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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Neid. Neigungen, Triebe.

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schieht, ist, Wenn er zur That (jenes Wohl zu schmälern) ansschlägt, qualificirter Neid,sonst aber nur Mißgunst, inviäsntia." Noch anders unterscheidet Schund (christl.Sittenlehre S. 752): Misgunst sei das Misfallen am Wohlergehen anderer, Neid aberdasjenige Misfallen an ihrem Wohlergehen und ihren Vorzügen, das gepaart ist mitdem Verlangen, dieses Glück und diese Vorzüge unsrer eignen Person zuzuwenden. Amrichtigsten aber ist Wohl die Bestimmung der beiden Begriffe bei Wuttke (Sittenlehre II,S. 102):Der Neid kehrt mehr die Seite der Selbstsucht, die Misgunst mehr dieSeite der Lieblosigkeit hervor; jener ist mehr Gefühl, diese mehr ein diesem Gefühlentsprechendes Urtheil über das Glück anderer als ein unverdientes; in Wirklichkeit sindbeide immer beisammen." Vielleicht würde man aber auch sagen können: Neid sei derpositive Ausdruck, Misgunst der negative; der Mißgünstige gönnt dem Nebenmenschendas nicht, was er hat, der Neidische schießt begehrliche, zerstörungssüchtige, vergiftendeBlicke darauf; beide sind aber immer eine und dieselbe Person; das Positive an dieserschlechten Gesinnung ist ein Negiren, dieses Negiren ist aber ein sehr positives Wollen. Verwandt mit beiden ist noch die Eifersucht und die Nacheiferung. Jene ist so zusagen der umgekehrte Neid; der Eifersüchtige ist im Besitz eines Gutes, das ein anderernicht hat (z. B. einer Auszeichnung, einer Amtsgewalt, einer schönen Frau), er fürchtetaber, daß ein anderer sich dasselbe Gut neben ihm ebenfalls aneignen oder mit ihmtheilen möchte, und wacht nun mit Späheraugen darüber, daß dies nicht geschehe. DerNatur der Sache nach kann dieses Ilebel im Kindesleben nur untergeordnet und seltenVorkommen, weil Güter der genannten Art dem Kinde noch gar nicht zu eigen werden;ist ein Schüler auf seinen loous eifersüchtig, so fällt dies unter die Kategorie des Ehr-geizes und ist hiernach zu beurtheilen; ist ein Töchterchen eifersüchtig auf die Liebeseiner Mutter, so muß es lernen, dieser'Liebe sich zu freuen, auch wenn es sie mit Ge-schwistern, mit einem Stief- oder Adoptivkinde theilen muß; es soll einsehen, daß dieLiebe nicht theilbar ist, sondern daß es sie ganz und ungeschmälert besitzt, auch wennsie noch andere umschließt. Die Nacheiferung definirt Reinhard a. a. O. als dasMisvergnügen über die Vorzüge anderer, welches zu einem Antriebe wird, sich durchAnstrengung seiner Kräfte möglichst hervorzuthun." Reinhard prädicirt sie als rühm-lich, sofern sie die Quelle der größten Handlungen sei, auch mit der wahrsten Hochach-tung gegen den bestehen könne, welchem man nacheifere; fehlerhaft werde sie nur, Wennsie mit dem Neide sich verbinde, denn dann suche man dem Nebenbuhler durch uner-laubte Mittel Abbruch zu thun. Darauf allerdings wird alles ankommen, ob dasMotiv im Neide liegt oder nur in dem durch den Gegenstand der Nacheiferung geweck-ten Bewußtsein der eigenen Kraft und des hierin liegenden Berufenseins zu höherenDingen. Wenn die Trophäen von Marathon den Themistokles nicht schlafen ließen,so war das nicht die Folge davon, daß er dem Miltiades dieselben nicht gegönnt hätte;er sieht bloß an dem großen Manne, wie weit er selbst von solcher Größe noch ab-steht, und weil jener solch ein Ziel erreicht hat, so ist ihm das ein Beweis der Mög-lichkeit, dasselbe auch zu erreichen, und ein Sporn, diese Möglichkeit znr Wirklichkeitzu machen. Es ist also der sittliche Werth eines edlen Vorbildes, der hier zur Gel-tung kommt. Palmer.

Neigung, Trieb, Begierde und Leidenschaft. Es hat einen guten Grund,daß diese vier psychologischen Bestimmungen, so sehr sie sich auch von einander unter-scheiden, doch gleichzeitig abgehandelt werden, da sie auf einer gemeinsamen Grundlageruhen und sich mit und durch einander entwickeln. Das Gemeinsame dieser Bestim-mungen liegt aber darin, daß sie durch das Bestreben eines lebendigen Subjects her-vorgerufen werden, über seine unmittelbare Bestimmtheit hinauszugehen, mit einemanderen Objecte in Berührung zu treten und durch Aneignung desselben seine Bestim-mung zu erreichen. Sehen wir uns in der Natur um, so finden wir die Triebe undin höherer Potenz dann auch die Leidenschaften, die Neigungen und Begierden nur in

Päd.ig. Encytlepadie. V.