Nebenämter und Nebenbeschäftigungen der Lehrer. 203
Ubren versteht, sv wird wohl niemand scheel dazu sehen, wenn er diese Arbeit fürGeld und gute Worte besorgt; und ähnliche Fälle lassen sich noch mehrere denken. —Ein anderes, recht einträgliches Gewerbe ist die Uebernahme von Agenturen sür Ver-sicherungsgesellschaften aller Art, wozu sich in kleinen Städten oft gerade Lehrer ambesten eignen werden. An sich ist gegen diese Nebenbeschäftigung gewiß nichts einzu-wenden, dennoch ist eine Gefahr mit ihr verbunden, die ich wenigstens andeuten will:der Lehrer bekommt ans diese Weise nicht ganz geringe Summen fremden Geldes indie Hände; wenn sein eignes Einkommen dabei ein kärgliches ist, so kann dies nur zuleicht böse Verwicklungen nach sich ziehen; so wird es gut sein, wenn nur besser ge-stellte oder ganz charakterfeste Männer und solche, die — tüchtige, ordentliche Frauenhaben, mit diesem Gewerbe sich beschäftigen.*)
III. Freie Beschäftigungen. Hier steht für Len Lehrer aus Dörfern undauch in kleinen Städten der Landbau in allen seinen Zweigen obenan; am wenigstenempfiehlt sich der eigentliche Ackerbau; er nimmt zu leicht den ganzen Menschen in Be-schlag und läßt den Lehrer „verbauern"; überdies verstehen seine Mitbürger meist mehrvon demselben und können größere Mittel daran setzen als der Lehrer, und sv drücktihn auch dies leicht innerlich und äußerlich herab.**) Wesentlich anders steht es mitdem Gartenbau und der Obstzucht;- es ist dies schon an sich eine feinere Arbeit, undin ihr wird der Lehrer leicht ein Vorbild für die Gemeinde werden können; es wirdseiner nächsten amtlichen Aufgabe sogar zu gute kommen, wenn er die Rinder an diesenArbeiten theilnehmen läßt, nicht um ihre Zeit und Kraft für sich auszubeuten, sondernum auch hier lehrend und veredelnd aus sie zu wirken; daun wird er leicht auch dieEltern für die Sache gewinnen. An den Gartenbau schließen sich leicht und natürlichBienenzucht und Seidenbau an. Alle diese Erwerbszweige kann der Lehrer zunächstfür sich selbst betreiben; noch besser ist es, wenn er auch diese Bemühungen zugleichder Gemeinde und dem allgemeinen Wohlstände zu gute kommen läßt, wenn er alsoseine Anleitung von den hindern auch auf die zugänglichen Eltern überträgt, wenn ereine Gemcindebaumschule anlegt, wenn er einen Mittelpnnet abgiebt sür alle, die sichmit Seidenbau beschäftigen, wobei ihm selbst natürlich immer ein billiger Gewinn zu-fließen muß. In den meisten Staaten wird diese Art von Thätigkeit durch gesetzlicheBestimmungen mit Recht eifrig gefördert und unterstützt. — Dagegen ist die Ausübungder Jagd den Bolksschullehrern in manchen Staaten geradezu verboten: daß sie wegendes mit ihr verbundenen Blutvergießens dem Lehrer nicht zieme, will mir nicht ein-lenchten; auch zum Wilderer wird ein Lehrer wohl sv leicht nicht werden; höchstensdas ist bedenklich, daß die Jägerei erfahrungsmäßig leicht zu einer den ganzen Men-schen beherrschenden Leidenschaft ausartet; aber die menschlichen Leidenschaften lassensich nun einmal durch Pvlizeimaßregeln nicht bändigen, und immer ist es besser, daßder Lehrer dann und wann freie Stunden oder selbst Tage aus der Jagd zubringt,als daß er jeden Abend im Wirthshause oder beim Nachbar oder in der eigenen Woh-nung Solo oder Whist oder Skat spielt, was sich doch nicht verbieten läßt. ***)
Unter den freien Beschäftigungen nehmen endlich noch einen sehr erheblichen Raum
*) In Württemberg wird in neuerer Zeit die Feldmesserei und die Postexpedition immerhäufiger von Lehrern besorgt. D. Red.
**) Sollte dies auch dann zu befürchten sein, wenn gerade so viel Grundstücke zu dem Schul-dienst gehören, daß der Inhaber seinen Bedarf an Brodfrüchten selbst bauen und eine kleineOekonomie führen kann? Wäre damit nickt die beste Gewähr gegen Noth und Mangel undzugleich eine den Lehrer mit den Eltern oder Schülern nicht bloß äußerlich verknüpfende Gleich-artigkeit der Interessen gegeben? D. Red.
***) Ein Lehrer, der "die Nacht ans dem Anstand zugebracht hat, wird aber wenig Frische mehrin die Schule mitbringen, und die Versuchung, über die freien Stunden und Tage hiitauszu-greifen, wird zuweilen allzu nahe liegen. Auch ist das Vornrtheil, daß das Jagen die Menschenleicht roh mache, aller Erfahrung nach nicht ganz unbegründet. D. Red.