Oesterreich.
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Ziemlich rasch wurden Schulcommissionen und Normalschulen für alle deutsch-slavischen Provinzen in das Leben gerufen und mit großer Energie die Begründungder Schulfonds, sowie die Bearbeitung der neuen Schulbücher in Angriff genommen.Die persönliche Theilnahme der Kaiserin an Felbigers Wirken leistete dem kräftigenFortgange der Schulverbesserung mächtigen Vorschub.
Um die mancherlei Borurtheilc gegen die Schulverbesserung nicht durch pecuniäreAnforderungen zu mehren, verzichtete man auf Sammlungen oder Steuern zu Gunstender Schulen und war jeder Erhöhung des Schulgeldes abgeneigt; man begnügte sichmit einer Verlassenschaftstaxe und einer Abgabe von Bällen, Schauspielen u. dgl., drängtedie ständischen Korporationen und den Klerus zu Beiträgen, zog die Jntercalareinkünftegeistlicher Beneficien und ein Drittheil der Ueberschüsse des Bruderschaftsvermögensein, und nahm fast überall den Jesuitenfond in Anspruch, um die Lücken der Schul-fonds zu ergänzen.
Für die Errichtung der Hauptschulen gab die Aufhebung vieler Gymnasien Raum,Mittel und Lehrkräfte; mitunter wurden auch die Klöster dazu vermocht, den Unterrichtin den höhern Hauptschnlclassen auf sich zu nehmen, so daß schon im I. 1776Niederösterreich 9, Oberösterreich 5, Kärnten 1, Tirol 5 Hauptschulen besaß.Normalmäßig eingerichtete Mädchenschulen entstanden hauptsächlich bei den Klösternder Ursulinerinnen, regulirten Canonissinnen u. s. w., zu Hall eine mit weltlichen Leh-rerinnen. Auch die erste israelitische Schule trat zu Görz noch im selben Jahre in dasLeben. In Errichtung normalmäßiger Trivialschulen gieng die Kaiserin auf ihren Pa-trimonial- und Cameralherrschaften vorauf, und ihrem Beispiele folgten viele Kirchen-fürsten und Großgrundbesitzer b), mehrere Städte und selbst Landgemeinden, zumal dort,wo die Geistlichkeit sich mit regem Eifer der Sache annahm. Vorzüglich in Böhmen,für dessen gesammtes Volksschulwesen Kindermann als Oberaufseher rastlos thätigwar, sah man schon im I. 1777 mehr als 500 Trivialschulen theils neu errichtet,theils zu normalmäßigen umgestaltet (s. d. Art. Kindermann). In Böhmen wurdeauch zuerst die Verbindung der Volksschule mit der Industrieschule durchgeführt; indemKindermann auf Vollständigkeit und systematische Vollkommenheit verzichtete, nur dasEinfachste, unmittelbar Praktische, keine weiteren Kosten Erfordernde ergriff und jedenZwang vermied, erfreute er sich bald der allgemeinen Theilnahme, namentlich für denUnterricht im Spinnen von Flachs und Baumwolle, im Stricken u. dgl., und sah diemächtigste Rückwirkung auf den gesummten Volkscharakter, vorzüglich der deutschenTheile Böhmens, in unglaublich kurzer Zeit sich geltend machen^).
Felbiger machte der bisherigen Tabellisirungswuth ein Ende und unterzog sichselbst der mühevollen Aufgabe, eine mehr oder minder eingehende Umarbeitung derschlesischen Schulbücher für die österreichischen Schulen vorzunehmen oder zu besorgen.Nachdem die Bücher für den Religionsunterricht durch eine vielverzweigte Verhandlung
9 Die Eröffnung derselben wurde fast überall als der Anfang einer neuen Aera für dieallgemeinen Schul- und Bildungsaustalten gefeiert. Unter den Directoren fanden sich Männermit Universitätsbildung, z. B. Kumerdai in Laibach, Mehoffer in Brünn. Opferwilligkeitder Gemeinden oder einzelner half über manche Hemmnisse hinweg.
Im Salzkammergute, wo 1777 nur 24 Percente der schulfähigen Kinder die Schulebesuchten, wuchs die Zahl bis 1778 schon auf 66 Percente. In Böhmen wirkte Kindermannmit Unterstützung des Domainendirectors R. v. Raab Außerordentliches, und nahm hierzuauch ein Drittheil der Ueberschüsse aller Patronatskirchen in Anspruch.
°) Am meisten leuchteten voran: Cardinalerzbischof Migazzi in Wien, Graf EmanuelTorres im Küstenlande, der Prager Fürsterzbischof Graf Pvichowsky, Fürst Fürstenberg,die Grafen Clam-Gallas, Taaffe und Desfonrs in Böhmen, der Olmützer Fürst-bischof Graf Hamilton und Graf Harrach in Mähren u. a. m.
I Kindermanns Priorität vor Sextroh und Campe wurde sehr umständlich in dem Auf-sätze „Industrieschulen in Böhmen" in Schlötzers Staatsanzeigen, X. Bd. S. 47b ff. dargethan.