Oppositionsgeist.
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Onanie, s. Geschlechtliche Verirrungen.
Oppositionsgeist. Es handelt sich an dieser Stelle weniger um eine erschöpfendeDarstellung alles dessen, was man mit Rücksicht auf die Erziehung der Jugend alsOppositionsgeist bezeichnen könnte, als vielmehr um eine gründliche Erörterung einerbestimmten hieher gehörigen Erscheinung, die man als eine der schlimmsten Krankheitendes Schullebens bezeichnen darf. Der Oppositionsgeist als Eigenschaft einer Ge-meinschaft von Zöglingen in seiner Richtung gegen die erziehende Anctorität ist es,was wir scharf ins Auge fassen müssen; doch ist auch den Regungen der Oppositionim Gemüth des Einzelnen zuvor ein Blick znzuwenden. Hier wollen wir drei ver-schiedene Formen hervorheben. Die erste ist die, welche das aufstrebende Kraftgefühlder Jugend in Verbindung niit dem frühzeitigen Keimen eigenartigen Dichtens undTrachtens gerade in edleren Naturen häufig hervorbringt. Der Knabe oder Jüngling, dersich gern seinen eigenen Gedanken überläßt, der sich frühzeitig ganz im Stillen mancheseigne Urtheil bildet oder wenigstens den Naturtrieb in sich fühlt, sich m originellerWeise zn entwickeln, wird durch jeden Eingriff der Erziehung unangenehm berührt,und dann hängt es wesentlich von seinem Temperament ab, ob die Reaction gegendiesen Eingriff mehr zu scheuer Verschlossenheit oder zu oppositionellem Auffahren führt.Eine für den Lehrer besonders fatale Mischung von beidem ist die oppositionelle Mien e,vie gegen eine Ermahnung oder auch gegen den Lehrvortrag gerichtet ist, und dannmeist ein stummes Zeugnis dissentirender Weisheit bedeuten soll. Sie kommt inoberen Gymnasialclassen bei wissenschaftlich tüchtigen Schülern nicht selten vor undwird von minder erfahrenen Lehrern häufig falsch gedeutet und falsch behandelt. Alsbewußte Unart gehört eine solche Miene zn den schlimmsten Symptomen, die cs gebenkann, und es ist daher leicht begreiflich, wenn namentlich jüngere Lehrer sich dadurch sobeleidigt fühlen, daß sie sofort ans den Schuldigen losstürmen. Der Fall ist danndoppelt schlimm, wenn sich zn einer bereits vorhandenen oppositionellen Stimmungdas jedem Pädagogen bekannte zweideutige Unschuldsgefühl gesellt, welches die schlimm-sten Conflicte hervorznrnfen pflegt. Ein neuer Lehrer, der seine Schüler noch nichtdurch und durch kennt, kann nicht wissen, ob er eine bewußte cder unbewußte Regungvor sich hat, ob dem Verhalten des Schülers eine schonnngswerthe Eigenartigkeit zuGrunde liegt oder schlimme Frivolität. Auf Menschenkenntnis im allgemeinen sollsich niemand verlassen; selbst die genaue und bewährte Bekanntschaft mit dem Cha-rakter der Schüler kann trügen. Der sorgsame Erzieher hat aber für alle solche Fälleein Universalmittel, das, wenn er es im richtigen Geiste anwendet, wohl nie ver-sagen wird. Es ist die vertrante Besprechung. Zunächst liegt schon in derbloßen Aufforderung des Schülers zn einem Besuch in der Wohnung des Lehrersunter allen Umständen eine gewisse Remednr. Sodann aber wird sich, sei es bei derAnkündigung in der Elaste, sei es bei der Unterredung selbst, der Unterschied zwischentrotzigem Widerspruchsgeist und Regungen besseren Ursprungs schon Herausstellen.Endlich ist nichts so geeignet, das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer ins klarezn setzen, das Gesunde zu fördern, das Krankhafte an den Tag zu bringen und zuheilen, als eine ruhige, liebevolle Znsprache unter vier Augen. Dies Mittel ist gleich-zeitig für den guten Sinn schonender, aber anck für den bösen Sinn demüthigender,als eine Schnlstrafe. Findet der Lehrer, daß der Scküler wirklich über einen Gegen-stand der Disciplin oder des Unterrichts „verschiedener Ansicht" war, so muß demSchüler allervings der Standpnnet klar gemacht werden. Es ist dabei aber weit wich-tiger, ihn auf die Unreife seines Urtheils im allgemeinen hinzuweisen, vor Eitelkeitund Ueberhebung zu warnen und die Pflicht der Ehrfurcht zum Bewußtsein zu bringen,als ihn in Beziehung ans den speciell vorliegenden Pnnct des Jrrthnms zu überführen.— Wenn der Schüler in der Elaste selbst ausbranst, so gebührt ihm natürlich aucheine den Umständen entsprechende sofortige Zurechtweisung. Im übrigen aber wirddie Behandlung dieselbe sein, wobei wir noch bemerken dürfen, daß hartnäckige und