Neigungen, Triebe»
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den, als der Hunger und Durst nach Kenntnissen, welcher letztere auch den Namender Lcrnbegierde trägt. Die Liebe zum Vaterlande ist eben so sehr eine Neigung, alsdie Liebe zum Weingennß. Eben so bleiben auch die Leidenschaften Leidenschaften, mögeauch ihr Inhalt sein, welcher er wolle, möge er das Höchste berühren oder zu demSinnlichsten sich erniedrigen; so ist der heilige Zorn des höchsten Propheten eben sogut eine Leidenschaft, wie die entwickeltste Ehrsucht; der Unterschied Leider liegt nur indem verschiedenen Inhalt, worauf sich diese Leidenschaften beziehen. Abstrahiren wirnun fürs erste von dem Inhalte, den die genannten Formen des Trieblebens in sichtragen mögen, und ziehen nur die rein psychologischen Formen für sich in Betracht, sowird man finden, daß die Begierden und die Neigungen zwar derselben Sphäre desTrieblebcns angehören, aber innerhalb dieser Sphäre einen Gegensatz bilden. DiesenGegensatz finde ich am ausführlichsten und gründlichsten in Daubs Vorlesungen überAnthropologie entwickelt und es können daher diejenigen, die den Gegenstand Weiterverfolgen wollen, auf dieses gründliche Buch verwiesen werden. Wir begnügen uns,hierüber nur wenige Bemerkungen zu machen. Die Begierde hat mehr oder wenigereinen egoistischen Charakter, indeni sie darin besteht, daß das begehrende Subject ein Ob-ject, welches seinen Trieben entspricht, sich aneignet und ihm hierdurch seine selbständigeExistenz benimmt. Die wichtigsten Formen, in denen diese Aneignung des Objectszu Stande kommt, sind der Genuß, der Besitz und die Herrschaft. Mag der Genußein sinnlicher oder ein geistiger sein, ein sinnlicher z. B. indem die Begierde nach Essenund Trinken befriedigt wird, oder ein geistiger, indem man z. B. die Lernbegierde be-friedigt, in beiden Fällen greift der begehrende Mensch in das Object über, benimmtihm seine Selbständigkeit und benutzt es, um durch den Genuß desselben sich selbst zufördern und zu entwickeln. Bei dem sinnlichen Genuß wird das Object des Genussesgeradezu zerstört, um den Trieben des begehrenden Snbjects zu genügen. Dagegen gehtder Besitz des Objects nicht unmittelbar ans den Genuß, sondern nur auf die Möglich-keit des Genießens. Wer eine Begierde nach Erwerb hat, der sammelt Geld und Güteraller Art, um stets im Stande zu sein, zu genießen und sich das Leben angenehm zumachen, viele aber begnügen sich auch mit dieser bloßen Möglichkeit, gönnen sich vonihrem Eigenthum nur die allernothwendigsten Genüsse und verfallen in Habsucht, diein das Besitzen und Haben als solches den letzten Zweck und Werth des Lebens setzt.Was endlich die Begierde zu herrschen betrifft, so bezieht sich diese ans solche Wesen,die einen Willen haben, und besteht in dem Verlangen, daß der andere seinen selb-ständigen Willen aufgeben und meinen Willen als den Bestimmungsgrund des seinigenanerkennen, auch in diesem Falle sich dem Begehrenden zu gefallen entäußern soll.So ist denn die Begierde in allen Formen mit dem Verlangen verbunden, daß dasObject, auf das sich die Begierde bezieht, sich aufhebt und zu einem Mittel, um dieZwecke des begehrenden Subjects zu erfüllen, herabgesetzt wird. Wenn die Begierdehiernach ans eine Entäußerung und Aufhebung des Objects, auf welches sich die Be-gierde bezieht, hinzielt, so liegt das Wesen der Neigung gerade umgekehrt in einerSelbstentäußerung des Subjects, welches die Neigung hat, an das Object, dem dieNeigung gewidmet ist, und in einer Hingebung an dasselbe. Unsere Sprache pflegtalle Neigungen mit dem Namen der Liebe zu bezeichnen und keiner, der Liebe zu einerPerson oder Sache gefühlt hat oder noch fühlt, wird daran zweifeln, daß jede Artder Liebe mit Selbstentäußerung und Hingabe verbunden ist oder vielmehr gerade indieser Hingabe und Selbstentäußerung besteht; wozu ich Neigung habe, dem widmeich meine Zeit und Kräfte, damit beschäftige ich mich am liebsten, für dessen Existenz,Wohlfahrt und Glück sorge und arbeite ich. Habe ich z. B. Neigung zu einer Person,st gilt mir diese als der selbständige Zweck, zu welchem ich mich als dienendes Mittelverhalte; ihr suche ich Genüße aller Art zu verschaffen und sollte ich auch, um diesezu bereiten, selbst entbehren und darben; ihr diene ich und gebe mich ihr hin. Erreichteine solche Neigung ihren Höhepnnct, so ist es ein Genuß und Zweck, mich selbst auf-