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Niethammer.
fahrnng eines halben Jahrhunderts nicht in Abrede stellen, daß dieser Schnlplan vor-trefflich war nnd die bayerischen Mittelschulen, die Gymnasien sowohl als die technischenAnstalten auf einen hohen Stand gehoben haben würde, wenn er eine entsprechendeDurchführung gefunden hätte.
Allein dazu hätte es der allmählichen Heranbildung eines tüchtigen Lehrstandesund des fortdauernden Wohlwollens von Seiten der Staatsregierung und selbst derNation bedurft und in dieser doppelten Hinsicht blieb viel zu wünschen übrig. Fürden ersten Zweck geschah wenig; denn was Jacobs und nach dessen Abgang Thierschin München thaten, ward von der Regierung nicht gefördert und die Bemühungendieser edlen Männer hatten mit großen Hindernissen zu kämpfen; an den Universitätenaber lag das philologische Studium ziemlich brach. So fehlte es allenthalben an tüch-tigen Lehrern, besonders für die Fächer, welche der N.'sche Lehrplan in die Zahl derLehrgegenstände erst ausgenommen hatte, für Mathematik und die philosophischen Bor-bereitnngswissenschaften. Daß N. bei der Einreihung der letzteren unter die Unter-richtsmittel zwar keinen Misgriff gethan habe, bewiesen die glücklichen Fortschritte, dieHegel in Nürnberg, I. M. Klein in Regensburg zu erzielen wußten; aber an denmeisten andern Anstalten war dieser Gegenstand in den Händen unfähiger Lehrer. DieRegierung, damals beinahe ausschließlich von dem Minister Montgelas geführt, fiengdurch die fortwährenden Kriege sehr in Anspruch genommen an, ihre Aufmerksamkeitvon dem Gebiete der Erziehung abznwenden, so daß man an den Universitäten diewichtigsten Lehrstühle Jahre lang unbesetzt ließ, die gelehrten Schulen des Landes aufdie Hälfte reducirte und selbst die zweite Stadt des Königreichs, Nürnberg, einesGymnasiums berauben wollte. Dazu kamen noch die maßlosen Angriffe, welche diealtbayerische Partei auf die sogenannten Norddeutschen, d. h. die ans dem Auslandeberufenen protestantischen Gelehrten richtete, vielleicht gereizt durch geringschätzigeUrtheile einzelner derselben über bayerische Culturzustände. Man kennt aus Jacobs„Personalien" die Waffen, mit denen diese Partei focht, wie sie vor keiner Verleum-dung znrückschente, ihre Gegner wegen ihrer deutschen Gesinnung und ihres Einflussesauf den Kronprinzen selbst bei Napoleon dennncirte, nnd als ihr nichts gelang, dieJugend bis zum Fanatismus des Meuchelmords zu entflammen suchte. Auch N., ob-gleich ein Schwabe, wurde zu den Norddeutschen gerechnet; doch ist nicht bekannt, daßer ein Gegenstand besonderer feindlicher Angriffe gewesen ist. Dagegen hatte er inseinem Collegium selbst mit Wißmair, dem Vertreter ves realistischen Princips, so hef-tige Kämpfe und fand in ihm einen so beharrlichen Gegner, daß N. im I. 1810 demMinister Montgelas die Alternative stellte, entweder ihn unter Verleihung einer Pfarreiaus dem Oberstudienrathe zu entfernen oder seinen Gegner; auf dies hin wurde Wiß-mair in den katholischen Oberkirchenrath versetzt.
Gleichwohl gelang cs im I. 1816 den vielen Gegnern N.'s, zu welchen sich auchder verdienstvolle Director des Lyceums nnd Gymnasiums in München Cajetan Weillergesellte, die Regierung zum Erlaß eines neuen Schnlplanes zu vermögen, der sich ihrdurch Sparsamkeit empfahl. Die Realinstitnte wurden ganz aufgehoben, die Real-schulen in höhere Bürgerschulen verwandelt, die ihre Schüler in Zukunft ans der deut-schen Schule erhalten sollten, die philosophischen Vorbereitungswissenschaften aus derZahl der Lehrgegenstände am Gymnasium gestrichen, der Unterricht in der Mathematikvon vier Stunden wöchentlich auf eine Stunde reducirt und dem Classenlehrer anf-gebürdet, mochte dieser auch ein völliger Idiot in dieser Wissenschaft sein; nur für daserste halbe Jahr sollte eine Aushülfe durch einen andern Lehrer gestattet sein; auch denReligionsunterricht mußte in der Regel der Classenlehrer ertheilen, dem Deutschen wurdeauf Kosten des Lateinischen und Griechischen eine größere Stundenzahl zugewiesen, unddie Zahl der Hausaufgaben ward vermehrt. So mußte N. seinen mit solcher Umsichtansgearbeiteten Lehrplan beseitigt sehen, hatte aber auch die Genugthuung, daß einerder verdientesten Rectoren des Landes seinen Bericht über die neuen Anordnungen mit