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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Oesterreich.

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Auch die Benützung der Landessprachen fand in der Volksschule, zufolge desErstarkens der nichtdeutschen Nationalitäten, allmählich verbreitetere Aufnahme, indembis zum Jahre 1847 neben 5910 reindentschen Schulen 2821 czechische, 491 polnische,471 rnth^nische, 459 polnisch-rnthenische, 64 slovenische und 58 serbische bestanden,die italiänische Sprache im lombardisch-venetianischen Königreiche, in Südtirol und invielen größeren Städten des Küstenlandes und Dalmatiens allein in den Schulen ge-braucht wurde, und überdies in 1200 Schulen die deutsche Sprache, in 168 die italiänischeSprache neben einer Landessprache in Uebung stand. Noch war aber jedenfalls dieAnwendung der deutschen Unterrichtssprache in manchen Landestheilen, ja selbst jeneder polnischen vor der ruthenischcn in Galizien, allzu sehr bevorzugt.')

Die strenge Regelung des gcsammten Volksschnlwesens durch das Schulgesetz hattegewiß ihre anerkennenswerthen Vorzüge; aber dasselbe hatte doch nur den Grund zurVolksbildung gelegt, und erst im Fortbau auf jener Grundlage konnte es dem österreichi-schen Schulwesen den inneren Gehalt verschaffen, welcher die Formen entsprechend aus-zufüllen vermochte. Und hier setzte die Stabilität des Schulgesetzes dem nothwendigenFortschritte mindestens in der Praxis eine fast unübcrschreitbare Schranke.

Das dürftige Maß von Kenntnissen, welches in einer Trivialschule er-langt werden konnte, reichte nicht mehr aus, seit Oesterreich dem immer lebhafterWerdenden materiellen und geistigen Verkehre mit vorgeschritteneren Ländern sich immerWeniger entziehen konnte, und der größere Umfang der Gegenstände, in welchen dieHauptschule unterrichtete, wurde durch den Mangel an einem festgegliederten Lehrplaneund an harmonischem Zusammenwirken der Lehrenden mehr als paralysirt. Einenweiteren Hemmschuh bildete das Festhalten an den einmal sanctionirten, weder metho-disch eingerichteten noch stufenweise fortschreitenden Schulbüchern, welche fast wört-lich unverändert durch Dccennien beibehalten wurden, während die Schulliteratur ebenWährend dieses Zeitraums in dem nächstverwandten Deutschland ungeheure Fortschrittemachte. Der Anschauungsunterricht war so gut als gar nicht gekannt.

Hierzu trat endlich die vernachlässigte Lehrerbildung. Das Studium der Pä-dagogik und Methodik mußte in dem halbjährigen Präparandencurse hinter der drin-gendsten Vervollkommnung des geringen Wissens aus den eigentlichen Unterrichtsfächernnoch Zurückbleiben und hieraus der größte Nachtheil für das gesammte Unterrichts-und Erziehungswesen hervorgehen. Die Art der Lehreranstellung, welche nicht seltenauf Befähigung zum Schuldienste erst in zweiter Linie Rücksicht nahm, und der kläg-liche Gehalt, womit die Thätigkeit im Schuldienste belohnt wurde, wirkten mit jenerVernachläßigung zusammen, dem Lehrerstande auch die für ein fruchtbringendes Wirkenunerläßliche äußere Achtung zu entziehen. Es schien fast, als ob der geringe Betragdes Schulgelds durch die sprichwörtlich gewordene Geschenkannahme von Seite derLehrer ausgeglichen werden sollte.

Aus allen diesen Momenten gieng nur zu häufig ein drückender Schul- undLehrmechanismus hervor, welcher jedem unbefangenen Beobachter bald so sehr indas Auge siel, daß die Meinung von dem Zustande der österreichischen Volksschulennoch ungünstiger wurde, als sie zu sein verdiente.")

*) In nicht wenigen Schulen der Bukowina wurde den romanischen Kindern das Lesenaus einem deutschen Schulbuche mit Hülfe der polnischen Sprache beigebracht.

Wenn man in die massenhafte Broschürenliteratur der Jahre 1840 1847 einen Blickwirft, so findet man darin mit besonderer Vorliebe dieses Capitel behandelt, aber meist nochviel dunkler ausgemalt, als es ohnehin bei der eingetretenen Stagnation aller öffentlichen Verhält-nisse sich gestaltet hatte. Wie viel Grund zu gerechten Klagen vorhanden war, dafür nur ein Beispiel:Wien besaß im I. 1847 nebst 5 Hauptschulen nur 12 dreiclassige und 52 zweiclassige Tri-vialschnlen, ferner 3 gesonderte Mädchenschulen. Kaum die Hälfte der 64 Trivialschnlen hatteein eigenes Schulhaus auszuweisen; der Nest war in gemietheten Localitäten untergebracht, von