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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Niethammer.

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der Philanthropinismus den Keim des Verderbens in sich, weil er die geistige Naturdes Menschen ignorire. Dabei habe derselbe das Streben, den Unterrichtsstoff ausdem Bereiche dessen zu nehmen, was der zu Erziehende einmal im Leben brauche, weilman behaupte, daß er sonst keine Zeit habe, sich dieses anzueignen, während doch dieErfahrung beweise, daß der geistig Gebildete mit Leichtigkeit sich die in seinem Berufenothwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten erwerbe. Weil sich nun aber nicht voraus-sehen lasse, welchen Beruf der Zögling einmal ergreifen, was zu wissen ihm also noth-wcndig sein werde, so suche der Philanthropinismus den Kreis der Unterrichtsgegen-stände möglichst zu erweitern und führe dadurch zu einem encyklopädischen Wissen, vondem das bekannte in omuibus aliguick, in toto nilrii gelte. Der Humanismus sträubesich auch nicht gegen die Aufnahme neuer seinem Zwecke förderlicher Unterrichtsgegen-stände, aber er mäße stets seinen Etat berechnen und könne die Einheit seiner Erziehungs-weise nie unklaren Forderungen zum Opfer bringen. Indem min Niethammer dieGrundsätze beider Systeme einander gegcnüberstellt, zeigt er, wie cS dem Humanismusum Entwicklung der Vernunft, dem Philanthrvpinismns um Erwerbung von Fertigkeitenzu thnn sei, und daß selbst der Vorwurf, der jenem so häufig gemacht werde, dasWort zu überschätzen und zur bloßen Wortgelehrsamkeit zu führen, ihm zur Ehre ge-reiche, denn mit dem Worte werden zugleich Ideen überliefert und Mittheilung vonIdeen sei das vornehmste Bildnngsmittel der Vernunft. Der Zweck des wahren Er-ziehungsunterrichtes sei ausschließend Menschenbildung, diese aber bestehe einerseits inder Vernunftbildung, die allen Menschen zu Thcil werden müße, andererseits in derBildung für das Ideal der Menschheit, in höherer Menschenbildung, die man mitRecht mit dem NamenHumanitätsbildnng" bezeichne. Für diese seien die Gymnasienbestimmt, Anstalten für freie Bildung, die zur bloßen Vorbereitung für einen bestimmtenBeruf zu verwenden ein Verbrechen an der Menschheit sei. Freilich können bei dergroßen Verschiedenheit der Individualitäten die Unterrichtsgegenstände, durch welchediese freie Menschenbildung erreicht werden soll, nicht bei allen dieselbe sein. Geistigehaben Wohl den Vorzug, seien auch nicht schwerer als die materiellen, daher der Unter-richt mit ihnen beginnen müße. Aber für den weiteren Unterrichtsgang müße eS vonder Individualität der Lehrlinge abhangcn, ob ideelle und geistige oder materielle Ge-genstände den Vorzug verdienen. Jene aber müßten stets auch in der vollendetsten Formgegeben werden, daher die große Bedeutung der elastischen Schriften des Alterthumsfür diese Art der Erziehung; doch wird der Zusammenhang des Humanismus mit derBetreibung der elastischen Studien in den Schulen von Niethammer nicht weiter be-rücksichtigt.

Man sicht, I?. verwirft die Realien nicht so unbedingt als cs erst den Scheinhatte, aber er läßt sie doch nur in soweit gelten, als sie ebenfalls Stoff für höhereMenschenbildung enthalten, und nur für die, welche ihrer Individualität nach für reingeistige Lehrgcgenstände nicht geeignet sind, und auch bei ihnen nur dann, nachdem mitdiesen der Unterricht schon begonnen worden ist.

Was die Unterrichtsmethode betrifft, so bekämpft N. die damals als neueste Weis-heit gepriesenen Verkehrtheiten, namentlich, daß man den Lehrling spielend belehren undihm die Mühe auf alle Weise versüßen müße, ferner daß man alle Gegenstände zu-gleich anfangcn und den Schüler heransfordern solle, mit seinen Ansichten überall her-dorzutretcn. Es gebührt N. das Verdienst, den Werth der sogenannten Vcrstandes-übungen auf das rechte Maß zurückgeführt und die Bedeutung des Gedächtnisses fürdie allmähliche Bildung des Lehrlings, die man damals fast ganz verkannte, gehöriggewürdigt zu haben.

Auf dieser Grundlage ruhte der im 1.1808 von N. ausgearbeitete Schulplan fürdie bayerischen Mittelschulen, die Gymnasien und die ihnen gegenüber gestellten Real-schulen und Realinstitute, das sogenannte Normativ, über dessen wesentliche Bestimmungder ArtikelBayern" handelt (S. 445). Man kann auch jetzt nach einer weitern Er-