Ncander.
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noch an den Wurzeln und um ihre Ncclimatisation in dem neuen Boden, auf welchemsic Früchte bringen sollen, macht man sich keine besondere Sorge. Es kommt also beidiesem Humanismus weder die Eigenthümlichkeit des Alterthnms, noch kommen dieAnsprüche der Gegenwart zu ihrem vollen Recht. Damit hängt denn auch zusammen,daß in allen Zweigen des Unterrichtes die Methode vor allem, ja fast ausschließlich,ans ein getreues Memorircn des Ueberlieferten gerichtet ist. Auf diese Weise gebendenn auch N.'s Schriften für das, was Raumer so treffend den verbalen Realis-mus jener Pädagogik genannt hat, treffende Belege; auch in den Realien bleibt manvon dem Buchstaben der Classiker abhängig und wagt nicht recht, sich frei zu bewegenund mit eigenen Angen zu sehen, wiewohl, namentlich in N.'s Physik, Geographie undChronologie gesunde Keime eines realen Realismus enthalten sind, welchen eine sorg-fältigere Weiterbildung in der späteren Zeit zu wünschen gewesen wäre.
Den Nachtheilen, die eine solche Auffassung und Behandlung der pädagogischenAufgabe im Gefolge haben konnte, wurde nun aber bei N. durch dasjenige begegnet,wodurch überhaupt die Schwächen der Methode am besten compensirt werden können,und ohne welches auch die beste Methode nicht viel fruchtet, durch die gesammte aus-gezeichnete pädagogische Persönlichkeit des Mannes. Die Loeta atgnselognsns znstas, wie Sturm das pädagogische Ideal jener Zeit treffend formulirt hat,war in der That in N. auf eine ungewöhnliche Weise verwirklicht. Man kann dasUrtheil sich gefallen lassen, welches F. A. Wolf in seinen Vorlesungen über dieEncyklopädie der Alterthumswissenschaft über N. fällt (herausgeg. von Gürtler S. 475),daß er kein singulärer Kopf als Schriftsteller gewesen sei, aber als Sprachkenner sichsehr verdient gemacht habe und daß sein Charakter sehr bieder gewesen sein müße.Denn ein eigentlich genialer Geist war N. nicht, aber er besaß ein ausgezeichnetesTalent der lebendigen Auffassung und Aneignung sowohl wie der anregenden und klarenMittheilung, welches durch den regsten und treuesten Lern- und Lehreiscr zur kräftigstenWirksamkeit gesteigert wurde. Nicht bloß im Lateinischen hatte er es in Rede undSchrift zu großer Fertigkeit gebracht, auch das Griechische handhabte er, undselbst in Gedichten von allen möglichen Versmaßen, mit der größten Leichtigkeit; alsaus einen Beleg hierfür mag nur auf das Gedicht hingewiesen werden, welches in nichtweniger als 222 sapphischen Strophen Do missria, nna etiam lliZnituts st gloriaxaoäaAvAornm handelt. Seinem treuen Eifer aber gelang es durch Lehre und Beispielso anregend ans seine Schüler zu wirken, daß der berühmteste unter ihnen, LorenzRhodomann, ihm nachrühmen konnte, es seien mehr feine Griechen aus der Schulezu Ilfeld hervorgegangen, als einst Helden aus dem trojanischen Pferde, daß dieUeanärisi auf der Universität durch ihre tüchtige Vorbereitung vor allen sich hervor-thaten und daß, obgleich, wie bereits bemerkt, N. allein Rector und Lehrer und Haus-meister, kurz alles in allem sein mußte*), doch Melanchthon die Schule zu Ilfeld„um der treuen Arbeit Neanders willen" für das beste Seminar im Lande erklärte.(Havemann, S. 24, nach Leuckfeld, antiiz. Iltslcl.). Diese stille, treue, mit selbstver-läugnender Hingebung um das Einzelnste sich bekümmernde und von dem wärmstenPersönlichen Interesse für jeden Schüler getragene Arbeit macht denn auch, wenn wirihn mit seinen beiden großen pädagogischen Zeitgenossen, Trotzendorf und Sturm ver-gleichen, welchen er als dritter im Bunde würdig sich anreiht, das eigentlich Charakte-ristische in der pädagogischen Thätigkeit N.'s ans. Eine solche Treue aber konnte nurauf dem Boden der lebendigen Frömmigkeit entstehen, welche einen Grnndzng in seinemWesen ausmacht. Wie in seinen Klassikern, so ist er in der heiligen Schrift bewandert,
*) Eine Art pädagogischer Hausordnung, welche Las Verhalten des Zöglings von derMorgen- und Abendandacht bis zu den speciellsteu Requisiten eines anständigen Benehmensbei Tische regelt, gibt N. in dem Schriftcheu, welches den Titel führt: Os pusrorum üisvixlinast moribuo praeeepta pauca, st brsves vitas pias st prsbatus rsAuIus, und welches V o r m-baum im Anhänge zu den „Bedenken" a. a. O. S. 761—76L mitiheilt.