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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Niemeycr.

kamen ehrende Glückwünsche, von Berlin Schleiermacher; die Universität Moskau er-nannte ihn zum Ehrenprofessor; der König, der ihm schon 1817 den rothen Adlerordendritter Classe, 1826 denselben zweiter Classe mit Eichenlaub verliehen hatte, schickte ihmeine Vase, und was ihm mehr galt, die Nachricht, daß zum Bau eines neuen Univer-sitätsgebäudes 40,000 Thlr. angewiesen seien; die Stadt ehrte ihn mit einer silbernenBürgerkrone. Er überlebte die Feier nur um ein Jahr, indem er den 7. Juli 1828so zu sagen noch unter den Schwingungen der Festfreude seines Jubeltags sein reichesLeben beschloß, im vollsten Gebrauch seiner ungeschwächten Geistes- und Körperkräfte,im Kreis des glücklichsten Familienlebens nach kürzer Krankheit, wie er dankbar rühmte,ein glücklicher Greis."

Verehlicht hatte er sich im Jahr 1787 mit Agnes Wilhelmine von Köpken, derTochter eines Hofraths in Magdeburg, in Dessen der Pflege der Kunst, Poesie undallen edleren Bildnngsinteressen gewidmeten Hause Nienieher sich durch seine DichtungenZutritt verschafft hatte. Es ist in den näheren Kreisen allbekannt, in welch hohemMaße diese Frau,die Kanzlerin," nach Geist und Gemüth die Eigenschaften besaß,um ihrem Manne als würdige Repräsentantin seines Hauses zur Seite zu stehen.Wenn der hervorstechende Zug in Niemeyers Charakter selbst in jener gleichmäßigenRuhe und Gemessenheit lag, welche das Product angeborenen Ernstes, seiner Erziehungund seines ganzen Lebensganges war, so war der Einfluß seiner Frau nicht der letzteFactor, durch welchen seine Erscheinung den Anstrich einer gebildeten Förmlichkeit ge-wann und sein häusliches Leben sich zu einer gewissen Vornehmheit entwickelte, welchees erschwerte, ihm innerlich nahe zu kommen. Sein Aeußeres selbst hatte etwas im-ponirendes, ein Gepräge feierlicher Würde und wohlwollender Freundlichkeit, derenMischung ebenso anziehend als auch zurückhaltend wirkte. Noch hat sich die Traditionvon dem großen Hause erhalten, welches der Kanzler machte, und das in mehrals Einer Beziehung an das Goethesche Haus erinnerte. Wenn diese Neigung, imhohen Stil zu repräsentiren, zugleich eine schöne Seite hatte in der Liberalität, .diedamit verbunden war, so wurde dagegen das Streben, vornehme Bekanntschaften zumachen, fürstliche Personen zu beherbergen, der Werth, den er auf äußere Auszeichnunglegte, bei ihm auch Wohl zur schwachen Seite, wenn gleich nicht zu übersehen ist, daßer es dabei nie auf persönliche Interessen, sondern stets ans Förderung der reellenZwecke seiner Stellung und der ihm anvertrauten Anstalten abgesehen hatte. Jenesinnere Gleichmaß des Geistes bildete ferner die Basis d>er unglaublichen und rastlosenThätigkeit, die ihm bis in sein hohes Alter eigen War, welche auch die kleinsten zer-splitterten Zeittheile zu rascher Arbeit zu benützen wußte, und unter steter Unterbrechungdoch die Continuität nie verlor. So massenhaft stets die Anforderungen in amtlichenund privaten Ausarbeitungen an ihn kamen, so ausgedehnt sein Briefwechsel, so zahl-reich der Besuch aus allen Weltgegenden war, so war er doch stets fertig, und mankann mit Recht sagen, daß der Geschäftsmann dem Gelehrten, Pädagogen, Theologenin nichts nachstand. Diese rastlose und fertige Thätigkeit kam ihm besonders beiseinen Reisen, wie sein Werk über dieselben beweist, zu statten und gieng soweit, daß er der bloßen Erholung wegen niemals spazieren gieng. Im persönlichenVerkehr zeigte sich jenes innere Gleichmaß, besonders in der Geistesgegenwart, womiter jede Situation beherrschte, sich selbst nie verlor und mit seltener Gewandtheit undSicherheit Meister des Wortes war. Sein akademischer Vortrag war frei, fließend, nurzuweilen zu breit. Im Verkehr mit Schülern, Mitlehrern, in Collegien, Lei sonstigenöffentlichen Anlässen war er stets gerüstet, im reinsten Fluß aus dem Stegreif zureden, ohne je den Mangel an Vorbereitung zu verrathen. Aber auch im Gesprächmit den Ministern, mit Fürsten und Königen war er nie befangen, bei unerwarteter,brüsker Wendung nie verwirrt, wußte er im Moment das Richtige und Nothwendigeebenso zu erkennen, als mit gewandter und feiner Rede auszusprechen. In seinerStellung als Vorgesetzter war die reinste Humanität die Regel seines Benehmens. Im