Oppositionsgeist.
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Im übrigen versteht es sich Wohl von selbst, daß die Besserung solcher Individueneiner öffentlichen Schule nicht obliegen kann, und daß in schlimmeren Fällen diebaldmöglichste Entfernung derselben durch die Rücksicht auf das Wohl der ganzen An-stalt geboten ist. Wo talentvolle Feuerköpfe nicht durch Verführungskünste, sonderndurch das natürliche Gewicht ihres Einflusses auf die Schwächeren, zu Anstiftern eineroppositionellen Haltung werden, da ist nm so dringendere Veranlassung vorhanden, dasfür die erste Form des Oppositionsgeistes angegebene Verhalten zu wählen. Wirddoch durch eine solche vertraute Besprechung im Grunde nur etwas nachgeholt, wasder Begriff der Erziehung schon fordert: die Herstellung einer engeren gemüthlichenund sittlichen Beziehung zwischen Lehrer und Schüler.
Wo diese Beziehung fehlt, und die Schule lediglich auf den Mechanismus äußer-licher Pflichterfüllung gebaut ist, da wird denn auch der schlimme Uebelstand eines ittder Gemeinschaft der Schüler wurzelnden Oppositionsgeistes am leichtesten Bodengewinnen. Schleiermacher setzt diese Erscheinung dem C orp o ratio n sg ei st ent-gegen und faßt sie, gleich diesem, als Ausartung des Gemeingeistes auf. (Er-ziehuugsl. S. 540). Eine tiefe Wahrheit enthält die auf diese beiden Ausartungenbezügliche Bemerkung: „Je mehr die Leiter der Anstalten sich selbst mit der Jugend
als eins setzen, desto mehr wird der Oppositionsgeist innerhalb der Anstalt selbst ver-hütet; je weniger die Leiter der Anstalten sich selbst als in Opposition gegen die an-deren Bildnngskreise stehend zeigen, desto weniger kann ein Corporationsgeist sich ent-wickeln." Auch Palmer (S. 528) betrachtet, im Anschluß an einen Aufsatz Scheibertsüber das Schulleben (Wagners Revue 1849 April- und Maiheft S. 245) den Oppo-sitionsgeist als eine Ausartung des Gemeingeistes, und zwar als eine solche, die ge-rade dann entsteht, wenn der Lehrer es versäumt, den rechten Gemeingeist, welcherdas Erziehungswerk unterstützt, zu erwecken. Man kann nur beistimmen, wenn dieErzeugung eines positiven, von sittlicher Kraft getragenen Geineingeistes als festesterDamm gegen oppositionelle Stürme betrachtet wird; allein damit ist für die Aetiologiedes Oppositionsgeistes doch nur ein negativer Satz gewonnen. Die logische Unterord-nung unter den Gemeingeist gibt uns noch nicht viel Einblick in die Natur des rät-selhaften Hebels; denn es läßt sich in der Erfahrung bemerken, daß ein lebhaftererGemeiugeist in Schulen und Alumnaten oft von seiner ersten Entstehung an oppositionellist, während er in andern Fällen auf eine scheinbare geringfügige Ursache hin eineoppositionelle Wendung nimmt. Bei dem großen Einfluß der Persönlichkeit in derErziehung wird man freilich behaupten können, daß einem Manne, wie der RectorPlanck, der Director Jakob (s. die trefflich gewählten. Beispiele bei Palmer a. a. O.) dergesunde Gemeingeist niemals Umschlagen und sich in Opposition gegen den so hochgeachteten Lehrer verwandeln konnte. Niemand wird aber leugnen können, baß ge-rade in solchen Classen für einen schwächeren Nachfolger und oft sogar für einen gleich-zeitig wirkenden Fachlehrer die Gefahr des Oppositionsgeistes oft schlimmer ist, alsin Classen, wo kein besonderer Gemeingeist entwickelt war. Der Schüler besitzt seineMoral nicht in der kleinen Münze moralischer Grundsätze und Maximen; er faßtalles persönlich. Schon die bloße zufällige Abweichung von dem Verfahren eines con-sequenten und durchgreifenden Classenlehrers, die etwa ein Stellvertreter in Krankheits-fällen begeht, erzeugt sofort gelinde Regungen der Opposition; wie viel mehr wirddies der Fall sein, wenn der Stellvertreter oder Nachfolger sich irgend welche Blößengiebt! Da nun thatsächlich doch stärkere Lehrer mit schwächeren wechseln müßenund auch der Stümper nicht immer beseitigt, der Anfänger nicht zurückgehalten werdenkann, bis er Meister ist, so läßt sich auch schwer n priori bestimmen, ob die Pflegedes Gemeingeistes die Gefahr des Uebels, das wir behandeln, im allgemeinen mehrtoder mindert. Dagegen ist denn auch einznräumen, daß diese Frage einen praktischenEinfluß kaum haben darf. Die Pflege eines echt sittlichen Gemeingeistes ist etwas soentschieden gutes, daß man keinem Lehrer zumuthen darf, sie zu unterlassen, um die