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lanthropistischen Pädagogik. Aiau muß es als ein natürliches Erbtheil betrachten, wennihm, dem Urenkel des edeln Francke, ein intensiv frommes Gemüth eignete, welches dasVerhalten der Kritik unter die Regel maßvoller Behutsamkeit stellte, um die ethischeKraft, die Menschen bildende Bestimmung des Evangeliums in den Mittelpunct seinerTheologie zu rücken. Stellt sich nun die „Charakteristik der Bibel" ganz unter diesenMaßstab, so beruht auch darin die pädagogische Bedeutung des Werks. Niemeyer hattees ja damit auf eine Behandlung der biblischen Geschichte abgesehen, durch welche ernicht nur Theologen und Predigern, sondern vor allem Erziehern, deren Aufgabe Be-lehrung, sittliche Anregung, Charakterbildung der Jugend ist, die reiche Fundgrube wie-der zu erschließen suchte, welche für ihre Zwecke in den Charakteren der Bibel sich auf-thut, und in den Kreisen der Schule und Lehrer fand es auch weite Verbreitung. Hier,sagt er, finden sie Züge, welche am unmittelbarsten aus dem Bilde der erhabensten undvollkommensten moralischen Schönheit, die allein dauerhaft ist, genommen sind. Wenn nunallerdings in dem Werke schon nach seiner ganzen Conception das religiöse Momentin einer Weise meist zurücktritt, bei der das christlich-positive Interesse an der biblischenGeschichte sich nicht befriedigt findet, so ist dagegen dasselbe auch in dieser Hinsicht nachseiner Stellung zur Zeit seiner Erscheinung aufzufassen. Erkennt man in dem Unter-nehmen an sich schon den Grundsatz des älteren Francke wieder: nasoitur tlmoloZus inLvript-uris, so birgt der ernste und objective Geist, womit es nicht nur gegen zerstreuendeund unsittliche Lectüre, sondern auch gegen frivole und destructive Tendenzen der Zeitdas Ansehen und das Lesen der Bibel wieder aufzufrischen beabsichtigte, eben dieser Zeitgegenüber sogar ein apologetisches Interesse. So war es in der That nur die frommeEhrfurcht, welche ihm die religiöse Macht des Christeuthums vor der Person seinesMeisters einflößte, was ihn bestimmte, das Ansinnen stets abzulehneu, auch denCharakter Jesu in den Kreis seiner Darstellungen zu ziehen. Und wenn er selbstgegen das Ende seines Lebens trotz wiederholter Aufforderung nicht mehr dazu kam,das Werk noch einmal aufzulegen, so waren es jedenfalls außer der Rücksicht auf dieErgebnisse der fortschreitenden biblischen Wissenschaft nicht minder solche religiöse Mo-tive, welche seiner Erklärung zu Grund lagen, daß, wenn er noch einmal Hand daranlegen wollte, er dem Publikum eine völlige Umarbeitung des Ganzen schuldig wäre.Dabei ist übrigens das Werk so reich an praktischen Fingerzeigen für Behandlung derbiblischen Geschichte, an feinen psychologischen, in tiefe Kenntnis des Menschen einführen-den Bemerkungen, an moralischer Beleuchtung und Charakteristik, an Beiträgen zu all-gemeiner und specieller Bibelkunde, populärer Verwendung wissenschaftlicher Ergebnisse,daß der Werth desselben für Schule und Lehrer noch heute nicht unterschätzt werdendarf. Es erschien nach und nach in fünf Bänden, und wurde wiederholt, noch nachdem Tode des Verfassers, aufgelegt, vielfältig nachgedruckt, auch in fremde Sprachen,ins Holländische, Schwedische übersetzt.
Die Erscheinung dieses Werkes hatte 1779 seine Ernennung zum außerordentlichenProfessor der Theologie und Jnspector des theologischen Seminars zur Folge. Nach-dem er 1783 eine Berufung nach Württemberg, worüber einige Bruchstücke von Briefender Herzogin Franciska in seinen Beob. auf Reisen (IV. 2. Beil. XXII.) interessantenAufschluß geben, abgelehnt hatte, wurde er 1784 ordentlicher Professor der Theologie.Ebenso lehnte er einen Ruf als Oberhofprediger nach Gotha 1789, so wie als Seniordes geistlichen Ministeriums und erster Pastor zu St. Marien in Danzig 1792 ab,Wofür ihm der Charakter eines Consistorialraths ertheilt wurde. Seine Vorlesungengehörten meist dem Gebiete der praktischen Theologie an. Auch erschienen mehrereSchriften populären Inhalts, ascetisch-ästhetischen Zwecks damals von ihm, Philotas1779, Timotheus 1784, wiederholt aufgelegt, und andere, so wie er sich fernerdurch seine Predigten einen Namen machte. Besonders verdienstlich war das von ihmund Wagnitz 1800 gegründete „Hallische patriotische Wochenblatt für gemeinnützige undWohlthätige Zwecke", dessen 29. Jahrgang er noch vor seinem Tode 1828 herausgab.