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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Nioncyer.

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Musteranstalten, Philanthropinen genannt, deren bedeutendste zu Dessau war, ans neueGrundlagen zu stellen. Wenn die subjektive, zumal das religiöse Leben des deutschenVolkes verletzende Haltung gegen das Bestehende, das kleinliche, unmotivirte Experi-mentiren mit den sogenannten Erleichterungsmethoden, der einseitige Naturalismus undEudämonismus, der diese Erscheinung kennzeichnet, die dauerhafte Wirksamkeit der Phi-lanthropisten gründlich beeinträchtigte, so war doch die Anregung, die von da für Lehrer,Philosophen, Theologen, Staatsmänner und alle gebildeten Kreise ausgieng, so tief-greifend, daß eine Organisation, wie die Niemeyers, von der Gewalt derselben nichtunberührt bleiben konnte. Einer der namhaftesten Philanthropien Trapp war in Halleneben ihm als Lehrer angestellt. Schon auf der Schule, wie Niemeyer von sich selbst sagt,von der Neigung für das Fach der Pädagogik ergriffen, bot sich ihm, seit Basedow auf-getreten, die Gelegenheit dar, alle die wechselnden Erscheinungen auf diesem Gebiet inder Nähe zu beobachten und seine Einsichten in dem belehrenden Umgang vieler erfah-renen Pädagogen und Schulmänner mit den ihrigen auszutauschen. Und wenn ihnnun die, wie er sich ausdrückt, ihm eigene natürliche Ruhe des Geistes stets vor ein-seitigem Bewundern und Verwerfen schützte und ihm eine seltene Parteilosigkeit sicherte,so Wurde dieses so zu sagen vorzugsweise pädagogische Naturell noch wesentlich geför-dert und gehoben, wie durch jene vielseitige gründliche Bildung, die er vor den meistenPhilanthropisten voraus hatte, so nicht minder durch den Gang, welchen die Gestaltungseiner Lebensverhältnifse nahm.

Wie oben bemerkt, war seine pädagogische Wirksamkeit zunächst die des praktischenSchulmanns. Wesentlich erweitert wurde dieselbe durch Uebertragung der Jnspectiondes König!. Pädagogiums 1784, welcher 1785 seine Ernennung zum Mitdirector derFranckeschen Stiftungen folgte. Jene unter den sion Francke gestifteten älteste Lehran-stalt für Söhne der gebildeten Gesellschaft hatte ihre letzte Blütezeit gehabt unter derLeitung auch eines Niemeyer, des Jnspectors Johann Anton, der dieselbe bei seinemTod bis zu 70 Alumnen gehoben hatte. Die folgenden 20 Jahre waren eine Zeitdes Verfalls. Theure Zeit, ungenügende Persönlichkeit der Lehrer, der Aufschwungdes Philanthropins in Dessau und anderer Schulen, wirkten so nachtheilig, daß alsH. A. Niemeyer 1784 Jnspector wurde, nur noch 17 Zöglinge da waren. Seine stetsauf reelle Wirkung gehende, von leeren Anpreisungen frei bleibende, anhaltende undumsichtige Thätigkeit brachte neues Leben. Durch stetige, jedes Halbjahr erneuerteNachrichten über die Ereignisse und Veränderungen in der Anstalt für Eltern undPublicum, Programme über die verschiedensten, pädagogisch interessanten Gegenstände,durch die von ihm herausgegebenen Schulreden, besonders durch steten Verkehr undBriefwechsel mit den Eltern der Zöglinge erhielt er das allgemeine Interesse für dieAnstalt lebendig, begegnete er versteckter Anfeindung, charakterisirte er seine Haltung unterden Parteien der Zeit. Schon 1787 wurde der Anstalt selbst eine werthvolle Erwei-terung zu Theil durch Gründung des pädagogischen Seminars mit Königlicher Unter-stützung, in welchem zwölf studirende Jünglinge als künftige Lehrer und Erzieher ge-bildet werden sollten. Niemeyer erhielt die Leitung desselben und die pädagogischenVorlesungen, die er zu halten hatte, fanden stets ein großes Auditorium. Die tüchtigenLehrkräfte, welche hier gebildet wurden, kamen zunächst der Anstalt zu gut, gaben der-selben aber durch Berufungen in andere Kreise eine Art pädagogischer Missionsbedeutung,während die Wachsamkeit und Sorgfalt des Vorstandes den Nachtheil des steten Personen-wechsels ausglich. Der Erfolg dieser Thätigkeit blieb nicht auS. Schon drei Jahrenach Niemeyers Eintritt in die Jnspection hatte sich die Zahl der Zöglinge des Päda-gogiums vervierfacht, später stieg sie bis auf 90 Alumnen. Auf diesen Erfolg gestütztsuchte er nun die Regierung für den Bestand der Anstalt zu interessiren, und bei derhundertjährigen Jubelfeier derselben durfte er das Versprechen Friedrich Wilhelms II.Proclamiren, ihr Staatsunterstützung zu gewähren. Da die Erfüllung desselben sich

Pädag. Encyklvpadie. V. i ^