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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Oesterreich.

Auch die Zahl der tüchtigen Lehrkräfte nahm rasch zu, und, um nur bereitsVerstorbener zu gedenken, zählten die Normalschuldirectoren F. Schuberts und I.Strehl, die Lehrerbildner F. Hermanns und V. Splawinski zu den

vorzüglichsten Schulmännern der Gegenwart. Eine Schulliteratur mit Theilnahme vonLehrern und Leitern der Volksschule entstand, die Lehrerversammlungen trugen ihreFrüchte, Schulbibliotheken bildeten sich und wurden eifrig benützt. Die innere Seite desSchulunterrichts gestaltete sich immer erfreulicher, und hierdurch gewannen auch wiederdie Schulen an Achtung und Anerkennung bei dem Volke.

Der 20. Oct. 1860 brachte die Auflösung des Unterrichtsministeriums,dessen Agenden dem neu geschaffenen Staatsministerium zugewiesen wurden. Schonnach wenigen Wochen (13. Dec. 1860) trat aber an die Spitze desselben Ritter vonSchmerling/) welcher als einen der Grundsätze seiner Verwaltung Bacons alten Spruchproclamirte „Wissenschaft ist Macht" und an demselben treu festzuhalten bemüht war.

Während ihn der erste Aufbau des Verfassungswerkes ganz in Anspruch nahm,zog als eine Art Rechenschaftslegung über den Zustand des österreichischen Schulwesensim allgemeinen und des Volksschulwesens insbesondere die großartige Ausstellung

verzeichnet werden. Auch die persönliche Theilnahme der Chefs der politischen Landesbehörden fürdie Volksschule gehört hieher, und sind in dieser Rücksicht namentlich Erzherzog Karl Ludwig,die Grafen Chorinsky und Rothkirch, die Freiherr» Bach, Emmiuger, Kalchberg,Keklersperg u. a. zu nennen.

0 Ferdinand Schubert, Sohn eines Lehrers, Bruder des berühmten Componisten, starbnach fünfzigjähriger Wirksamkeit im Lehramte als Director der Wiener Normalhauptschnle zuSt. Anna am 26. Febr. 1859.

2) Johann Strehl, Schuberts Nachfolger in der Direktion, starb schon am 28. Nov. 1862;als Lehrer und Schriftsteller hat er auf die Hebung des elementaren Rechnungsunterrichts inOesterreich einen maßgebenden Einfluß geübt, wie kein Zweiter, die Gediegenheit seiner Rech-nungsbücher ist von allen Schulmännern längst anerkannt.

2) Franz Hermann verschaffte der Prager Lehrerbildungsanstalt jenen Ruf, welcher Zög-linge bis aus dem fernsten Osten her, wie einst zu Felbiger und Kindermann, versammelte.Seine Methodeubiicher (von der Behandlung der Fibel beginnend und bis zur Bürgerschuleaufsteigeud) erwarben ihm einen ehrenvollen Platz in der Geschichte der Pädagogik (f 13.Dec. 1862).

^) Vincenz Splawinski war die Seele der Krakauer Präparandenschule für Lehrerinnen,und nahm aus die in Klöstern untergebrachten Mädchenschulen der westgalizischen Hauptstadt denwohlthätigsten Einfluß (j- 11. Dec. 1859).

In Dalmatien fand die erste Lehrerconferenz im Oct. 1855, in Galizien erst 1856 statt,in der Bukowina, im lombardisch-venetianischen Königreiche und in der Militärgrenze fehlen sienoch so gut als ganz; in den andern Ländern wurden sie desto eifriger betrieben, so daß durch-schnittlich in jedem Schulbezirke zweimal im Jahre eine solche Versammlung statt findet. —Die böhmischen Schnlbibliotheken wuchsen innerhalb eines Jahrzehnts von 644 mit 95,000 Bän-den ans 900 mit 153,442 Bänden an. In Böhmen, Mähren und Schlesien war auch die Be-theiligung des Lehrstandes an der Landwirthschaft eine besonders lebhafte, die Zahl der Obst-gärten bei Schulen wuchs innerhalb eines Septenniums von 849 mit 60,000 auf 1,800 mit170,000 veredelten Bäumchen heran. In Schlesien nahm überdies die Bienenzucht einen raschenAufschwung, indem daselbst im I. 1860 bereits 80 Schulen mit derselben sich beschäftigten undnahe an 500 Bienenstöcke besaßen.

Anton Ritter von Schmerling, welcher sich anfänglich dem judicielleu Staatsdienstewidmete, stand im 43. Lebensjahre, als ihn die österreichische Regierung im März 1848 zum Ver-trauensmann für die Berathungen der Reichsverfassung ernannte. Seine Thätigkeit als Reichs-minister des Innern (15. Juli bis 15. Dec. 1848) und als Bevollmächtigter Oesterreichs bei derCentralgewalt (April 1849), sodann aber als Justizminister des Kaiserstaats ist bekannt. Seitseinem Ausscheiden ans dem Ministerium Schwarzenberg (1851) kehrte er zur judicielleu Lauf-bahn zurück, zu deren Spitzen er fast ein Decennium lang gehörte.