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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Nicmeyer.

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Aber wer im Geiste lebt, der trägt in sich das Verlangen, daß selbst alles Aeußereund Sinnliche, was er an und um sich hat, so gestaltet werde, daß sich in ihm aufirgend eine Art der Geist und die Wahrheit abspiegele, und dieses Verlangen und dieBethätigung dieses Verlangens ist der Bildnngstrieb. Er findet seine höchste Ver-wirklichung in der Kunst und besteht im allgemeinen darin, daß das Wirkliche so ge-staltet wird, daß es als ein Abbild der Wahrheit gelten könne; denn das Schönedas Erzeugnis der Kunst ist das Wirkliche in seiner Wahrheit.*)

I)r. Deinhardt.

Niemcyer, Hermann August. Die Geschichte der Pädagogik des vorigen Jahr-hunderts zeigt, daß diejenigen Männer, von welchen das Erziehungswesen und dieWissenschaft desselben die bedeutendsten Anregungen empfieng, nicht selten ebenso ein-seitig und ungründlich gebildete, als in ihren Leistungen unpraktische Menschen waren.Von Rousseau ist dies bekannt, und wie Pestalozzi sich selbst als den reinen Autodi-dakten gab, so hat das tragische Geschick des edeln Mannes und seiner Anstalten überseinen praktischen Beruf zum pädagogischen Reformator gerichtet. Um so höher ist derWerth eines Mannes wie Nie meyer anznschlagen, der mit dem inneren Beruf zumPädagogen und der pädagogischen Schule, die er seiner äußeren Stellung verdankt, einebenso reiches Maß tüchtiger und gründlicher Bildung in den verwandten Gebieten derPhilologie, Philosophie, Theologie verband.

August Hermann Niemeyer, der berühmte Kanzler der Universität Halle, wurde zuHalle den 2. September 1754 geboren. Seine Mutter, eine geb. Freylinghausen, wardie Enkelin des ältern Francke, des berühmten Stifters des Waisenhauses und der da-mit verbundenen Lehranstalten. Sein Vater Johann Konr. Philipp Niemcyer warArchidmkonus an der Marienkirche zu Halle. Die Biographie desselben, die Erstlings-arbeit des nur erst 17 Jahre alten Sohnes, ist ein schönes Denkmal der kindlichenPietät des letzteren. Die Mutter starb ihm im 9., der Vater im 13. Lebensjahr. Vonseinem 11. Jahre an lebte er in dem Hause einer befreundeten Frau, der nachGeist und Charakter gleich ausgezeichneten Wittwe des Leibarztes Lysthenius, geborenenv. Wurmb, in deren Umgang er sich jene Formen eines feinsinnigen, gebildeten Be-nehmens aneignete, welche das Gepräge seines ganzen Charaktergehaltes bildeten. Geistund Charakter Nicmeyers reiften unter Leitung dieser Frau ebenso frühe als stetig zueiner Selbständigkeit heran, Welche ihn schon in der Zeit der Jugend den Zweck desLebens fest ins Auge fassen und keine Gelegenheit versäumen ließ, die sich ihm darbot,zu lernen und sich tüchtig zu bilden. So eignete er sich die französische Sprache imUmgang mit seiner Pflegemutter, die englische von einem Engländer an, der sein Mit-schüler im Pädagogium war, wo er seine Schulbildung erhielt. Im 17. Lebensjahrbezog er die Universität, wo er elastische Philologie, besonders die alten Griechen, ob-wohl wie es scheint mehr nur privatim, wenigstens beklagte er es später als einen Ver-lust, Schütz nicht gehört zu haben, doch so gründlich studirte, daß sein erstes Ab-sehen darauf gerichtet war, als Lehrer in diesem Gebiet seine Laufbahn zu machen.Von einem eingehenden Studium der Philosophie zeugt seine schriftstellerische Wirksamkeit,von steter Fortsetzung desselben der Einfluß, welchen später die kritische Philosophie informeller und materieller Beziehung auf ihn übte. Späteren Systemen vermochte ersich nicht zu befreunden, besonders wegen ihrer nndentschen und dunkeln Terminologie.Sein eigentliches Fachstudium auf der Universität indessen war die Theologie, in welcherer Nösselt, Griesbach, seinen Oheim Freylinghausen und besonders Seniler zu Lehrernhatte. Unmittelbar von der Universität ans trat er in einen praktischen Wirkungskreis

*1 Wer über den in diesem Artikel behandelten Theil der Psychologie etwas ausführlichereslesen will, den verweisen wir auf eine Schrift von A. W. Grube: Blicke ins Trieblcbcn derSeele, Leipzig bei Brandstetter 1861, in welcher viele gründliche Gedanken in einer klaren Spracheentwickelt sind.