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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Oekonomische Arbeiten.

ihn eintreten, oder auch, während der Familienvater in der Werkstätte arbeitet, dieFeldgeschäfte, das Vieh u. dgl. besorgen, so daß ihr für das Innere des Hauswesens,besonders für die zarteren Geschäfte desselben keine Zeit bleibt. Sie wird ihrem na-türlichen Wirkungskreise inmitten der Familie und der Erziehung der Kinder mehroder weniger entzogen. Sie und mit ihr die Kinder, sobald ihre Kräfte zureichen,werden zur Arbeit für das tägliche Brod, für den augenblicklichen Verdienst verwendet.Das Familienleben wird hier in die Werkstätte, den Fabriksaal verlegt und Mutter undKinder werden Räder am Gewerbsgetriebe. Es wird zwar gearbeitet, oft mit Ueber-bietnng der Kräfte, aber zum geringsten Theile in den vielerlei Dingen, die zu einemgeordneten, reinlichen Hauswesen unentbehrlich sind und den Kindern zur Vorbereitungauf ihren späteren häuslichen Beruf dienen müßten. Was die Aufgabe der Haus-mutter wäre, geschieht nicht oder ganz ungenügend, oder wird an eine fremde Personund oft genug an die Kinder allein gehängt, was alles vom Nebel ist. Solche Kinder,die den Reiz des stillen Zusammenlebens mit der Mutter, der geregelten Geschäftigkeitin der Familie nicht kennen lernen, vielmehr frühe schon zum Geldverdienen angehaltenwerden, entgehen selten der Gefahr, in die Stricke des Mammons zu gerathen, bald denganzen oder theilweisen Verdienst als ihr Eigenthum anzusprechen, vom vierten Gebotsich zu emancipiren, geizig und hart gegen Vater und Mutter zu werden und den er-haltenen Lohn in Hoffart und Genußsucht zu vergeuden. Es ist für das Hauswesenund die Kindererziehung von unberechenbarem Schaden, wenn die Hausmutter vomCentrum des häuslichen Waltens verdrängt wird.

Das Nichtige wird im allgemeinen getroffen im gesunden Mittelstand, in denFamilien des begüterten Bauern und Gewerbsmannes, und der sogenannten gebildetenStände. Hier stehen die Eltern frei genug, um nach allen Seiten für ihre Kinder,das Liebste was sie haben, zu sorgen. Hier besteht zwischen der geistigen und sittlichenAusbildung der Kinder und der Uebung in häuslichen Arbeiten das rechte Verhältnis.Die Mutter ist die Seele des Hauses und an ihrer Hand lernen die Kleinen so früheals thunlich vom Spiel zur Arbeit, von unvollkommenen Versuchen zur regelrechtenBesorgung von tausend Kleinigkeiten überzugehcn, von den leichteren zu schwereren Ge-schäften fortzuschreiten und so nach und nach die verschiedenen Seiten der häuslichenThätigkeit anzufassen. In der Behandlung der Dinge gewinnt das Kind nicht nurGeschick und Fertigkeit, sondern es übt sich im richtigen Anschauen und Benrtheilen derVerhältnisse, gewöhnt sich an sorgfältige Aufmerksamkeit und Pünktlichkeit, übt denSinn für Ordnung und Reinlichkeit und schärft seinen Verstand. Auf diesem Wegewird seiner nicht zu befriedigenden Wissbegierde über die verschiedensten Dinge und ihreBeschaffenheit ohne Mühe Genüge gethan. Es lernt die Dinge des Hauses, die Er-zeugnisse der Natur, die Getreidearten, Feld- und Gartengewächse, das Pflanzen-und Thierleben kennen, wie Mehl, Brod, Milch, Fleisch, Gemüse; Hanf, Flachs,Baumwolle und die Garne und Stoffe aus denselben; die mancherlei Werkzeuge, dieman dabei braucht; die Tauglichkeit oder Untauglichkeit der Sachen; das Gewicht, dieMaße, die Preise, die Geldsorten u. s. w. Daß eine solche Lebensweise nicht in allenFamilien der Mittelstände Sitte ist und die Kinder nicht überall geflissentlich und syste-matisch zu häuslichen Geschäften angehalten werden, ist begreiflich. Eine Ausnahme,die oft für gut angesehen wird und doch tadelnswerth ist, findet sich da, wo die ge-schäftige und überpünctliche Mutter wähnt, alles selber und am besten besorgen zu

*) Ein Fabrikbesitzer in den Vogesen warnt in seinen Sendbriefen (ans dem Französischen,Ltrassbour^, l.svrrnilt, 1838), daß man ja nicht eine häusliche in eine Werkstattindnstrie ver-wandle, weil die häusliche Industrie den Vortheil habe, daß das häusliche Leben nicht darunterleide, Entwicklung des Familienlebens aber eine der größten Wohlthaten des Christenthnms sei:der Spinnrocken ist der Ernährer der Hütten, reich an moralischem und materiellem Segen."