergängen und bei jeder Gelegenheit muß er sichdie einzelnen nach ihren Zügen und Eigenschaften vergegenwärtigen und Bank fürBank die Erinnerungen aus der Stunde im Geist durchnehmen. Dann erfolgt nachwenigen Tagen die Einprägung der Namen und damit die erste wichtige Handhabeder Disciplin mit Leichtigkeit und Sicherheit. Einem Lehrer gegenüber, der so plan-mäßig und sicher verfährt, hört der Oppositionsgeist in der Regel ganz von selbstans. Er verschwindet gleichsam vor dem bloßen Willen, keine Opposition zn dulden,wenn dieser sich durch stille Kraft und ohne herausforderndes Poltern geltend macht.
Schleiermachers theoretische Formel, nach welcher der Oppositionsgeist dadurchverhütet wird, daß die Leiter der Anstalten „sich selbst mit der Jugend alseins setzen," gewinnt ihre Bedeutung erst durch richtige Uebertragung ins Concrete.Der alte Rector Trotz endorf setzte sich mit der Jugend als eins durch Begründungdes Schülerstaates, dessen äivtator perzistnns er war; die Jesuiten durch Eingehenauf die Neigungen des natürlichen Menschen mit listiger und allmählicher Anfachungjenes Fanatismus gegen die Ketzer, von dem ihr Werk getragen war. A. H. Franckefand sich erst durch das unverhoffte „Capital" von 14 Thalern und 16 Groschen,mit dem er seine Armenschnle stiftete, ans die große Bahn seiner pädagogischenSchöpfungen berufen. Die Kinder und die Armen hatten ihn gelehrt, was zu thunsei. „Herr schaffe mir Kinder," betete er, „gebier sie mir, wie den Than ans der Morgen-röthe und mache ihre Zahl wie der Sterne am Himmel." Es ist mehr als pietistischePhrase, wenn ein solcher Mann den Ansspruch thnt: „Ich bin in allen meinen Sa-chen immer passive gegangen, habe still gesessen und nicht einen Schritt weiter gethan,als ich den Finger Gottes vor mir hatte. Dem bin ich gefolgt und habe dann alsein Knecht es ohne Mühe zn Stande gebracht, weil der Herr alles that." A. H. Franckewar also von vorn herein mit seinen Schülern eins, er brauchte sich nicht mehr mitder Jugend als eins zn „setzen." Ganz dasselbe muß man aber, trotz der verschiedenenRichtung ihrer Thätigkeit von einem Theile der Philanthropisten sagen. Base-dow hätte mit seiner unruhigen Eitelkeit, mit dem Hervordrängcn seiner Person, undder Sucht, um jeden Preis etwas ganz neues zu machen, auf die Dauer gewiß einengeregelten Lehrerberuf nicht durchführen können, ohne auf einen Oppositionsgeist zustoßen,der dann bei seiner leidenschaftlichen, ungezügelten Natur hätte ganz verderblich werdenniüßen. Gegen Männer, wie Salzmann und GntsMnths, aber kann man sich dasAuskommen des Oppositionsgeistes gar nicht denken. Wo in solchem Grade, wie bei diesenMännern die ganze Thätigkeit auf Liebe zur Jugend und Freude an ihrem Werdenund Wesen begründet ist, und wo die veredelte Menschennatnr das Ziel der Berufs-thätigkeit und zugleich der Mittelpnnct im Dichten und Trachten der Persönlichkeit ist,da kann kein eigentlicher Oppositionsgeist unter den Zöglingen aufkommen. Den