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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Neid.

gung einer bösen Neigung diese selbst lahm gelegt oder erdrückt wird: so prägt sichaußerdem dem Kinde doch der Eindruck ein, daß der Neid etwas häßliches, Schimpfund Schande bringendes ist. Man könnte fragen, ob nicht das Kind, um es in solchernothgedrnngenen Unterdrückung des Neides zu üben, manchmal absichtlich hintangesetzt,absichtlich z. B. die elterlichen Gaben ungleich gemacht werden sollen. Das wäre abereine höchst verkehrte Maßregel. Denn in jedem solchen Falle würde das zurückgesetzteKind unter einem Aet der Willkür leiden, es würde fühlen, daß ihm positives und wohlvermeidliches Unrecht geschieht; das aber erregt Bitterkeit, der Unmnth des Neidesverwandelt sich in Unmnth über die Willkür, über die Ungerechtigkeit des Erziehers,und so ist das zweite Uebel noch schlimmer als das erste. Wir haben nicht nöthig,erst künstliche Uebnngen im Ertragen ungleicher Schicksale zu ersinnen, das Leben selberbringt sic reichlich mit sich, und so ist das Richtige vielmehr dies, daß der Erzieherseinerseits durch strengste Unparteilichkeit dem Neid jeden gerechten Grund entzieht, inallen den Fällen aber, wo die Ungleichheit unvermeidlich ist, wo sie wenigstens nichtvon ihm abhängt, dem Kinde die Nothwendigkeit, sich darein zu ergeben, einfach alsNothwendigkeit einprägt, dabei aber sobald als möglich ihm jene höheren Gesichtspnncte,die das Christenthmn darbietet, als Lebensregel, als Lebensweisheit ins Herz einpflanztund durch das eigene Handeln nach derselben dem Kinde eine Anschauung davon ge-währt, wie glücklich ein Mensch ist, den sein Glaube und seine Liebe schlechthin neidlosmachen. Der Adel einer solchen Gesinnung verfehlt auf ein Kind guter Art seineWirkung sicher nicht. Wenn dagegen im Elternhause der Geist der Unzufriedenheit undScheelsucht herrscht, wenn über jede Beförderung eines andern zu einer höheren Stelle,über jede Erbschaft, über jede Heirath giftige Bemerkungen gemacht werden, wie solltein solchem Dunstkreis das Kind, in dem sich der Neid schon als natürliche Neigungregt, desselben sich erwehren können?

Ein Hauptmittel ferner, um solche Regung nicht anfkommen, um nicht einen Cha-rakterzug daraus werden zu lassen, besteht darin, daß das Kind gewöhnt wird, nichtdiejenigen, die mehr von den Gütern und Genüssen des Lebens empfangen haben, mitsich zu vergleichen, sondern diejenigen, die weniger haben, überhaupt nicht auf das zusehen, was es nicht hat, sondern ans das, was eS hat, und dessen als einer Gabe Got-tes, als eines Glückes sich zu freuen, das ebenso, wie andern, auch ihm hätte könnenversagt sein. Es giebt Menschen, die, wie unser Volksausdrnck lautet, überall undimmer im Profit sind, die die besten Freunde haben, die in jedem Handel gut fahren,deren Leben von einer Menge glücklicher Zufälle begleitet ist. Man mag lächeln übersolche Glückskinder, weil es bei ihnen ohne Selbsttäuschung, wohl auch ohne ein bischenEitelkeit nicht abgcht; aber sie haben die glückliche Gabe, alles, was ihnen widerfährt,von der besten Seite anzusehen und sich jeder Annehmlichkeit, auch der geringsten, herz-lich zu freuen. Wenn wir, was hieran als Schwachheit hastet, abziehen, und dafürdiesem Sich-freuen über jede Wohlthat den rechten christlichen Gehalt geben, d. h. eszur Dankbarkeit gegen den Geber alles Guten erheben: so ist damit dem Neid einerseiner Hauptzugänge versperrt; wer sich glücklich fühlt, ist nicht neidisch, und wer dank-bar ist für das, was er empfangen hat, der macht seinem Wohlthäter im Himmel nichtVorwürfe darüber, daß er einem andern noch inehr gegeben. Wie könnte er scheeldazu sehen, daß Gott so gütig ist (Matth. 20, 15), da er selber dieser Güte allesverdankt?

Die Moralisten unterscheiden vom Neide die Misgnnst; Reinhard (Moral I, S. 635)nennt Misgnnst das unbillige Misvergnügcn über das Glück eines andern, das wirselbst nicht zu besitzen verlangen; Neid hingegen das unbillige Misvergnügcn über daSGlück eines andern, das wir selber wünschen; es scheint uns jedoch diese Unterscheidungeine ziemlich willkürliche zu sein; richtiger wird jedenfalls die Unterscheidung sein, dieKant macht, welcher (Tngcndlehre S. 133) sagt:der Neid, livor, als Hang, das Wohlanderer mit Schmerz warzunehmen, ob zwar dem seinigen dadurch kein Abbruch gc-