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schweig brachte, wandte der Kanzler durch kluge Leitung ab. Doch wurde 1812 einegeheime Polizei eingerichtet, und als uun auf den Aufruf des Königs von Preußen1813 viele Studenten von Halle zu den Fahnen eilten, traf das Mistrauen auch denKanzler, der bei dem General Bougars wegen Einverständnisses mit Preußen dennncirtwurde, lieber seine Flucht nach Leipzig während des Bombardements von Halle fuhrihn der König hart an, und drohte ihm mit dem Galgen, bewilligte indessen doch dieSubsidien für das Waisenhaus. Nun kam Napoleon selbst, schalt die Restitution derUniversität eine Thorheit seines Bruders, sie sei der Sitz eines geheimen Bundes,worauf er die Universität im Juli 1813 znm zweiten Male aufhob. Niemeyer sah sichaller seiner Aemter und Würden entsetzt, aber damit auch der Pflicht für die fremdeRegierung entbunden. Mit patriotischer Freude betheiligte er sich an den Ereignissen,die jetzt eintraten, und in der Nacht vor dem Treffen bei Möckern, 13. Oct., brachteBlücher in seinem Hause im zutraulichsten Verkehr mit der Familie erhebende Stundenzu. Nach der Schlacht bei Leipzig eilte Niemeyer zu seinem Könige dahin und stelltezwei Söhne zur Armee. Große Thätigkeik entwickelte er nach der Schlacht für diePflege der Verwundeten. Die Gebäude der Stiftungen wurden in Lazarethe verwandeltund in der ausbrcchenden Epidemie bewährte er denselben Organisationsgeist, womit erschon im Jahr 1799 um die Ordnung des Armenwesens der Stadt durch Bildung derGesellschaft freiwilliger Armenfreunde sich verdient gemacht hatte. In Halle trat nunwieder preußisches Gouvernement ein, und schon von Frankfurt aus decretirte der Königdurch Kabinetsordre die Fortdauer der Universität.
Niemeyer wurde zwar zunächst in seinen Stellungen bestätigt; doch ist, die natür-liche Folge der eigenthümlichen Entwickelung seiner bisherigen Verhältnisse, eine fühl-bare Abnahme seines Einflusses von jetzt an nicht zu verkennen. Als die UniversitätWittenberg 1815 mit der von Halle combinirt wurde, sah er sich bei der eintretendenneuen Organisation veranlaßt, von dem permanenten Rectorat zurückzutreten. DieWürde des Kanzlers behielt er bei in der Eigenschaft eines perpetuirlichen Commissärsdes Kurators der Universität, verbunden mit der allgemeinen Leitung der akademischenInstitute. Hinsichtlich der Versorgung der Stiftungen hatte er mit vielen Schwierig-keiten zu kämpfen. Er reiste daher 1816 nach Berlin, wo er wenig guten Willenfand, und es ihm erst nach vielen vergeblichen Versuchen gelang, den StaatskanzlerHardenberg auf seinem Landsitz Glienicke selbst zu sprechen und zu Concessionen zu ver-mögen. Auf dieser Reise knüpfte sich sein näheres Verhältnis mit Schleiermacher an;auch erhielt er wieder den früheren Titel des Oberconsistorialraths und wurde wirklichesMitglied des Konsistoriums für die Provinz Sachsen, nach seinem Wunsche zugleichmit seinem Kollegen Pros. vr. Knapp. Als die demagogischen Untersuchungen die Auf-stellung außerordentlicher Regierungsbevollmächtigten an den Universitäten veranlaßten,sah er sich factisch auch seiner Befugnisse als Kanzler enthoben, eine „stillschweigendeAbsetzung," die er selbst mit dem Worte begrüßte: vous noöis lmao okia kdoit. Erbenütztediese Muße zu neuer praktischer und literarischer Thätigkeit, deren bedeutendste Fruchtdas eben so anziehend geschriebene als inhaltsreiche Werk ist: „Beobachtungen aufReisen in und außer Deutschland," welches im Jahr 1820 begonnen, 1826 bis zufünf Bänden fortgeführt, wiederholte Auflagen erlebte. Dasselbe enthält die Beschrei-bung der verschiedenen Reisen, welche Niemeyer gemacht hat, der die Lust durch nähereund entferntere Ausflüge sich zu erholen und seine Verbindungen zu erweitern, bis insAlter bewahrte, und ist ebenso reich an Zügen von allgemeinem zeit- und kultur-geschichtlichem auch pädagogischem Interesse, als für die Charakteristik und Biographie desVerfassers werthvoll. Besonderes Interesse hat der vierte Band, zweite Hälfte, derseine Deportation nach Frankreich behandelt.
Mit eben so viel Glanz als Herzlichkeit wurde den 18. April 1827 sein fünfzig-jähriges Doctorjubiläum gefeiert. Die Universität stellte eine von Tieck gefertigte Mar-morbüste des Jubilars auf, von allen Seiten, Anstalten, Universitäten und Freunden