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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Niemeyer.

Aus einem Compendium über Homiletik, das 1786, und einer Schrift überKatechetikund katechetische Hebungen," die 1789 erschien, componirte er dasHandbuch für christ-liche Religionslehrer," dessen zweiten Theil die 1790 erschieneneHomiletik, Pastoral-anweisung und Liturgik" bildete, während der erste die durch einen besondern Zwischen-fall bekanntePopuläre und praktische Theologie oder Materialien des christlichenVolksunterrichts" 1792 enthielt. Diese Schrift nämlich, eine über das ganze Gebietder Religion ausgedehnte Untersuchung, wie weit die Materien und Probleme der Re-ligionswissenschaft sich zur Behandlung im Volksunterricht nach den Zwecken desselbeneignen, was der Lehrer bei der Auswahl zu beachten habe, um seine Arbeit fruchtbarzu machen u. s. w., erregte durch den Geist des Skepticismus, welchem sich Niemeyerdarin unter dem Einfluß der kritischen Philosophie in weiten! Maße hingegeben hatte,in Berlin um so mehr großen Anstoß, als damals das Wöllner'sche Ministerium, dasbekanntlich auch gegen Kant vorgieng, am Ruder war. Niemeyer war 12. Juli 1793bis 1794 Prorector. Auf Denunciation der als Jmmediat-Examinationscommissiondem Ministerium zur Seite gestellten Räthe Hermes, Hilmer und Woltersdorf wurdeihm der Gebrauch des Buchs bei seinen Vorlesungen untersagt, bald darauf wurde erund Nosselt mit Cassation bedroht, und diese nur durch das persönliche Wohlwollendes Königs für Niemeyer abgewendct, der seine sehr freimüthige Erklärung günstigaufnahm. Da erschienen Hermes und Hilmer 1794 plötzlich als Untersuchungscommis-säre in Halle mit einer gegen die als neologisch verschrieene theologische Facultät ge-richteten Instruction, wurden aber beim Beginn ihrer Arbeiten durch die Studenten,Welche in Masse niit einem Steinhagel gegen ihre Wohnung anfrückten und deren Auf-regung der Prorector vergebens zu dämpfen suchte, bestimmt, in aller Stille am fol-genden Morgen die Flucht zu ergreifen. Die Folgen, womit die Universität wegendieses Vorfalls bedroht wurde, beschränkten sich auf das Verbot der Feier des hundert-jährigen Jubiläums, das den 12. Juli 1794 statt haben sollte, unter dem Vorgeben,daß die Fonds der Universität dafür unzureichend seien. Niemeyer legte an diesemTage sein Prorectorat in Försters Hände nieder, und die Facultät ertheilte ihm dietheologische Doctorwürde. Für den Fall, daß seine Stellung in Halle in Gefahr ge-kommen wäre, kündigte ihm Heyne den Plan seiner Berufung nach Göttingen an, dasverfehmte Buch aber erlebte noch 1827 die sechste Auflage. Im Jahr 1802 erschienhernach, nachdem Niemeyer schon 1798 den Plan desselben in einem Programm entworfenhatte, dasLehrbuch für die oberen Religionsclassen in Gelehrtenschulen," das noch beiLebzeiten des Verfassers 1827 in der 15. Auslage erschien, weithin in Lyceen und Gym-nasien gebraucht war, nun aber, nachdem es unter der Eichhorn'schen Verwaltung be-seitigt worden, von der positiveren Richtung, welche die religiöse Erziehung überhauptgenommen hat, durch andere Lehrbücher ersetzt ward, die wenigstens den formalen Werthdesselben häufig nicht erreichten. Nur vorbeigchend seien hier noch erwähnt mehreretheologisch-pädagogische Schriften, welche Niemeyer herausgab, wie die Briese an christ-liche Neligionslehrer 1799, 97, 99 und andere, mehrere monographische Arbeiten überSemler, Frehlinghausen, Francke, Wesley, Nosselt, Ehr. Knapp, über PH. Melanchthonals xraoooptor Oormaniao 1817, die Universität Halle, dann 1825 sein Antiwillibaldzur Vertheidigung der wissenschaftlichen Lehrmethode der Theologie auf deutschen Uni-versitäten, ferner seine Wirksamkeit für Bibel- und Missionswesen als Mitglieds derLondoner Gesellschaft 1800, Präsidenten der Hallischen Bibelgesellschaft 18l6 u. a. m.

Wenn der Lehrerberuf dem Urenkel Franckes so zu sagen angestammt war, so fieldie Jugend Niemeyers zugleich in eine Zeit, in welcher auch das Erziehungswesen inden allgemeinen Gährungsproceß hineingezogen wurde, der in der zweiten Hälfte desvorigen Jahrhunderts alle socialen Interessen ergriff. Nousseaus Eniil hatte die Grund-sätze und Methoden der herrschenden Unterrichts- und Erziehungsweise tief erschüttert,und unter seinem Einfluß war 1770 Basedow mit dem Versuch aufgetreten, das Er-ziehungswesen theils durch Systematisirung der Grundsätze, theils durch Gründung von