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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Neigungen, Triebe.

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worden Wäre, d. h. daß diese Liebe eine unwiderstehliche Macht wäre, die alles inihm beherrscht und bestimmt und -ihn zu ihrem Träger und Organ macht. Was wäredas für eine sittliche Macht, wenn ein Mensch in leidenschaftlicher Liebe zur Wahrheitihren Eingebungen und Forderungen nmnächtig nnd willenlos Preis gegeben wäre!Wenn aus den bisherigen Erörterungen hcrvorgeht, daß auch die Leidenschaft, gleichder Neigung nnd der Begierde, zunächst eine rein psychologische Bestimmung ist, diefürs erste abgesehen von der Moral zu betrachten ist, so lehren sie doch andererseitsauch, daß die Leidenschaften es vor allem sind, die uns nöthigeu, an die menschlichenTriebe einen sittlichen Maßstab anzulegen und sie von moralischen Gesichtspnncten auszu betrachten. Dieses Verhältnis der menschlichen Triebe bildet denn mm auch dienothwendige Grundlage für die pädagogische Behandlung des menschlichen Trieblebensnnd bedarf daher einer genaueren Betrachtung.

Wir unterscheiden in dem Menschen drei Stufen des Trieblebens, die mit derdreifachen Stellung des Menschen in der Welt aufs innigste zusammenhängen und ausihr folgen. Wir können nämlich den Menschen betrachten entweder als natürlichesIndividuum oder als Person oder als Geist. Als natürliches Individuum steht derMensch noch ganz in der Sphäre des bloßen Natnrlebens nnd theilt in dieser Stellungdie Triebe mit dem Thiere. Diese animalischen Triebe rednciren sich aber, wie schonoben bemerkt ist, auf zwei, nämlich ans den Trieb der individuellen Selbsterhaltungund auf den Trieb, die Gattung fortzupflanzen. Der Trieb nach individueller Sclbst-erhaltung schließt mehrere besondere Triebe in sich, z. B. den Trieb nach Speise undTrank, nach Schlaf, nach Bewegung n. s. f. Daß der Mensch diese Triebe, die sichauf die individuelle Selbsterhaltnng beziehen, befriedigen muß, um überhaupt als sinn-liches Individuum zu existiren, ist klar, aber ihre Befriedigung muß bei dem Menschendoch durch nnd. durch eine andere Form erhalten, als Lei dem Thiere, wenn er andersnicht zum Thiere herabsinken soll. Denn bei dem Menschen ist die natürliche Indivi-dualität nicht das Letzte, wie bei dem Thiere, sondern das natürliche Selbst des Menschensoll nur der Träger des Geistes sein und die Befriedigung der sinnlichen Triebe desMenschen, die seine individuelle Selbsterhaltung bezwecken, ist daher nur darauf hinzu-richten, daß der Leib ein gesundes, kräftiges, bewegliches nnd geschicktes Organ fürden Geist werde und bleibe. Man soll also nicht mehr essen und trinken, als zur Er-haltung der Gesundheit des Körpers gerade erforderlich ist. Bietet man dem Körperbedeutend mehr, als zu seiner Entwicklung nöthig ist, so gewöhnt man sich gar zuleicht daran, das körperliche Genießen als den Zweck des Lebens anzusehcn und wirddann unabweislich von Genußsucht bestimmt, die ein großes Unglück für den Menschenist und ihn seinem wahren Ziele oft ganz entfremdet. Es kann diese Bemerkung alseine sich von selbst verstehende angesehen werden, wenn man auch nur das Geringste vonder menschlichen Bestimmung kennt und weiß; wenn man aber bedenkt, bis zu welchemfurchtbaren Grade sinnlicher Genußsucht namentlich die höheren Stände in unserer Zeitherabgesunken sind nnd wie sehr auch die Jugend schon frühzeitig in diese Mysteriender Genußsucht eingeweiht wird, so muß man sich doch immer wieder getrieben fühlen,allen Eltern, Lehrern und Erziehern laut zuzurufen: hütet die Jugend vor sinnlicherGenußsucht, befriedigt ihre Begierden nach Speise und Trank so einfach nnd mäßig,als sichs nur irgend thun läßt, ohne der Gesundheit nnd Kraft ves Leibes zu schaden;gewöhnt sie von Jugend auf daran, diese Genüsse als etwas untergeordnetes und ge-ringfügiges anzusehn und sie nur als Mittel zur Förderung des geistigen Strebens zubehandeln. Ganz ähnliche Bemerkungen gelten für die Befriedigung der anderen sinn-lichen Bedürfnisse. Jeder Mensch muß von Jugend ans gewöhnt werden, gerade soviel zu schlafen, als zur Erquickung des Leibes und der Seele nothwendig ist, nichtmehr und nicht weniger. Am meisten wird aber darin gefehlt, daß man zu viel schläftund durch Jahre lange Wiederholung sich so sehr an das Zuviel gewöhnt, daß eS zu-letzt als eine Art von Natnrnothwendigkeit erscheint. Und doch wie schädlich ist diese über